Schmiere stehen
Kategorie: Redewendungen
Schmiere stehen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Schmiere stehen" stammt aus der Gauner- und Diebessprache des 19. Jahrhunderts, dem sogenannten Rotwelsch. Sie ist ein fester Bestandteil der Bildsprache aus dem Milieu des organisierten Verbrechens. Wörtlich meint "Schmiere" in diesem Zusammenhang nicht das Fett, sondern leitet sich vom rotwelschen "Schmier" ab, was so viel wie "Wache", "Aufpasser" oder "Posten" bedeutet. Der "Schmier" oder "Schmiermann" hatte die Aufgabe, während eines Einbruchs oder eines anderen kriminellen Aktes Ausschau zu halten und die eigentlichen Täter zu warnen, falls sich jemand näherte. "Schmiere stehen" beschrieb somit die Tätigkeit dieses Wachpostens. Die Redensart hat sich von dieser spezifischen Bedeutung gelöst und ist in die allgemeine Umgangssprache eingegangen.
Bedeutungsanalyse
Heute bedeutet "Schmiere stehen" übertragen, dass jemand Wache hält, Ausschau gibt oder aufpasst, während eine andere Person etwas tut, das vielleicht nicht ganz einwandfrei ist oder ungestört geschehen soll. Es geht um eine unterstützende Rolle, bei der man die Umgebung im Auge behält, um Komplizen oder Freunde zu schützen oder ihnen den Rücken freizuhalten. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redewendung mit Bestechung ("jemanden schmieren") in Verbindung zu bringen. Das ist etymologisch falsch. Hier geht es eindeutig um das Bewachen und Melden. Kurz gesagt: Sie halten die Stellung und sorgen dafür, dass Ihr Gegenüber ungestört agieren kann.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor lebendig und wird häufig in einem lockeren, manchmal verschwörerischen Ton verwendet. Sie hat ihren negativen kriminellen Beigeschmack weitgehend verloren und wird heute oft in harmlosen, alltäglichen Situationen gebraucht. Man findet sie im privaten Umfeld, wenn Freunde sich gegenseitig einen Gefallen tun, aber auch in journalistischen oder politischen Kontexten, wo es um Absicherung und Koordination geht. Die Brücke zur digitalen Welt ist leicht geschlagen: Wer einem Freund Bescheid sagt, dass der Chef gerade ungnädig durchs Büro läuft, während dieser privat im Internet surft, der steht heute genauso "Schmiere" wie ein Gauner im 19. Jahrhundert.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für informelle Gespräche unter Freunden, Kollegen oder in der Familie. Sie klingt in einer lockeren Rede oder in einem humorvollen Vortrag perfekt, um gemeinsame Absprachen oder kleine Gefälligkeiten zu beschreiben. In formellen Anlässen wie einer Trauerrede, einem offiziellen Vortrag oder einem Geschäftsbericht wäre sie dagegen völlig fehl am Platz und würde als zu salopp oder flapsig wirken. Sie transportiert immer eine leichte Komplizenschaft.
Gelungene Beispiele für den Einsatz sind:
- "Kannst du kurz vor der Tür Schmiere stehen, während ich das Geburtstagsgeschenk aus dem Kofferraum hole? Es soll eine Überraschung bleiben."
- "Ich habe meinem Kollegen Schmiere gestanden, als er dem Chef erklären wollte, warum das Projekt Verzögerung hat. Ich habe abgelenkt, indem ich wichtige Unterlagen 'suchte'."
- "Bei unserer Mutprobe damals musste immer einer Schmiere stehen, falls ein Erwachsener kam."
Die Redewendung ist also ideal für Situationen, in denen es um diskrete Unterstützung, Absicherung oder das einfache Aufpassen in einem nicht-ernsten Kontext geht.
Mehr Redewendungen
- Abwarten und Tee trinken
- Ach du grüne Neune!
- Alles über einen Kamm scheren
- Alte Zöpfe abschneiden
- Alter Schwede
- Am Hungertuch nagen
- Ans Eingemachte gehen
- Äpfel mit Birnen vergleichen
- Auf keinen grünen Zweig kommen
- Den Ball flach halten
- Den Faden verlieren
- Den Löffel abgeben
- Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
- Der springende Punkt
- Einen Zahn zulegen
- Es faustdick hinter den Ohren haben
- Hieb und stichfest
- Holzauge sei wachsam
- Im siebten Himmel sein
- In den sauren Apfel beißen
- Jemandem aufs Dach steigen
- Jemandem einen Bären aufbinden
- Jemandem einen Denkzettel verpassen
- Jemanden an die Wand stellen
- Kein Blatt vor den Mund nehmen
- 950 weitere Redewendungen