Pleite machen

Kategorie: Redewendungen

Pleite machen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Pleite machen" stammt aus dem Rotwelschen, der historischen Geheimsprache fahrender Händler und sozialer Randgruppen. Das Wort "Pleite" selbst leitet sich vom hebräischen "plejta" (פליטה) ab, was so viel wie "Flucht" oder "Entkommen" bedeutet. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde es im Gaunerjargon verwendet, um die hastige Flucht eines Schuldners vor seinen Gläubigern zu beschreiben. Wer "Pleite machte", verschwand buchstäblich, um seinen finanziellen Verpflichtungen zu entgehen. Erst im Laufe der Zeit verlagerte sich die Bedeutung von der Handlung der Flucht auf den Zustand der Zahlungsunfähigkeit selbst.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen beschrieb "Pleite machen" ursprünglich den Akt, sich aus dem Staub zu machen. In der heutigen übertragenen Bedeutung bezeichnet es ausschließlich den finanziellen Zusammenbruch, also Insolvenz anmelden oder bankrottgehen. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, es handle sich um einen modernen Slangausdruck. Tatsächlich ist die Redensart historisch tief verwurzelt. Die Interpretation ist denkbar klar: Sie beschreibt das Ende wirtschaftlicher Handlungsfähigkeit, den Punkt, an dem Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden können. Es ist ein finaler Zustand, der über bloße finanzielle Schwierigkeiten hinausgeht.

Relevanz heute

Die Redewendung ist heute so relevant wie nie. Sie wird ständig in Wirtschaftsnachrichten, politischen Debatten und im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet. Während sie früher das Verschwinden eines Einzelnen meinte, bezieht sie sich heute auf Unternehmen, Staaten oder auch private Haushalte. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich in Begriffen wie "Pleitewelle" oder "pleitegehen" nieder. In einer Zeit, in der Insolvenzstatistiken regelmäßig veröffentlicht werden, ist der Ausdruck ein fester Bestandteil unseres Wortschatzes, um wirtschaftliches Scheitern knapp und allgemein verständlich zu benennen. Selbst im übertragenen Sinn für energielose Zustände ("Ich bin total pleite") ist sie geläufig.

Praktische Verwendbarkeit

Die Wendung ist in formellen wie informellen Kontexten brauchbar, jedoch mit unterschiedlicher Schärfe. In einer neutralen Wirtschaftsberichterstattung ("Der Konzern musste Pleite machen") ist sie sachlich akzeptabel. In einer lockeren Unterhaltung unter Freunden ("Nach dem Urlaub bin ich erstmal pleite") klingt sie flapsig und übertrieben. Für eine Trauerrede oder eine sehr förmliche Ansprache wäre sie zu salopp und direkt; hier wählen Sie besser Formulierungen wie "in finanzielle Schieflage geraten" oder "zahlungsunfähig werden".

Gelungene Beispiele für den Einsatz sind:

  • In einem Vortrag: "Ohne ein solides Finanzierungskonzept riskieren Start-ups, binnen eines Jahres Pleite zu machen."
  • In einer privaten Einschätzung: "Der kleine Buchladen an der Ecke? Der wird leider bald Pleite machen müssen."
  • Achtung vor zu hartem Ton: Direkt zu jemandem in finanziellen Nöten "Du machst ja bald Pleite!" zu sagen, ist taktlos und verletzend.

Besonders geeignet ist die Redensart für analytische, erklärende oder berichtende Kontexte, in denen die Deutlichkeit im Vordergrund steht.

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