Auf dem kieker haben

Kategorie: Redewendungen

Auf dem kieker haben

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "jemanden auf dem Kieker haben" stammt aus dem Niederdeutschen und ist seit dem 19. Jahrhundert belegt. Das Wort "Kieker" leitet sich vom niederdeutschen Verb "kieken" ab, was so viel wie "gucken" oder "schauen" bedeutet. Ursprünglich bezeichnete ein "Kieker" schlicht ein Fernrohr oder ein Perspektiv, wie es etwa Seeleute zur Beobachtung des Horizonts verwendeten. Wer also jemanden "auf dem Kieker" hatte, hatte diese Person buchstäblich im Visier seines optischen Instruments. Der Begriff fand über die Seemannssprache und den regionalen Sprachgebrauch im norddeutschen Raum schließlich Eingang in die deutsche Umgangssprache. Die übertragene Bedeutung, jemanden misstrauisch zu beobachten oder ihm übel zu wollen, entwickelte sich aus dieser wörtlichen Vorstellung des gezielten Beobachtens.

Bedeutungsanalyse

Die Redewendung bedeutet heute, dass man eine Person misstrauisch beobachtet, sie im Verdacht hat oder ihr sogar feindselig gesinnt ist. Wörtlich genommen beschreibt sie das Bild, jemanden durch ein Fernrohr ständig im Blick zu haben. Übertragen steht sie für eine anhaltende, oft negative Aufmerksamkeit. Ein typisches Missverständnis besteht in der Verwechslung mit dem ähnlich klingenden "Kiefer", dem Knochen des Unterkiefers. Die Redewendung hat jedoch nichts mit körperlichen Merkmalen zu tun. Sie beschreibt ausschließlich eine Handlung des Beobachtens und eine daraus resultierende mentale Haltung von Argwohn oder Gegnerschaft. Kurz gesagt: Wenn Sie jemanden auf dem Kieker haben, dann haben Sie ein Auge auf diese Person geworfen, weil Sie ihr nicht trauen oder ihr etwas übel nehmen.

Relevanz heute

Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und wird in der gesamten deutschsprachigen Welt verstanden und genutzt. Ihre Relevanz zeigt sich in vielfältigen modernen Kontexten. Im beruflichen Umfeld kann ein Vorgesetzter einen Mitarbeiter auf dem Kieker haben, wenn dessen Leistung hinter den Erwartungen zurückbleibt. In der Politik oder Medienberichterstattung ist oft zu hören, dass ein Journalist oder eine Oppositionspartei die Regierung auf dem Kieker hat. Selbst im privaten Bereich, etwa in Freundeskreisen oder in der Nachbarschaft, wird die Wendung verwendet, um ein anhaltendes Misstrauen zu beschreiben. Die bildhafte Kraft des "zielgerichteten Beobachtens" passt auch hervorragend in die digitale Welt, wo etwa Datenschützer große Tech-Konzerne auf dem Kieker haben. Die Redewendung hat somit nichts von ihrer Aussagekraft eingebüßt.

Praktische Verwendbarkeit

Die Wendung ist umgangssprachlich und passt daher ideal in lockere Gespräche, informelle Vorträge oder auch in journalistische Kommentare. Sie ist weniger für förmliche Anlässe wie Trauerreden oder offizielle Ansprachen geeignet, wo sie als zu salopp empfunden werden könnte. In einem entspannten Gespräch unter Freunden klingt sie jedoch absolut natürlich. Sie können sie sowohl im Scherz als auch im Ernst verwenden.

Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:

  • "Seit dem Vorfall mit der verschwundenen Kaffeekasse hat der Chef die neue Praktikantin ganz offensichtlich auf dem Kieker."
  • "In unserer Fußballmannschaft sollte man den Stürmer der gegnerischen Mannschaft immer auf dem Kieker haben, der ist extrem gefährlich."
  • "Die Umweltbehörde hat unseren Betrieb wegen der neuen Anlage auf dem Kieker, da werden die Kontrollen sicher häufiger."
  • In einem lockeren Vortrag über Teamdynamik: "Achten Sie darauf, ob sich in einer Gruppe Subkonflikte bilden. Wenn zwei Kollegen sich gegenseitig auf dem Kieker haben, leidet die Produktivität des gesamten Teams."

Die Redewendung ist besonders passend, wenn Sie eine Situation beschreiben möchten, in der eine gezielte, anhaltende und oft von Argwohn geprägte Aufmerksamkeit im Spiel ist. Sie bringt das auf eine bildhafte und eingängige Weise zum Ausdruck.

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