Mit dem ist nicht gut Kirschen essen
Kategorie: Redewendungen
Mit dem ist nicht gut Kirschen essen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Mit dem ist nicht gut Kirschen essen" stammt aus einer Zeit, in der Kirschen als kostbare und delikate Früchte galten. Ihr Ursprung wird im Mittelalter vermutet, ist jedoch nicht durch historische Dokumente zweifelsfrei belegt. Die erste schriftliche Fixierung findet sich in der Sprichwörtersammlung von Johannes Agricola aus dem Jahr 1529. Dort heißt es: "Es ist nicht gut kirschen essen mit grossen herren, sie spucken einem die kerne ins gesicht." Dieser ursprüngliche Kontext zeigt deutlich, dass die Warnung sich zunächst auf den Umgang mit mächtigen Herren bezog. Das gemeinsame Kirschenessen symbolisierte ein geselliges, gleichberechtigtes Miteinander. Die Herren konnten jedoch ihren überlegenen Status missbrauchen und den Untergebenen die Kerne ins Gesicht spucken – eine respektlose und demütigende Geste. So wandelte sich das Bild vom freundlichen Mahl zur Warnung vor unangenehmen oder gefährlichen Zeitgenossen.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen warnt die Redensart davor, mit einer bestimmten Person Kirschen zu verzehren. Kirschen essen ist dabei ein Sinnbild für eine ungezwungene, friedliche und genussvolle Gemeinschaft. In der übertragenen Bedeutung warnt sie jedoch vor einem Menschen, mit dem eine harmonische Zusammenarbeit oder ein einfacher, freundschaftlicher Umgang unmöglich ist. Sie charakterisiert eine Person als schwierig, unberechenbar, streitsüchtig oder gar gefährlich. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, es ginge primär um eine persönliche Abneigung. Der Kern der Aussage ist jedoch eine objektive Warnung vor den negativen Konsequenzen der Interaktion. Es ist weniger "Ich mag ihn nicht", sondern vielmehr "Mit ihm anzulegen, ist riskant und endet unweigerlich unangenehm". Die Redewendung ist somit eine prägnante Charakterisierung und eine deutliche Handlungsempfehlung in einem.
Relevanz heute
Die Redewendung hat keineswegs an Aktualität eingebüßt. Sie wird nach wie vor häufig und in den unterschiedlichsten Kontexten verwendet, um vor schwierigen zwischenmenschlichen oder geschäftlichen Beziehungen zu warnen. Ihre Bildhaftigkeit macht sie eingängig und einprägsam. Man findet sie in der Alltagssprache, in journalistischen Kommentaren über unbequeme Politiker oder komplizierte Verhandlungspartner, und sogar in der Wirtschaftsberichterstattung, wenn vor Kooperationen mit bestimmten Unternehmen oder Investoren gewarnt wird. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich auch in modernen Abwandlungen: So hört man bisweilen Sätze wie "Mit der neuen Softwareversion ist nicht gut Kirschen essen", was auf instabile oder nutzerunfreundliche Programme anspielt. Die Redensart ist somit ein lebendiger Teil des deutschen Sprachschatzes, der komplexe soziale Dynamiken auf einen einfachen Nenner bringt.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für informelle Gespräche, lockere Vorträge oder kollegiale Warnungen untereinander. Sie bringt eine ernste Botschaft in einem leicht zugänglichen, fast humorvollen Bild unter, ohne dabei direkt beleidigend zu wirken. In einer formellen Trauerrede oder einem offiziellen diplomatischen Schreiben wäre sie hingegen zu salopp und unpassend. Auch in direkten Konfrontationen sollte sie vermieden werden, da sie als indirekte und abwertende Charakterisierung aufgefasst werden kann.
Gelungene Anwendungsbeispiele zeigen die Bandbreite:
- Im Berufsleben: "Übernimm das Projekt lieber nicht mit Herrn Meyer. Ehrlich gesagt, mit dem ist nicht gut Kirschen essen – er ändert ständig die Anforderungen und schiebt dann die Schuld auf andere."
- In privaten Ratschlägen: "Ich würde an deiner Stelle vorsichtig sein. Mit ihrem Exfreund ist nicht gut Kirschen essen, der kann ganz schön nachtragend sein."
- In einem Kommentar: "Der Vorstandsvorsitzende gilt als brilliant, aber auch als rücksichtslos. Viele Geschäftspartner haben lernen müssen: Mit dem ist nicht gut Kirschen essen."
Die Redewendung ist also dann perfekt, wenn Sie jemanden vor einem schwierigen Kontakt warnen möchten, ohne in flapsige Gossensprache oder harte Beleidigungen zu verfallen. Sie ist bildhaft, allgemein verständlich und transportiert die Botschaft mit einer gewissen hintergründigen Weisheit.
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