Das geht in die Hose
Kategorie: Redewendungen
Das geht in die Hose
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft der Redewendung "Das geht in die Hose" ist nicht vollständig geklärt und es existieren mehrere plausible Theorien, die sich jedoch nicht mit absoluter Sicherheit belegen lassen. Eine der populärsten Erklärungen führt die Redensart auf das Mittelalter zurück. Damals trugen Männer keine Hosen im heutigen Sinne, sondern weite Beinlinge oder Strumpfhosen, die an einem Wams befestigt wurden. In diesen oft recht lockeren Beinkleidern konnte man leicht etwas verstecken, etwa Geld oder kleine Diebesbeute. Wenn nun ein solches Vorhaben misslang und der Gegenstand herauszufallen drohte oder entdeckt wurde, war das Projekt buchstäblich "in die Hose gegangen". Eine andere Theorie bezieht sich auf die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, wo Landsknechte ihren Sold in den Hosenbeinen aufbewahrt haben sollen. Fiel dieser heraus oder wurde gestohlen, war der Lohn verloren. Da keine dieser Theorien durch historische Schriftquellen zweifelsfrei gesichert ist, verzichten wir an dieser Stelle auf eine definitive Aussage zur Herkunft.
Bedeutungsanalyse
Die Bedeutung der Redewendung ist heute eindeutig und weit verbreitet. "Das geht in die Hose" beschreibt im übertragenen Sinn, dass ein Plan, ein Vorhaben oder ein Projekt kläglich scheitert, ein unerwartetes und negatives Ende nimmt oder komplett schiefgeht. Es impliziert ein Resultat, das das genaue Gegenteil der ursprünglichen Hoffnung oder Erwartung darstellt. Wörtlich genommen wäre die Vorstellung absurd: Ein abstraktes Konzept wie ein "Plan" kann nicht physisch in ein Kleidungsstück hineingehen. Genau dieser Kontrast zwischen wörtlicher Unmöglichkeit und übertragener Klarheit macht den Charme der Redensart aus. Ein typisches Missverständnis besteht manchmal bei Deutschlernenden, die den Ausdruck zunächst mit Peinlichkeit oder einem privaten Missgeschick verbinden könnten. Der Kern liegt jedoch immer im Scheitern einer Absicht, nicht unbedingt in der daraus resultierenden Scham.
Relevanz heute
Die Redewendung "Das geht in die Hose" ist nach wie vor äußerst relevant und lebendig im deutschen Sprachgebrauch. Sie wird in nahezu allen gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen verstanden und verwendet, auch wenn sie einen leicht saloppen bis umgangssprachlichen Charakter hat. Ihre Relevanz zeigt sich besonders in der Alltagskommunikation, in Medien und sogar in der politischen Berichterstattung. Journalisten nutzen sie häufig, um gescheiterte Verhandlungen oder fehlgeschlagene Gesetzesvorhaben pointiert zu beschreiben. In der digitalen Welt hat die Redensart ebenfalls überlebt und wird in sozialen Netzwerken oder Blogkommentaren eingesetzt, um etwa das Scheitern einer Produkteinführung oder einer Marketingkampagne auf den Punkt zu bringen. Ihre anhaltende Popularität verdankt sie ihrer Bildhaftigkeit und der sofortigen Verständlichkeit des ausgedrückten Misserfolgs.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für informelle Gespräche, lockere Vorträge oder kollegiale Besprechungen, in denen man ein Scheitern ohne allzu formelle oder dramatische Worte benennen möchte. Sie transportiert eine gewisse Gelassenheit oder Resignation und ist weniger anklagend als andere Ausdrücke für Misserfolg.
Geeignete Kontexte:
- Im privaten Umfeld, wenn gemeinsame Pläne scheitern ("Unser Picknick geht wegen des Regens komplett in die Hose.").
- In der Arbeitswelt unter Kollegen, um auf ein gescheitertes Projekt hinzuweisen ("Wenn wir den Liefertermin nicht halten, geht der ganze Auftrag in die Hose.").
- In journalistischen oder bloggenden Texten, um eine lockere, zugängliche Sprache zu pflegen.
Weniger geeignet ist die Redewendung in sehr formellen oder offiziellen Situationen. In einer Trauerrede, einem rechtsverbindlichen Schreiben, einem wissenschaftlichen Paper oder in einer ernsthaften Entschuldigung bei Vorgesetzten wirkt sie zu salopp, zu flapsig und möglicherweise respektlos. Hier sind Formulierungen wie "ist gescheitert", "hat nicht zum gewünschten Ergebnis geführt" oder "ist misslungen" deutlich angemessener.
Beispiele für gelungene Sätze:
- "Die Überraschungsparty für Anna ist leider in die Hose gegangen, weil sie zufällig früher nach Hause kam."
- "Ohne gründliche Vorbereitung geht dein Präsentationsversuch mit Sicherheit in die Hose."
- "Der Versuch, den alten Schrank selbst zu lackieren, ist gründlich in die Hose gegangen."
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