Mit jemandem durch dick und dünn gehen

Kategorie: Redewendungen

Mit jemandem durch dick und dünn gehen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "mit jemandem durch dick und dünn gehen" stammt aus der mittelalterlichen Reiterei und hat ihren Ursprung in der Beschreibung von Gelände. Das "Dicke" bezeichnete dabei unwegsames, dicht bewachsenes Gebüsch oder Unterholz, während "Dünn" für leicht zu durchquerendes, offenes Gelände stand. Wer also mit einem Gefährten sowohl durch das schwierige Dickicht als auch durch das einfache, dünne Gelände ritt, bewies wahre Kameradschaft und Treue, unabhängig von den Umständen. Diese bildhafte Sprache aus der Welt des Reitens und Jagens fand im 16. Jahrhundert Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch, um unbedingte Verbundenheit zu beschreiben.

Bedeutungsanalyse

Im wörtlichen Sinne beschreibt die Redewendung, wie bereits erläutert, das gemeinsame Durchqueren aller Geländearten. Übertragen bedeutet sie heute, jemandem in jeder Lebenslage bedingungslos beizustehen – in guten wie in schlechten Zeiten, bei Erfolgen und Misserfolgen, in einfachen und in schweren Phasen. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es ginge nur um das Überstehen von Krisen. Der Kern der Aussage ist jedoch die Unbedingtheit: Die Treue gilt nicht nur im "Dünnen", den leichten Momenten, sondern gerade auch im "Dicken", den herausfordernden und undurchsichtigen Situationen. Es ist ein Versprechen der Beständigkeit, das über reine Freundschaft oft hinausgeht und eine tiefe, verlässliche Bindung beschreibt.

Relevanz heute

Die Redewendung hat nichts von ihrer Kraft und Aktualität eingebüßt. In einer Zeit, die von schnellen Veränderungen und bisweilen oberflächlichen Kontakten geprägt ist, gewinnt der Wunsch nach verlässlichen, beständigen Beziehungen sogar an Bedeutung. Sie wird nach wie vor häufig verwendet, um die Qualität von langjährigen Freundschaften, festen Partnerschaften, familiären Bünden oder auch engen Geschäftsbeziehungen zu charakterisieren. Sie schlägt die Brücke zur Gegenwart, indem sie ein zeitloses menschliches Bedürfnis anspricht: den Wunsch, nicht allein zu sein und sich auf andere verlassen zu können, egal was kommt. In Trauerreden oder Hochzeitstoasts ist sie ein besonders häufiger und geschätzter Begriff.

Praktische Verwendbarkeit

Diese Redewendung eignet sich hervorragend für emotionale und persönliche Kontexte, in denen es um Loyalität und langfristige Verbundenheit geht. Sie ist in einer offiziellen Trauerrede absolut angemessen, um die Treue des Verstorbenen zu würdigen. Ebenso passt sie perfekt in eine Hochzeitsrede, um das Eheversprechen zu umschreiben. In einem lockeren Vortrag über Freundschaft oder Teamwork kann sie als kraftvolles Bild dienen. In einem sehr formellen Geschäftsbericht oder einer technischen Präsentation könnte sie hingegen zu salopp und emotional wirken. Für den alltäglichen Gebrauch ist sie ideal, um tiefe Wertschätzung auszudrücken.

Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:

  • "Ich danke dir von Herzen, dass du all die Jahre mit mir durch dick und dünn gegangen bist."
  • "Eine wahre Freundschaft beweist sich dadurch, dass man bereit ist, gemeinsam durch dick und dünn zu gehen."
  • "In unserer Ehe haben wir uns versprochen, immer füreinander da zu sein und durch alle Höhen und Tiefen, durch dick und dünn, miteinander zu gehen."
  • "Dieses Team hat sich in der Krise bewährt. Wir sind durch dick und dünn gegangen und sind jetzt stärker denn je."

Vermeiden sollten Sie die Redewendung in sachlichen Auseinandersetzungen oder wenn Sie eine distanzierte, rein geschäftliche Beziehung beschreiben möchten. Ihr wahrer Wert entfaltet sich in Momenten, in denen es um menschliche Tiefe und Verbindlichkeit geht.

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