Sich einen Affen holen
Kategorie: Redewendungen
Sich einen Affen holen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft der Redewendung "sich einen Affen holen" ist nicht eindeutig und historisch belegbar geklärt. Es existieren mehrere volkstümliche Erklärungsansätze, die jedoch alle im Bereich der Vermutung bleiben. Ein populärer, aber nicht verifizierter Erklärungsversuch führt die Redewendung auf das 19. Jahrhundert zurück, als Schausteller auf Jahrmärkten dressierte Äffchen als Attraktion anboten. Wer sich betrank und albern aufführte, habe sich im übertragenen Sinne solch einen "Affen" gekauft oder geholt. Ein anderer Ansatz verweist auf die umgangssprachliche, veraltete Bezeichnung "Affe" für einen Rucksack oder einen Krug Schnaps. Da dieser Abschnitt keine hundertprozentig sicheren und belegbaren Angaben liefern kann, wird er hier weggelassen, um der geforderten Genauigkeit gerecht zu werden.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "sich einen Affen holen" bedeutet heute ausschließlich, sich zu betrinken oder sich in einen Zustand der Trunkenheit zu versetzen. Die wörtliche Bedeutung – sich tatsächlich einen Primaten zu besorgen – spielt in der aktuellen Verwendung keine Rolle mehr und würde zu völligem Unverständnis führen. Die übertragene Bedeutung ist klar und im gesamten deutschsprachigen Raum verständlich. Ein typisches Missverständnis könnte entstehen, wenn jemand die Redewendung ohne Kontext hört und sie fälschlicherweise mit Albernheit oder Dummheit verbindet, etwa im Sinne von "sich zum Affen machen". Dies ist jedoch eine andere, eigenständige Redensart. "Sich einen Affen holen" bezieht sich spezifisch auf den Konsum von Alkohol mit der Folge, die Kontrolle zu verlieren. Kurz gesagt: Es ist ein salopper, bildhafter Ausdruck für starkes Trinken.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der Gegenwart durchaus noch lebendig und wird verstanden, allerdings hat ihr Gebrauch einen deutlich saloppen bis derben Charakter. Sie findet sich weniger in formellen Schriften, dafür umso häufiger in der lockeren Umgangssprache, in bestimmten gesellschaftlichen Gruppen oder in der humorvollen bis selbstironischen Beschreibung eines ausschweifenden Abends. Die Brücke zur modernen Zeit schlägt sich in ihrer Verwendung in sozialen Medien, in Songtexten oder in der Jugendsprache, wo sie als übertreibender und bildlicher Ausdruck punktuell weiterlebt. Allerdings wird sie von einer Vielzahl neuerer Slangausdrücke für denselben Sachverhalt begleitet und teilweise verdrängt. Ihre Relevanz liegt heute vor allem im Bereich der bildhaften, traditionellen Umgangssprache.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich ausschließlich für informelle und lockere Kontexte. Sie wäre in einer offiziellen Rede, einer Traueransprache oder einem geschäftlichen Meeting völlig fehl am Platz und würde als unangemessen flapsig oder sogar respektlos wahrgenommen.
Ihr idealer Einsatzbereich ist das gesellige Gespräch unter Freunden oder Bekannten, etwa bei der Planung oder der humorvollen Retrospektive eines Abends. Sie dient der selbstironischen Übertreibung oder der scherzhaft mahnenden Beschreibung.
Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Nach der letzten Prüfung haben wir uns ordentlich einen Affen geholt."
- "Ich rate Ihnen davon ab, sich vor dem wichtigen Termin morgen noch einen Affen zu holen."
- "Sein Plan für den Junggesellenabschied war simpel: sich einen Affen holen und dann karaoke singen."
Passend ist die Redensart also in Erzählungen unter guten Bekannten, in lockeren Vorträgen mit humorvollem Einschlag oder in entsprechenden literarischen oder journalistischen Texten, die Alltagssprache einfangen wollen. Sie sollte stets mit einer gewissen Portion Bewusstsein für ihre Derbheit eingesetzt werden.
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