Ski und Rodel gut!
Kategorie: Redewendungen
Ski und Rodel gut!
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Ski und Rodel gut!" ist ein markantes Beispiel für die sprachliche Prägung durch den Nationalsozialismus. Sie geht auf ein Propagandaschlagwort aus den 1930er Jahren zurück. Der vollständige Spruch lautete: "Und denkt daran, der Winter steht vor der Tür, macht Ski und Rodel gut!". Er wurde von Adolf Hitler in seiner Rede zum Abschluss des Reichsparteitags der NSDAP am 12. September 1936 in Nürnberg geprägt. Der Kontext war ein Appell an die nationalsozialistische Jugendorganisation "Hitler-Jugend", sich auch in der kalten Jahreszeit körperlich zu ertüchtigen und für die "Volksgemeinschaft" einsatzbereit zu bleiben. Die Formulierung wurde anschließend massenhaft in Zeitungen, auf Plakaten und in Schulheften verbreitet und entwickelte sich zu einem geflügelten, staatlich verordneten Abschiedsgruß während der Wintermonate.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen ist "Ski und Rodel gut!" eine Aufforderung, die Wintersportgeräte Ski und Rodel (also den Schlitten) gut zu gebrauchen oder sich im Skifahren und Rodeln zu üben. In der propagandistischen Übertragung bedeutete es jedoch weit mehr: Es war ein Aufruf zu Disziplin, körperlicher Fitness und winterlicher Aktivität im Dienste der nationalsozialistischen Ideologie. Ein typisches Missverständnis heute ist die Annahme, es handele sich um eine harmlose, alte Wintergrussformel. Bei genauer Betrachtung trägt die Redewendung jedoch unauslöschlich die historische Last ihrer Entstehung. Sie ist kein neutraler Wunsch nach schönen Wintertagen, sondern ein mit politischer Indoktrination aufgeladener Befehlston. Die kurze Interpretation lautet daher: Eine historisch belastete, befehlsartige Aufforderung zu winterlichem Sport, die stets den Kontext ihrer Entstehung mitschwingen lässt.
Relevanz heute
Die aktive, unreflektierte Verwendung der Redewendung im alltäglichen Sprachgebrauch ist heute nicht mehr üblich und aufgrund ihrer eindeutigen Herkunft höchst problematisch. Ihre Relevanz besteht fast ausschließlich in einem kritisch-historischen oder zitatweisen Kontext. Sie taucht in Dokumentationen über die NS-Zeit, in historischen Romanen oder in wissenschaftlichen Abhandlungen zur Sprache des Nationalsozialismus auf. Gelegentlich wird sie auch ironisch oder zynisch verwendet, um blinden Aktionismus oder befohlene Freizeitgestaltung zu kommentieren. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich somit nicht in der Nutzung als Grussformel, sondern als mahnendes Beispiel dafür, wie Sprache instrumentalisiert werden kann und wie wichtig ein bewusster Umgang mit historisch belasteten Formulierungen ist.
Praktische Verwendbarkeit
Für den privaten oder beruflichen Alltag ist diese Redewendung nicht empfehlenswert. Sie ist weder für lockere Vorträge noch für Gespräche oder gar Trauerreden geeignet, da sie stets ihren propagandistischen Unterton und ihre historische Belastung mit sich führt. Eine Verwendung wäre salopp, hart und absolut unangemessen. Geeignet ist sie ausschließlich für sehr spezifische Kontexte:
- In einem historischen Vortrag oder Seminar zur Analyse der NS-Propagandasprache.
- Als Zitat in einer journalistischen Reportage über die Aufarbeitung der deutschen Geschichte.
- Als bewusstes Stilmittel in einem literarischen Werk, das sich mit der Epoche auseinandersetzt.
Ein Beispiel für eine korrekte, kontextualisierende Verwendung in einem Satz könnte lauten: "Der scheinbar harmlose Wintersportgruss 'Ski und Rodel gut!' entpuppt sich bei näherer Betrachtung als typisches Beispiel für die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die NS-Ideologie." Jede andere, unkommentierte Nutzung wäre geschichtsvergessen und sollte unbedingt vermieden werden.
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