Auf den Keks gehen

Kategorie: Redewendungen

Auf den Keks gehen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Herkunft dieser saloppen Redensart ist nicht vollständig geklärt und wird in der Sprachwissenschaft unterschiedlich diskutiert. Eine plausible und häufig genannte Theorie führt sie auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Damals waren Süßigkeiten wie Kekse oder Plätzchen eine begehrte, aber knappe Rarität. Wenn ungebetene oder lästige Besucher kamen, die die eigenen Vorräte "auffraßen", ging einem das sprichwörtlich "auf den Keks". Die Redewendung wäre demnach ein Ausdruck von Ärger über jemanden, der einem etwas Kostbares wegnimmt oder die Geduld raubt. Eine andere, weniger belegte Erklärung sieht den Ursprung im Theaterjargon, wo "Keks" als scherzhafter Begriff für den Kopf verwendet worden sein soll. Da keine dieser Theorien als hundertprozentig gesichert gelten kann, verzichten wir an dieser Stelle auf eine detaillierte Darstellung der Herkunft.

Bedeutungsanalyse

Die Redewendung "auf den Keks gehen" bedeutet, dass jemand oder etwas nervt, stört oder auf die Dauer unerträglich wird. Sie beschreibt einen Zustand der genervten Belastungsgrenze. Wörtlich genommen ergibt das Bild wenig Sinn, denn niemand geht buchstäblich auf ein Gebäckstück. In der übertragenen Bedeutung steht der "Keks" jedoch metaphorisch für die Geduld, die Nerven oder die allgemeine gute Laune einer Person. Wenn jemand "auf den Keks geht", trampelt er sozusagen auf dieser kostbaren Ressource herum und zermürbt sie. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redensart mit körperlicher Annäherung zu verwechseln. Es geht jedoch nie um räumliche Nähe, sondern ausschließlich um eine psychische Belastung. Die Formulierung ist immer subjektiv: Was den einen völlig kalt lässt, kann einem anderen schon gewaltig auf den Keks gehen.

Relevanz heute

Die Redewendung ist heute absolut lebendig und wird in der gesprochenen Umgangssprache ständig verwendet. Sie hat sich als fester und gut verständlicher Bestandteil des deutschen Sprachgebrauchs etabliert, insbesondere in informellen Situationen. Ihre Relevanz zeigt sich auch in ihrer Anpassungsfähigkeit an moderne Kontexte. So hört man Sätze wie "Dieses ständige Piepen des Smartphones geht mir auf den Keks" oder "Die ewigen Pop-up-Werbungen im Internet gehen einem echt auf den Keks". Sie dient als ventilariger Ausdruck für die kleinen und großen Nervensägen des Alltags, vom tropfenden Wasserhahn bis zum kollegialen Besserwisser. Die Brücke zur Gegenwart ist daher sehr direkt: Die Redensart beschreibt ein zeitloses menschliches Gefühl – Genervtheit – mit einem anschaulichen und eingängigen Bild.

Praktische Verwendbarkeit

Diese Redensart ist ein Klassiker der lockeren Alltagskommunikation. Sie eignet sich perfekt für Gespräche mit Freunden, in der Familie oder mit Kollegen auf dem Flur. In einem lockeren Vortrag kann sie als Stilmittel eingesetzt werden, um sympathisch und nahbar zu wirken und ein allgemeines Gefühl der Ungeduld zu beschreiben.

Sie ist jedoch eindeutig nicht geeignet für formelle oder offizielle Anlässe. In einer Trauerrede, einem Geschäftsbericht, einem offiziellen Schreiben oder in einer diplomatischen Verhandlung würde sie als völlig unangemessen, salopp und respektlos wahrgenommen. Selbst in vielen beruflichen Meetings wäre ein flapsiges "Das geht mir auf den Keks" ein Fauxpas. Hier wählt man besser standardsprachliche Alternativen wie "Das ist sehr störend" oder "Das strapaziert meine Geduld".

Gelungene Beispiele für den passenden Einsatz sind:

  • "Ich mag meinen Nachbarn, aber seine laute Musik am Sonntagmorgen geht mir langsam auf den Keks."
  • "Die ständigen Unterbrechungen bei der Arbeit gehen mir echt auf den Keks, da komme ich ja zu nichts."
  • "Es geht mir nicht auf den Keks, dass du Hilfe brauchst, sondern dass du immer erst im letzten Moment damit kommst."

Die Redewendung funktioniert besonders gut, um persönliche, aber nicht existenzielle Ärgernisse mit einer gewissen Selbstironie zu benennen. Sie signalisiert: "Ich bin genervt, aber ich nehme mich und den Anlass nicht ganz bierernst."

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