Sich auf die Strümpfe machen
Kategorie: Redewendungen
Sich auf die Strümpfe machen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "sich auf die Strümpfe machen" ist ein faszinierendes Beispiel für den sprachlichen Wandel. Ihre Herkunft lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit auf ein einzelnes Ereignis zurückführen, doch Sprachforscher führen sie auf das 19. Jahrhundert zurück. In dieser Zeit waren handgestrickte oder gewalkte Wollstrümpfe ein wesentlicher Bestandteil der Alltagskleidung. Sie waren nicht nur wärmend, sondern auch recht grob und konnten bei längerem Tragen unangenehm scheuern oder drücken.
Der entscheidende Kontext für die Redensart liegt im Akt des Aufstehens und Losgehens. Wenn jemand "sich auf die Strümpfe machte", stand er buchstäblich auf und stellte sich auf seine Füße, bereit zum Aufbruch. Dieser simple physische Vorgang wurde im Laufe der Zeit mit einer bestimmten Energie und Entschlossenheit verbunden. Es ging nicht um gemächliches Aufstehen, sondern um einen zügigen, tatkräftigen Beginn einer Handlung oder Reise. Die Redensart spiegelt somit die praktische Lebenswelt vergangener Tage wider, in der der eigene Fußweg oft das primäre Fortbewegungsmittel war.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt die Redewendung die Handlung, sich auf seine Füße, bekleidet mit Strümpfen, zu erheben und sich in Bewegung zu setzen. Im übertragenen Sinne, und so wird sie fast ausschließlich verwendet, bedeutet sie: sich auf den Weg machen, sich aufraffen, eine Tätigkeit energisch beginnen oder auch fluchtartig das Weite suchen.
Ein typisches Missverständnis könnte die Vorstellung beinhalten, dass es sich um eine gemütliche oder langsame Aktivität handelt. Das Gegenteil ist der Fall. "Sich auf die Strümpfe machen" impliziert stets eine gewisse Dringlichkeit, Entschlossenheit oder auch Eile. Es ist ein aktiver, zielgerichteter Impuls. Eine weitere Fehlinterpretation wäre, die Strümpfe selbst als zentrales Objekt zu sehen. Sie stehen hier lediglich pars pro toto für die Füße und damit für die Fortbewegung an sich. Die Redensart ist also eine bildhafte Aufforderung zur Tat.
Relevanz heute
Die Redewendung ist heute nicht mehr im alltäglichen Sprachgebrauch junger Menschen verankert, aber sie ist keineswegs ausgestorben. Sie wird vor allem noch in einer bestimmten, oft humorvoll oder leicht altmodisch gefärbten Weise verwendet. Sie hat ihren Platz in der gesprochenen Sprache, häufig bei älteren Semestern, und in der Schriftsprache, wo sie als stilistisches Mittel eine gewisse Derbheit oder urwüchsige Direktheit vermitteln kann.
Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich in ihrer Funktion als bewusste Stilwahl. Wer sie verwendet, tut dies oft, um eine lockere, vielleicht sogar rustikale Note zu setzen oder um auszudrücken, dass es nun ohne großes Federlesen zur Sache geht. In einer Zeit, die von abstrakten Begriffen wie "Prozess initiieren" oder "die Reise antreten" geprägt ist, wirkt "sich auf die Strümpfe machen" erfrischend konkret und körperlich. Sie erlebt in bestimmten Kontexten sogar eine kleine Renaissance als bewusst eingesetzter, altertümlicher Ausdruck.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich hervorragend für informelle und mündliche Situationen. In einem lockeren Vortrag oder in einer geselligen Runde kann sie charmant wirken und für Schmunzeln sorgen. Sie passt gut, wenn Sie eine Aktion einleiten wollen, ohne allzu formell zu klingen.
Für formelle Anlässe wie eine Trauerrede, ein offizielles Schreiben oder ein Business-Meeting ist sie hingegen ungeeignet. Hier könnte sie als zu salopp, zu flapsig oder sogar unprofessionell empfunden werden. Auch in sehr ernsten oder sensiblen Kontexten sollte man auf sie verzichten, da ihre leichte Derbheit fehl am Platz wäre.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "So, jetzt habe ich lange genug gezögert. Ich mache mich auf die Strümpfe und beginne endlich mit der Steuererklärung."
- "Als er die Polizeisirene hörte, machte er sich flugs auf die Strümpfe und verschwand in der Seitenstraße."
- "Komm, wir machen uns auf die Strümpfe, sonst verpassen wir noch den Anfang des Films."
- In einer motivierenden Ansprache im Sportverein: "Jungs, nicht lange trödeln! Macht euch auf die Strümpfe und zeigt, was ihr könnt!"
Insgesamt ist die Redewendung ein Werkzeug für die persönliche, farbige Sprache. Sie setzt dort einen Akzent, wo es um entschlossenes, beherztes Handeln geht, und verleiht der Aussage eine touch of character.
Mehr Redewendungen
- Abwarten und Tee trinken
- Ach du grüne Neune!
- Alles über einen Kamm scheren
- Alte Zöpfe abschneiden
- Alter Schwede
- Am Hungertuch nagen
- Ans Eingemachte gehen
- Äpfel mit Birnen vergleichen
- Auf keinen grünen Zweig kommen
- Den Ball flach halten
- Den Faden verlieren
- Den Löffel abgeben
- Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
- Der springende Punkt
- Einen Zahn zulegen
- Es faustdick hinter den Ohren haben
- Hieb und stichfest
- Holzauge sei wachsam
- Im siebten Himmel sein
- In den sauren Apfel beißen
- Jemandem aufs Dach steigen
- Jemandem einen Bären aufbinden
- Jemandem einen Denkzettel verpassen
- Jemanden an die Wand stellen
- Kein Blatt vor den Mund nehmen
- 950 weitere Redewendungen