Seit Olims Zeiten
Kategorie: Redewendungen
Seit Olims Zeiten
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "seit Olims Zeiten" ist eine scherzhafte Verballhornung des lateinischen Ausdrucks "ab olim", was wörtlich "von einst" oder "seit jeher" bedeutet. Das lateinische "olim" selbst bedeutet "einst", "früher" oder "in der Zukunft". Im Deutschen wurde dieses "olim" volksetymologisch umgedeutet und bekam einen fiktiven Besitzer, einen "Herrn Olim", ähnlich wie bei "seit Adams Zeiten". Dieser sprachliche Trick, aus einem unverstandenen Fremdwort einen vertrauten Namen zu machen, verleiht der Phrase ihren charmant-altmodischen und leicht ironischen Charakter. Der genaue Zeitpunkt des ersten Auftretens im Deutschen ist nicht exakt belegbar, doch die Wendung ist seit dem 19. Jahrhundert in Gebrauch und spiegelt den damals noch breiteren Bildungshintergrund des Bürgertums wider, das mit lateinischen Floskeln spielte.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen würde "seit Olims Zeiten" bedeuten, dass etwas seit der Lebenszeit einer Person namens Olim geschieht. Da dieser Olim jedoch eine Erfindung ist, verweist die Redensart übertragen auf eine unbestimmte, sehr lange, fast mythische Vergangenheit. Sie beschreibt Zustände oder Gewohnheiten, die schon immer so waren, deren Ursprung aber niemand mehr kennt. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es gäbe tatsächlich eine historische Figur mit diesem Namen. Der Witz und der eigentliche Sinn der Redewendung liegen jedoch gerade in der bewussten Fiktionalität. Kurz interpretiert bedeutet sie also: "Das ist schon so lange so, dass es keiner mehr erklären kann, es scheint immer schon dagewesen zu sein."
Relevanz heute
Die Redewendung "seit Olims Zeiten" ist heute durchaus noch lebendig, wenn auch nicht mehr im alltäglichen Sprachgebrauch. Sie wird vorwiegend in einem eher gehobenen, literarischen oder bewusst stilisierten Kontext verwendet. Ihre Relevanz liegt weniger in der Beschreibung konkreter Zeiträume, sondern vielmehr als Stilmittel. Sie transportiert Nostalgie, eine gewisse Weisheit über die Länge der Tradition und oft auch eine Prise augenzwinkernder Übertreibung. In einer Zeit, die von präzisen Daten und schnellen Veränderungen geprägt ist, bietet diese Phrase eine charmante Alternative, um über Dauer und Beständigkeit zu sprechen, ohne sich auf konkrete Jahreszahlen festlegen zu müssen. Sie schlägt somit eine Brücke zur Gegenwart als bewusster Kontrapunkt zur modernen Präzisionssprache.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für narrative Texte, lockere Vorträge oder gesellige Gespräche, in denen Sie eine Sache mit humorvoller Würde beschreiben möchten. Sie ist weniger passend für formelle Berichte, juristische oder wissenschaftliche Texte, wo Exaktheit gefordert ist. Auch in einer Trauerrede kann sie, je nach Tonfall, gut eingesetzt werden, um die lange Verbundenheit des Verstorbenen zu einem Ort oder einer Gemeinschaft zu beschreiben. Vermeiden sollten Sie die Redensart in sehr saloppen oder konfrontativen Situationen, da ihr leicht altväterlicher Charakter dort fehl am Platz wirken könnte.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "In diesem kleinen Dorf gibt es seit Olims Zeiten das Fest am ersten Juliwochenende, und jeder nimmt daran teil."
- "Diese Familienrezepte werden bei uns seit Olims Zeiten von Generation zu Generation weitergegeben."
- "Der Streit um die Grundstücksgrenze schwelt schon seit Olims Zeiten, niemand erinnert sich mehr an den eigentlichen Anlass."
- In einem Vortrag: "Die Idee, dass der Kunde König ist, ist leider keine Erfindung der Moderne. Dieses Prinzip gilt in unserem Handwerksbetrieb schon seit Olims Zeiten."
Besonders geeignet ist die Redewendung also für Kontexte, in denen Sie Tradition, lange Dauer oder auch beharrliche Gewohnheiten mit einem Schmunzeln betonen wollen, ohne dabei trivial zu klingen.
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