Vom Stamme Nimm sein
Kategorie: Redewendungen
Vom Stamme Nimm sein
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft der Redewendung "Vom Stamme Nimm sein" ist nicht eindeutig und historisch belegbar geklärt. Es existieren verschiedene volkstümliche Deutungen, jedoch fehlen schriftliche Quellen, die einen ersten Gebrauch oder einen konkreten historischen Kontext zweifelsfrei belegen. Aus diesem Grund lassen wir diesen Punkt weg, um keine unbelegten Spekulationen zu verbreiten.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "Vom Stamme Nimm sein" charakterisiert eine Person, die dazu neigt, sich Dinge einfach anzueignen, ohne zu fragen oder zu bezahlen. Im übertragenen Sinn beschreibt sie einen Menschen mit ausgeprägten Eigentumsvorstellungen, die nicht den gesellschaftlichen Normen entsprechen. Wörtlich genommen konstruiert sie einen fiktiven "Stamm", dessen Mitglieder durch die Handlung des "Nehmens" definiert werden. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um eine alte, germanische Redensart. Tatsächlich ist der Ausdruck vermutlich eine scherzhafte, neuere Bildung, die das unerlaubte Entwenden mit der Idee einer ethnischen oder familiären Zugehörigkeit ironisch überhöht. Kurz gesagt: Jemand, der "vom Stamme Nimm sein" ist, hat eine ausgeprägte Tendenz zum Mitgehenlassen fremden Eigentums.
Relevanz heute
Auch in der Gegenwart besitzt diese Redensart durchaus Relevanz, wenngleich ihr Gebrauch eher im humoristischen oder leicht anklagenden Bereich liegt. Sie wird aktiv verwendet, um ein bestimmtes Verhalten auf eine pointierte, nicht allzu beleidigende Weise zu benennen. Die Brücke zur modernen Welt schlägt sich in der universellen Erfahrung mit Grenzen des Eigentums. Ob im Büro (wo der Kollege den Kugelschreiber nicht zurückbringt), in der WG (wo Lebensmittel verschwinden) oder in sozialen Medien (als humorvolle Beschreibung für einen "Sammler" von Restaurantbesteck) – das Phänomen ist zeitlos. Die Redewendung bietet eine sprachliche Schablone, um solches Verhalten mit einem Augenzwinkern einzuordnen, anstatt direkt einen Diebstahl zu unterstellen.
Praktische Verwendbarkeit
Der Ausdruck eignet sich hervorragend für lockere Gespräche unter Bekannten oder in informellen Vorträgen, wo er mit einer gewissen Selbstironie eingesetzt werden kann. In einer Trauerrede oder einer offiziellen Ansprache wäre er hingegen völlig unangebracht und zu salopp. Seine Stärke liegt in der entschärfenden Wirkung; er umschreibt einen kritikwürdigen Akt mit einem versöhnlichen Schmunzeln. Sie können ihn nutzen, wenn Sie das Fehlverhalten einer Person ansprechen möchten, ohne einen schweren Konflikt zu provozieren.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Ich musste meinen neuen Regenschirm schon wieder mit ins Büro nehmen. Bei der Abteilung Einkauf sind sie wohl alle vom Stamme Nimm sein."
- "Unser Sohn scheint vom Stamme Nimm zu sein. Sein Spielzeugzimmer füllt sich ständig mit Bauklötzen aus dem Kindergarten."
- "Pass auf deine Werkzeuge auf, wenn der Nachbar da ist. Der ist ein bisschen vom Stamme Nimm, was Schraubenschlüssel angeht."
Besonders geeignet ist die Redensart also für den privaten, humorvollen Bereich, in dem man über kleine Vergehen hinwegsehen kann oder will. Sie dient als soziales Schmiermittel, um eine unangenehme Wahrheit mit einem sprachlichen Bild zu verpacken, das alle Beteiligten verstehen, ohne dass es zu einer direkten Konfrontation kommen muss.
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