Wenn es dick kommt

Kategorie: Redewendungen

Wenn es dick kommt

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Wenn es dick kommt" stammt aus der Sprache der Seefahrt und hat ihren Ursprung im 18. und 19. Jahrhundert. Der Begriff "dick" bezieht sich hier nicht auf eine Konsistenz, sondern auf eine dichte, undurchdringliche Wetterlage. Gemeint ist dichter Nebel, der auf See plötzlich aufziehen kann und die Sicht radikal einschränkt. In dieser "dicken Luft" wurde die Navigation extrem gefährlich, Schiffe konnten sich verirren oder kollidieren. Die Redensart beschrieb also ursprünglich den kritischen Moment, in dem eine solche gefährliche Nebelbank aufzog und die eigentliche Bewährungsprobe für die Besatzung begann. Diese nautische Herkunft ist gut belegt und erklärt, warum die Redewendung stets eine plötzlich eintretende, ernste und fordernde Situation beschreibt.

Bedeutungsanalyse

Im übertragenen Sinne bedeutet "Wenn es dick kommt" heute: wenn eine schwierige, kritische oder gefährliche Situation eintritt, wenn die Probleme sich häufen und der Ernst der Lage offenbar wird. Wörtlich nimmt man das maritime Bild der "dicken Luft", also des undurchdringlichen Nebels, der Handlungsfähigkeit und Orientierung raubt. Ein typisches Missverständnis liegt in der Assoziation mit "dick" im Sinne von "viel" oder "umfangreich". Zwar passt die Idee der Menge zu Problemen, die sich auftürmen, der Kern der Redewendung liegt jedoch in der plötzlichen und bedrohlichen Qualität der Lage, nicht primär in ihrer Quantität. Es geht um den Punkt, an dem aus kleinen Schwierigkeiten eine echte Krise wird, die Bewährung und entschlossenes Handeln erfordert. Kurz gesagt: Es bezeichnet den Übergang von der normalen in die ernste, fordernde Phase.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache absolut lebendig und relevant. Sie wird nach wie vor häufig verwendet, um den Eintritt einer ernsthaften Krise oder Belastungsprobe zu beschreiben, allerdings hat sie ihren spezifisch seemännischen Kontext verloren. Man hört sie heute in vielfältigen Zusammenhängen: in der Wirtschaft, wenn ein Unternehmen in finanzielle Schieflage gerät ("Jetzt kommt es dick für den Konzern"), in der Politik während einer Regierungskrise, im Sport bei einer entscheidenden und schwierigen Phase eines Turniers oder auch im ganz privaten Bereich, wenn in einer Familie oder Freundschaft mehrere Probleme gleichzeitig eskalieren. Die Redewendung schlägt somit perfekt die Brücke von historischen Gefahren auf See zu den abstrakten "Stürmen" und "Nebelbänken" des modernen Lebens.

Praktische Verwendbarkeit

Die Wendung eignet sich hervorragend für Situationen, in denen Sie den Ernst einer sich zuspitzenden Lage betonen möchten, ohne gleich dramatisch oder pathetisch zu klingen. Sie ist in neutralen bis informellen Kontexten gut platziert.

Geeignete Anlässe: Sie können die Redewendung in einem lockeren Vortrag über Projektmanagement nutzen, in einem analytischen Gespräch über aktuelle Herausforderungen oder in einer kollegialen Besprechung, um vor einer kritischen Phase zu warnen. Auch in privaten Gesprächen, in denen man sich über ernste Lebensumstände austauscht, ist sie angebracht.

Weniger geeignet ist sie in sehr formellen oder feierlichen Reden, wie einer Trauerrede, wo sie als zu salopp oder bildhaft wirken könnte. In einem extrem flapsigen Smalltalk über banale Unannehmlichkeiten ("Jetzt kommt es dick, der Kaffeeautomat ist kaputt") wäre sie hingegen unangemessen übertrieben.

Anwendungsbeispiele:

  • "Bisher waren es nur kleine Pannen, aber wenn der Hauptinvestor abspringt, dann kommt es erst richtig dick."
  • "In der Ausbildung lernt man die Theorie, aber wenn es im echten Einsatz dick kommt, zeigt sich, wer wirklich geeignet ist."
  • "Wir haben die ruhige Phase genutzt, um Vorräte anzulegen, für den Fall, dass es im Winter dick kommt."

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