Da herrscht Sodom und Gomorrha
Kategorie: Redewendungen
Da herrscht Sodom und Gomorrha
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Da herrscht Sodom und Gomorrha" ist direkt der biblischen Überlieferung entnommen. Ihr Ursprung liegt in der Erzählung von den beiden Städten Sodom und Gomorra aus dem 1. Buch Mose (Genesis, Kapitel 18 und 19). Diese Orte stehen im Alten Testament als Sinnbild für sittenloses Verhalten, Gottlosigkeit und extreme moralische Verderbtheit. Ihre Zerstörung durch Feuer und Schwefel als göttliches Strafgericht prägte sich tief ins kulturelle Gedächtnis ein. Der erste belegbare, sprichwörtliche Gebrauch im Deutschen lässt sich nicht auf ein exaktes Datum eingrenzen, ist aber als feststehende Metapher seit vielen Jahrhunderten in Gebrauch, um einen Ort des moralischen Chaos zu beschreiben.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich bezieht sich die Redensart auf die beiden in der Bibel beschriebenen Städte. In der übertragenen Bedeutung charakterisiert sie einen Zustand völliger Unordnung, Zügellosigkeit und Sittenlosigkeit. Sie beschreibt eine Atmosphäre, in der Regeln missachtet werden, Anstand fehlt und ein allgemeines Chaos herrscht. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redewendung auf bloße Unordnung oder Lärm zu reduzieren. Während ein unaufgeräumtes Kinderzimmer chaotisch ist, herrscht dort nicht zwangsläufig "Sodom und Gomorrha". Die Redensart impliziert immer eine moralische Komponente, einen Verfall von Werten und Grenzen. Sie meint weniger das physische Durcheinander als vielmehr das sittliche.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache durchaus noch lebendig, wenn auch ihr Gebrauch bewusster erfolgt. Aufgrund ihres biblischen und damit schweren Hintergrunds wird sie seltener in alltäglichen Situationen verwendet, sondern eher als pointierte, dramatische Zuspitzung. Sie findet Anwendung in politischen Kommentaren, um korrupte Systeme oder zügellose Lobbyarbeit zu kritisieren. In gesellschaftlichen Debatten kann sie für einen wahrgenommenen Werteverfall oder extreme Ausschreitungen stehen. Ihre Relevanz bezieht sie aus ihrer unvergleichlichen Bildhaftigkeit: Keine andere Formulierung transportiert so kompakt die Vorstellung von einem Ort, an dem alle moralischen Dämme gebrochen sind.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich für Kontexte, in denen eine Situation mit drastischen Worten charakterisiert werden soll. Sie wirkt in kritischen Vorträgen, in politischen Kolumnen oder in literarischen Beschreibungen. In einer lockeren Unterhaltung über eine ausgelassene Party wäre sie meist übertrieben und zu hart. Für eine Trauerrede ist sie generell unpassend, es sei denn, sie dient einem sehr spezifischen, metaphorischen Vergleich.
Verwenden Sie diese Formulierung also mit Bedacht. Hier einige Beispiele für gelungene Anwendungen:
- Nach den Enthüllungen über Bestechung und Vetternwirtschaft muss man sagen: In dieser Behörde herrschte jahrelang Sodom und Gomorrha.
- Der Journalist beschrieb die nächtlichen Ausschreitungen in der Innenstadt mit den Worten: "Es war, als hätte sich Sodom und Gomorrha auf dem Platz ausgebreitet."
- In einem Kommentar zur Finanzkrise 2008 hieß es: "An der Wall Street herrschte nicht mehr der Geist des Kapitalismus, sondern Sodom und Gomorrha."
Sie sehen, die Redensart funktioniert besonders gut in analytischen oder anklagenden Kontexten, wo es um systemisches Versagen und moralische Verwahrlosung geht. In privaten, harmlosen Situationen wirkt sie hingegen oft deplatziert und überdramatisch.
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