Da hat er eine Marotte
Kategorie: Redewendungen
Da hat er eine Marotte
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft der Redewendung "Da hat er eine Marotte" lässt sich mit großer Sicherheit auf das 17. Jahrhundert zurückführen. Das Wort "Marotte" selbst stammt aus dem Französischen. Es bezeichnete ursprünglich den Narrenkopf oder die Narrenpritsche, also das Zepter eines Hofnarren, das oft mit einem geschnitzten Fratzenkopf verziert war. Dieser Gegenstand war das charakteristische Symbol und Attribut des Narren. Im Laufe der Zeit übertrug sich die Bedeutung von dem Gegenstand auf die typisch närrische, also absonderliche oder eigenwillige Verhaltensweise, die der Träger dieser Marotte an den Tag legte. Die Redewendung etablierte sich im deutschen Sprachraum als feststehender Ausdruck für eine persönliche, etwas skurrile Eigenart.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "Da hat er (oder sie) eine Marotte" beschreibt eine liebenswert-schrullige, manchmal auch etwas lästige Eigenheit einer Person. Wörtlich genommen verweist sie auf den Narrenstab, übertragen meint sie jedoch ein spezielles Verhalten oder eine feste Gewohnheit, die für andere ungewöhnlich oder kurios erscheint. Ein typisches Missverständnis besteht darin, "Marotte" mit einer ernsthaften Zwangsstörung oder einem gravierenden psychologischen Problem gleichzusetzen. Das ist nicht der Fall. Eine Marotte ist deutlich harmloser und gehört zur Persönlichkeit, ohne dass sie den Alltag ernsthaft beeinträchtigt. Es handelt sich um eine charmante Macke oder ein kleines Steckenpferd, das den Charakter eines Menschen ausmacht und ihn oft sogar sympathisch wirken lässt.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der modernen Umgangssprache absolut lebendig und relevant. Sie wird nach wie vor häufig verwendet, um die kleinen Eigenheiten von Freunden, Familienmitgliedern, Kollegen oder auch öffentlichen Personen mit einem Augenzwinkern zu kommentieren. In einer Zeit, die zunehmend Wert auf Individualität und Authentizität legt, bietet der Begriff eine wohlwollende Kategorie für Verhaltensweisen, die vom Standard abweichen. Ob es der Kollege ist, der seinen Kugelschreiber vor dem Gebrauch immer dreimal klopft, oder die Freundin, die niemals ohne ihre spezielle Teetasse reist – für all diese Phänomene ist "Marotte" der perfekte, nicht abwertende Begriff. Sie schlägt somit eine direkte Brücke von der höfischen Narrenkultur zur heutigen Akzeptanz persönlicher Besonderheiten.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für informelle bis halbformelle Gespräche und Texte. Sie klingt in privaten Unterhaltungen, in lockeren Vorträgen oder in journalistischen Porträts absolut passend. In einer sehr formellen Rede oder gar einer Trauerrede wäre sie hingegen wahrscheinlich zu salopp und umgangssprachlich. Der Tonfall ist stets leicht, manchmal amüsiert, aber niemals bösartig oder verletzend. Sie dient der Beschreibung, nicht der Abwertung.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Verwendungen:
- In einem lockeren Gespräch: "Unser Chef hat die Marotte, alle Besprechungen pünktlich um 11:11 Uhr beginnen zu lassen. Er sagt, das bringe Glück."
- In einer Charakterbeschreibung: "Die großartige Schriftstellerin war nicht nur für ihre Romane, sondern auch für ihre Marotte bekannt, stets mit violetten Tinten zu schreiben."
- Im Familienkreis: "Opa hat seine Marotte: Er muss jeden Abend die Terrassentür genau dreimal verriegeln, bevor er schlafen geht."
Nutzen Sie die Redewendung also immer dann, wenn Sie eine persönliche Eigenheit benennen möchten, die als charakteristisch, vielleicht etwas skurril, aber letztlich unschädlich und Teil der Person wahrgenommen wird.
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