Bei jemandem einen Stein im Brett haben

Kategorie: Redewendungen

Bei jemandem einen Stein im Brett haben

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Bei jemandem einen Stein im Brett haben" stammt aus der Welt des mittelalterlichen Brettspiels, konkret aus dem Spiel "Puff" oder "Tricktrack", einer frühen Form des Backgammons. In diesem Spiel wurden die Spielfiguren als "Steine" bezeichnet. Einen Stein im Brett des Gegners zu platzieren, bedeutete einen strategischen Vorteil, einen gesicherten und guten Stand. Wer also bei seinem Gegenüber "einen Stein im Brett hatte", war in einer günstigen Position. Die Wendung ist seit dem 16. Jahrhundert in der deutschen Sprache belegt und hat sich von der Spielmetapher zu einer allgemeinen Beschreibung für eine bevorzugte Stellung und Sympathie gewandelt.

Bedeutungsanalyse

Im übertragenen Sinn bedeutet die Redewendung, dass man bei einer anderen Person gut angesehen ist, ihr sympathisch ist und man daher bei ihr besondere Gunst oder Vorzüge genießt. Wörtlich bezieht sie sich, wie erläutert, auf die günstige Position einer Spielfigur. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Vorstellung eines physischen "Steines", den man vielleicht als Geschenk oder Andenken erhält. Der Kern der Aussage liegt jedoch ausschließlich in der positiven Beziehungsebene. Es geht um Anerkennung und einen Vertrauensvorschuss, nicht um materielle Dinge. Kurz gesagt: Wer bei jemandem einen Stein im Brett hat, der ist dort beliebt und geschätzt.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch in der modernen Alltagssprache nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Sie wird in ganz unterschiedlichen Kontexten verwendet, vom privaten Umfeld bis in die Berufswelt. Im Privaten beschreibt sie, warum der neue Partner der Tochter bei den Schwiegereltern so willkommen ist. Im Berufsleben erklärt sie, warum ein bestimmter Kollege scheinbar müheloser Zugang zum Chef findet oder warum ein Lieferant den Zuschlag für ein Projekt erhält. Die Metapher ist zeitlos, weil das Gefühl, bei jemandem in Gunst zu stehen oder eben nicht, ein universelles menschliches Erlebnis ist. Sie schlägt somit eine direkte Brücke von der mittelalterlichen Spielstube in heutige Besprechungszimmer und Wohnzimmer.

Praktische Verwendbarkeit

Die Wendung eignet sich hervorragend für gesprochene Sprache in formellen und informellen Situationen. Sie ist nicht salopp oder derb, sondern eine gut etablierte, bildhafte Ausdrucksweise. Sie passt in lockere Gespräche unter Freunden ebenso wie in einen etwas lebendigeren Vortrag, um zwischenmenschliche Dynamiken zu beschreiben. In einer sehr förmlichen Trauerrede könnte sie als zu umgangssprachlich empfunden werden, es sei denn, sie charakterisiert die Verstorbene auf eine treffende Art. Entscheidend ist der Tonfall: Die Redewendung transportiert oft eine gewisse Anerkennung oder auch neidvolle Anerkennung.

Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Verwendungen:

  • Im Beruf: "Für diese Verhandlung sollten Sie Frau Weber entsenden. Sie hat beim Geschäftsführer der Zielgruppe eindeutig einen Stein im Brett."
  • Im Privaten: "Keine Sorge, dein Bruder kann den Familienwagen haben. Er hat bei Oma seit jeher einen Stein im Brett."
  • Analytisch: "Der Erfolg des Projektes lag nicht nur an der Idee, sondern auch daran, dass die Projektleiterin beim wichtigsten Investor einen Stein im Brett hatte."

Nutzen Sie die Redewendung also immer dann, wenn Sie ausdrücken möchten, dass eine positive, vertrauensvolle Beziehung den entscheidenden Unterschied macht. Sie ist weniger für konfliktreiche oder negative Kontexte geeignet, sondern betont stets den Vorteil, der aus einer besonderen Sympathie erwächst.

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