Von Tuten und Blasen keine Ahnung haben
Kategorie: Redewendungen
Von Tuten und Blasen keine Ahnung haben
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Von Tuten und Blasen keine Ahnung haben" stammt aus der Welt der mittelalterlichen Stadtwachen und Nachtwächter. Diese hatten die Aufgabe, durch bestimmte Signale – das "Tuten" auf dem Horn und das "Blasen" auf der Trompete oder dem Horn – die Stunden anzuzeigen, vor Gefahr zu warnen und die Bürger zu wecken. Wer von diesen essenziellen Tätigkeiten und Signalen "keine Ahnung" hatte, war für das Amt völlig ungeeignet. Die erste schriftliche Fixierung findet sich im 16. Jahrhundert. Ein früher Beleg stammt aus dem Jahr 1535 in einer Schrift von Johann Agricola, der sie in einer Sammlung deutscher Sprichwörter aufführt. Damit ist die Herkunft klar im historischen Berufsbild verankert und gut belegt.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen bezieht sich die Redewendung auf die Unkenntnis der spezifischen Horn- und Trompetensignale eines Nachtwächters. In der übertragenen, heute ausschließlich gebräuchlichen Bedeutung drückt sie jedoch ein komplettes und oft peinliches Unwissen in einer bestimmten Sache aus. Sie geht über ein einfaches "Ich weiß es nicht" hinaus und impliziert, dass der Betreffende nicht einmal die grundlegendsten, elementarsten Kenntnisse oder Fertigkeiten besitzt. Ein typisches Missverständnis könnte in der vulgären Fehlinterpretation der Worte "Tuten" und "Blasen" liegen, was jedoch der ursprünglichen und korrekten Bedeutung nicht gerecht wird. Kurz gesagt: Jemand, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, steht in einem Gebiet völlig im Dunkeln und hat nicht einmal Basiswissen.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch im modernen Sprachgebrauch äußerst lebendig und relevant. Sie wird nach wie vor häufig verwendet, um auf humorvolle oder auch spöttische Weise ein eklatantes Fachunkenntnis zu kennzeichnen. Sie findet sich in Alltagsgesprächen, in der politischen Berichterstattung, in Kolumnen und in der Wirtschaftssprache wieder. Die Brücke zur Gegenwart ist leicht geschlagen, da es immer neue, komplexe Themengebiete gibt – sei es die Blockchain-Technologie, die Feinheiten des Steuerrechts oder die Regeln einer neuen Sportart –, in denen man "von Tuten und Blasen keine Ahnung" haben kann. Ihre Bildhaftigkeit und der leicht scherzhafte Unterton sorgen für ihre anhaltende Popularität.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung ist vielseitig einsetzbar, jedoch aufgrund ihrer saloppen und bildhaften Natur klar auf den informellen Bereich beschränkt. Sie eignet sich hervorragend für lockere Vorträge, um ein technisches Unwissen beim Publikum zu umschreiben, oder in geselligen Gesprächen unter Freunden. In einer offiziellen Trauerrede, einem diplomatischen Schreiben oder einem wissenschaftlichen Paper wäre sie dagegen völlig fehl am Platz und würde als flapsig oder respektlos wirken. Sie kann sowohl selbstironisch ("Da muss ich passen, davon habe ich ja von Tuten und Blasen keine Ahnung!") als auch beschreibend über Dritte verwendet werden. Gelungene Beispiele für ihren Einsatz sind:
- "Ich lasse den Heizungsbauer lieber kommen. Von Installationen habe ich von Tuten und Blasen keine Ahnung."
- "Seine Kritik an der Finanzpolitik ist nicht ernst zu nehmen. Er hat von volkswirtschaftlichen Zusammenhängen doch von Tuten und Blasen keine Ahnung."
- In einem lockeren Meeting: "Kann das bitte jemand erklären? Ich gestehe frei ein, dass ich von diesem neuen Tool noch von Tuten und Blasen keine Ahnung habe."
Besonders geeignet ist die Formulierung also in Situationen, in denen eine gewisse Selbstironie angebracht ist oder wo ein deutliches, aber nicht bösartiges Unwissen pointiert beschrieben werden soll.
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