Weder Fisch noch Fleisch

Kategorie: Redewendungen

Weder Fisch noch Fleisch

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "weder Fisch noch Fleisch" ist eine der ältesten und farbigsten im deutschen Sprachschatz. Ihre Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück und sind eng mit den strengen religiösen Speisevorschriften verknüpft. An Fastentagen, insbesondere während der 40-tägigen Zeit vor Ostern, war es gläubigen Christen verboten, Fleisch zu essen. Fisch hingegen galt als erlaubte, "karge" Speise. Es gab jedoch Gerichte, die in einer Grauzone lagen: So wurden etwa Fleisch von Wasservögeln oder Bibern mancherorts als "Fisch" deklariert, um das Fastengebot zu umgehen. Etwas, das weder eindeutig Fisch (also für Fastentage erlaubt) noch klares Fleisch (für normale Tage bestimmt) war, galt als uneindeutig, suspekt und regelwidrig. Diese konkrete historische Situation bildet den Nährboden für die übertragene Bedeutung der Redensart.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich beschreibt die Wendung einen Zustand der Unentschiedenheit zwischen zwei konkreten Nahrungsmittelkategorien. In der übertragenen, heute fast ausschließlich gebräuchlichen Bedeutung charakterisiert sie eine Sache oder eine Person, die keine klare Position, keine eindeutige Eigenschaft oder kein erkennbares Profil besitzt. Es handelt sich um eine kritische Bezeichnung für etwas Charakterloses, Halbherziges oder Unentschlossenes. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, es gehe um eine schlechte Mischung aus zwei negativen Dingen. Tatsächlich geht es jedoch um das Fehlen einer positiven, eindeutigen Zuordnung. Die Kritik zielt auf die Mittelmäßigkeit und den Mangel an Courage, sich für eine klare Richtung zu entscheiden. Kurz gesagt: Wer oder was "weder Fisch noch Fleisch" ist, fällt durch seine bewusste oder unbewusste Unschärfe negativ auf.

Relevanz heute

Die Redewendung hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt und ist im alltäglichen Sprachgebrauch fest verankert. In einer Zeit, die oft nach klaren Haltungen, eindeutigen Markenversprechen und authentischen Profilen verlangt, ist die Metapher treffender denn je. Sie wird verwendet, um politische Kompromisse zu beschreiben, die niemanden zufriedenstellen, oder um Produkte zu kritisieren, die durch zu viele Funktionen ihr eigentliches Ziel verfehlen. In der Arbeitswelt trifft man auf sie, wenn Strategien oder Entscheidungen keine Richtung erkennen lassen. Auch im persönlichen Bereich kann sie auf Menschen angewandt werden, die sich stets angepasst und ohne eigene Kontur zeigen. Die Brücke zur historischen Herkunft ist dabei leicht zu schlagen: Heute wie damals geht es um die Abwertung von etwas, das die klaren Regeln oder Erwartungen umgehen möchte und dabei in einer unbefriedigenden Mitte stecken bleibt.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redensart ist vielseitig einsetzbar, jedoch stets mit einem kritischen oder enttäuschten Unterton. Sie eignet sich hervorragend für lockere Vorträge oder Kommentare, in denen Sie eine unklare Position pointiert kritisieren möchten. In einer formellen Rede oder gar einer Trauerrede wäre sie hingegen zu salopp und abwertend. Im beruflichen Gespräch sollten Sie vorsichtig sein, wenn Sie sie direkt auf eine Person beziehen, da dies als sehr verletzend aufgefasst werden kann. Besser ist es, sie auf Konzepte, Entwürfe oder Ergebnisse anzuwenden.

Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Verwendungen:

  • In einer Produktbesprechung: "Der neue Entwurf ist leider weder Fisch noch Fleisch. Er versucht, sowohl junge als auch ältere Kunden anzusprechen und verfehlt dabei beide Zielgruppen."
  • In einer politischen Diskussion: "Der Gesetzesvorschlag der Koalition ist ein typischer Kompromiss, der weder Fisch noch Fleisch ist und die Kernprobleme nicht löst."
  • Im privaten Gespräch über einen Film: "Das Ende war so unentschlossen, weder richtig traurig noch richtig hoffnungsvoll. Das fand ich irgendwie weder Fisch noch Fleisch."

Nutzen Sie die Redewendung also immer dann, wenn Sie ausdrücken möchten, dass etwas aufgrund seiner halbherzigen, unklaren oder unentschlossenen Natur nicht überzeugt.

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