Sicher wie in Abrahams Schoß
Kategorie: Redewendungen
Sicher wie in Abrahams Schoß
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "sicher wie in Abrahams Schoß" ist eine der ältesten und bildhaftesten Formulierungen der deutschen Sprache. Ihre Wurzeln reichen bis in die biblische Überlieferung zurück. Das Bild stammt aus dem Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus im Lukasevangelium (Lk 16,19-31). Dort heißt es, nach seinem Tod werde der arme Lazarus "in den Schoß Abrahams getragen". In der antiken Vorstellung war der "Schoß Abrahams" kein Ort körperlicher Geborgenheit, sondern eine metaphorische Bezeichnung für den Ort der Seligen im Totenreich, ein Ort des Friedens, der Ruhe und der absoluten Sicherheit im Angesicht Gottes. Die Redensart hat sich über Predigten und religiöse Schriften in den allgemeinen Sprachgebrauch eingeprägt und ist seit dem Mittelalter in verschiedensten literarischen Werken bezeugt.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt die Redewendung einen Zustand, der so geborgen ist, wie es der alttestamentliche Stammvater Abraham einem Schutzbefohlenen gewähren könnte. Im übertragenen Sinn bedeutet sie heute, sich in einer Situation zu befinden, die frei von jeder Gefahr, Sorge oder Bedrohung ist. Man fühlt sich absolut geschützt und in vollkommener Sicherheit. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Vorstellung eines kindlichen Sitzens auf dem Schoß einer Person. Das biblische Bild ist jedoch vielschichtiger: Der "Schoß" steht hier für enge Gemeinschaft und vertraute Nähe, ähnlich wie bei einem Gastmahl, wo man an der Brust des Gastgebers lehnte. Die Redewendung beschreibt also weniger körperliche Geborgenheit als vielmehr einen existenziellen Zustand unantastbarer Sicherheit.
Relevanz heute
Trotz ihres hohen Alters ist die Redensart keineswegs ein verstaubtes Relikt. Sie wird nach wie vor aktiv und verständlich verwendet, auch von Menschen, die den biblischen Hintergrund nicht mehr im Detail kennen. Ihre Kraft bezieht sie aus der unübertroffenen Bildhaftigkeit. Man hört sie in Alltagsgesprächen, liest sie in Zeitungskommentaren zur politischen Lage oder in Wirtschaftsanalysen. Wenn etwa ein Unternehmen nach einer risikofreien Kapitalanlage sucht oder sich jemand in seinem neuen Zuhause rundum behütet fühlt, ist "sicher wie in Abrahams Schoß" eine lebendige und aussagekräftige Formulierung. Sie überbrückt mühelos die Distanz zwischen alter Symbolik und modernem Sicherheitsbedürfnis.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich für verschiedene Kontexte, in denen ein Gefühl absoluter Sicherheit und Geborgenheit ausgedrückt werden soll. Aufgrund ihrer religiösen Herkunft passt sie besonders gut in feierliche oder nachdenkliche Anlässe, wie etwa eine Trauerrede, in der man die Hoffnung auf ewigen Frieden für den Verstorbenen ausdrücken möchte. In einem lockeren Vortrag oder einem privaten Gespräch kann sie hingegen leicht ironisch oder übertrieben verwendet werden, um ein übergroßes Sicherheitsgefühl zu schildern.
Sie ist weniger geeignet für extrem formelle oder technische Dokumente, wo sie als zu bildhaft und salopp empfunden werden könnte. Auch in Situationen, die nur eine relative Sicherheit beschreiben, wirkt sie übertrieben. Gelungene Beispiele für ihren Einsatz sind:
- Nach der Installation des neuen Alarmsystems fühlen wir uns in unserem Haus sicher wie in Abrahams Schoß.
- In seiner Ansprache tröstete der Pfarrer die Angehörigen mit dem Gedanken, der Verstorbene ruhe nun sicher wie in Abrahams Schoß.
- "Mit dieser Versicherungspolice sind Sie finanziell sicher wie in Abrahams Schoß", erklärte der Berater.
- Scherzhaft im Alltag: "Solange der Kuchen auf dem Tisch steht, fühlt sich unser Hund sicher wie in Abrahams Schoß und rührt sich keinen Zentimeter."
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