Auf Teufel komm raus
Kategorie: Redewendungen
Auf Teufel komm raus
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser markanten Redensart ist nicht mit letzter Sicherheit geklärt, weshalb wir auf eine spekulative Darstellung verzichten. Historisch belegbar ist jedoch ihre Verankerung in der Rechtssprache des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Sie taucht in Gerichtsprotokollen und Urteilsverkündungen auf. Gemeint war damit, dass eine Person selbst dann, wenn der Teufel persönlich aus der Hölle käme, um sie zu retten oder zu verteidigen, dennoch schuldig gesprochen und verurteilt würde. Es handelte sich um eine besonders nachdrückliche Formel, die die Unausweichlichkeit und Endgültigkeit eines Urteils betonte, gleichsam "koste es, was es wolle".
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschwört die Wendung ein extremes Szenario herauf: Man verfolgt ein Ziel mit solcher Verbissenheit, dass man es selbst dann noch täte, wenn dadurch der Teufel aus der Unterwelt befreit würde – also unter allen denkbaren und undenkbaren Umständen. Übertragen bedeutet sie heute: Etwas wird rücksichtslos, verbissen und ohne jede Einschränkung getan. Es geht um blinden Aktionismus, der über Risiken und Nebenwirkungen hinwegsieht. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um eine Art Wettbewerb oder Herausforderung ("wer den Teufel herausholt, gewinnt"). Tatsächlich beschreibt die Redewendung keine spielerische Herausforderung, sondern eine gefährliche oder dumme Sturheit. Sie kritisiert implizit, dass der Zweck die Mittel heiligt, egal wie verheerend die Konsequenzen sein mögen.
Relevanz heute
Die Redewendung "auf Teufel komm raus" ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Sie wird verwendet, um moderne Phänomene der Maßlosigkeit und des rücksichtslosen Strebens zu kritisieren. Sie trifft den Nerv unserer Zeit, in der Geschwindigkeit und Ergebnisdruck oft über Besonnenheit gestellt werden. Man hört sie in Diskussionen über Wirtschaft ("Das Unternehmen wuchs auf Teufel komm raus, ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit"), Politik ("Die Reform wurde auf Teufel komm raus durchgepeitscht") oder im persönlichen Bereich ("Er trainierte auf Teufel komm raus für den Marathon und zog sich eine Verletzung zu"). Sie dient als prägnante Warnung vor übertriebenem Ehrgeiz und fehlender Risikoabwägung.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redensart eignet sich hervorragend für kritische Kommentare in gesprochenen oder geschriebenen Analysen, etwa in Kolumnen, politischen Kommentaren oder Fachvorträgen, wo sie eine anschauliche, pointierte Kritik liefert. In einer lockeren Gesprächsrunde unter Freunden kann sie übertrieben scherzhaft eingesetzt werden ("Ich habe gestern auf Teufel komm raus die Wohnung geputzt!"). Für formelle Anlässe wie eine Trauerrede, eine offizielle Ansprache oder ein diplomatisches Gespräch ist sie aufgrund ihrer drastischen Bildsprache und ihres negativen Untertons jedoch völlig ungeeignet und würde als salopp oder respektlos wirken.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Das Projekt darf nicht auf Teufel komm raus vorangetrieben werden; wir müssen die Qualität sichern." (In einem Geschäftsmeeting)
- "Die Bauarbeiten wurden auf Teufel komm raus beendet, und jetzt zeigen sich überall Mängel." (In einem kritischen Bericht)
- "Du musst nicht auf Teufel komm raus lernen; regelmäßige Pausen sind wichtig." (Im privaten, fürsorglichen Rat)
Sie sollten die Redewendung also dann wählen, wenn Sie ein Verhalten beschreiben möchten, das von blindem Eifer und gefährlicher Kompromisslosigkeit geprägt ist.
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