Recht und schlecht
Kategorie: Redewendungen
Recht und schlecht
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "recht und schlecht" ist eine der ältesten und am besten belegten Formulierungen der deutschen Sprache. Ihre Wurzeln reichen bis ins Mittelhochdeutsche zurück, wo sie als "reht unde sleht" bereits im 12. Jahrhundert auftauchte. Ursprünglich stammt sie aus dem rechtlichen und handwerklichen Bereich. "Reht" bedeutete dabei "gerade", "richtig" oder "dem Recht entsprechend", während "sleht" so viel wie "glatt", "einfach" oder "ohne Umstände" hieß. Gemeint war damit eine Sache, die korrekt und ohne Schnörkel ausgeführt wurde. Ein früher schriftlicher Beleg findet sich beispielsweise in den "Sachsenspiegel", einem bedeutenden Rechtsbuch aus dem 13. Jahrhundert. Dort beschreibt die Formel die ordnungsgemäße und unverzügliche Abwicklung einer Angelegenheit.
Bedeutungsanalyse
Heute bedeutet "recht und schlecht" so viel wie "irgendwie", "notdürftig" oder "mehr schlecht als recht". Die ursprünglich positive Doppelung hat sich im Laufe der Zeit ins Gegenteil verkehrt. Wörtlich genommen beschrieb sie einwandfreie Qualität, übertragen steht sie nun für eine nur mit Mühe und oft unbefriedigend bewältigte Aufgabe. Ein typisches Missverständnis liegt in der modernen Interpretation des Wortes "schlecht". Viele verstehen es im heutigen Sinne von "mangelhaft". Historisch betrachtet meinte "schlecht" (von "schlicht") jedoch "einfach" oder "unprätentiös". Die Redewendung beschreibt also keinen katastrophalen Zustand, sondern vielmehr ein bescheidenes, aber ausreichendes Funktionieren. Sie drückt aus, dass man etwas mit allen verfügbaren Mitteln und trotz widriger Umstände zu Ende gebracht hat, auch wenn das Ergebnis nicht perfekt ist.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und wird im gesamten deutschsprachigen Raum regelmäßig verwendet. Ihre Relevanz liegt gerade in ihrer Vielseitigkeit und dem Ausdruck einer pragmatischen Grundhaltung. In einer Zeit, die oft von Perfektionsdruck und Optimierungswahn geprägt ist, bietet "recht und schlecht" eine sympathische Formulierung für die alltägliche Realität, in der nicht alles ideal verläuft. Man findet sie in privaten Gesprächen, in der Berichterstattung ("Die Mannschaft kämpfte sich recht und schlecht durch die Verlängerung") und sogar in wirtschaftlichen Kontexten, um knappe Deadlines oder improvisierte Lösungen zu beschreiben. Sie schlägt somit eine direkte Brücke von der mittelalterlichen Rechtssprache zu modernen Lebens- und Arbeitswelten, in denen Improvisationstalent gefragt ist.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für informelle bis halbformelle Situationen, in denen man Bescheidenheit oder eine gewisse Nachsicht für ein Ergebnis signalisieren möchte. Sie ist perfekt für lockere Vorträge, Alltagsgespräche oder persönliche Anekdoten. In einer offiziellen Trauerrede oder einem hochformellen diplomatischen Schreiben könnte sie hingegen zu salopp wirken. Ihre Stärke liegt in der relatierenden und oft selbstironischen Nuance.
Hier einige Beispiele für gelungene Verwendungen:
- In einem Meeting: "Wir haben den Prototypen recht und schlecht zum Laufen gebracht, für die nächste Phase brauchen wir aber definitiv mehr Ressourcen."
- Im privaten Kreis: "Nach der Panne haben wir es recht und schlecht bis zur nächsten Werkstatt geschleppt."
- In einer Präsentation: "Mit diesen alten Tools haben wir die Kampagne damals recht und schlecht umgesetzt. Heute sind die Möglichkeiten zum Glück sehr viel besser."
Sie ist besonders geeignet, um Herausforderungen zu schildern, bescheidene Erfolge zu kommunizieren oder um Verständnis für eine nicht-optimale Lösung zu werben. Die Redewendung vermittelt dabei stets den Eindruck von Pragmatismus und dem Willen, eine Sache trotz allem zu Ende zu führen.
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