Jemanden über den Schellenkönig loben
Kategorie: Redewendungen
Jemanden über den Schellenkönig loben
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser Redewendung ist nicht eindeutig und historisch nicht zweifelsfrei belegbar. Es existieren mehrere Theorien, die jedoch alle nicht mit absoluter Sicherheit bestätigt werden können. Daher lassen wir diesen Punkt, wie in Ihrer Anforderung festgelegt, weg.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "Jemanden über den Schellenkönig loben" bedeutet, eine Person maßlos, übertrieben und ohne jedes Maß in den höchsten Tönen zu preisen. Es handelt sich um ein Lob, das so extrem ausfällt, dass es unglaubwürdig wirkt oder sogar ins Lächerliche kippt. Wörtlich genommen stellt man sich vor, jemanden noch höher zu stellen als den "Schellenkönig". Die genaue Identität dieses Königs ist unklar, doch der Begriff "Schellen" verweist auf Schellen oder Glöckchen, wie sie Narren oder Hofnarren trugen. Übertragen bedeutet es also: Jemanden noch mehr loben als den König der Narren – was das Lob selbst ad absurdum führt. Ein typisches Missverständnis besteht darin, anzunehmen, es handle sich um ein echtes, positiv gemeintes Kompliment. In Wahrheit steckt in der Redewendung stets eine kritische oder ironische Note. Sie warnt davor, dass das Lob nicht ernst gemeint oder völlig überzogen ist.
Relevanz heute
Die Redewendung ist heute eher selten in Gebrauch und gehört zum passiven, historisch gefärbten Wortschatz. Ihre Relevanz liegt vor allem im Verständnis klassischer Literatur oder in einem bewusst stilisierten, vielleicht sogar altertümelnden Sprachgebrauch. Wer sie heute verwendet, tut dies oft mit einem Augenzwinkern, um die Übertreibung des Lobes selbst thematisch in den Vordergrund zu stellen. Die Brücke zur Gegenwart lässt sich dort schlagen, wo auch heute noch übertriebene Schmeicheleien, sogenanntes "Anbiedern" oder öffentliche Lobeshymnen kritisch betrachtet werden. In einer Zeit, in der Superlative und Hyperm in der Alltagssprache und besonders in sozialen Medien häufig sind, behält die Wendung eine gewisse aktuelle Bedeutung als sprachliches Korrektiv gegen allzu durchsichtige oder unkritische Begeisterung.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich für Kontexte, in denen die Übertreibung eines Lobes mit einem gewissen sprachlichen Abstand und einer Prise Humor kommentiert werden soll. Sie ist weniger für formelle Anlässe wie eine offizielle Trauerrede geeignet, da sie eine leicht spöttische Konnotation trägt.
- Geeignete Kontexte: In einem lockeren Vortrag über Kommunikation, in einem geselligen Gespräch unter Freunden oder in einem literarischen oder kulturkritischen Essay. Auch in einer Buchbesprechung, die sich mit schmeichlerischer Sprache auseinandersetzt, könnte sie passend sein.
- Ungünstige Kontexte: In einer ernsthaften Leistungsbeurteilung, in einer offiziellen Laudatio oder in einem einfühlsamen Kondolenzschreiben wäre der Gebrauch unpassend, da er als zu salopp oder respektlos aufgefasst werden könnte.
- Anwendungsbeispiele:
- "In der Pressekonferenz wurde der neue Spieler geradezu über den Schellenkönig gelobt – man fragte sich, ob von derselben Mannschaft die Rede war."
- "Seine Rezension liest sich weniger wie eine Kritik, sondern eher wie der Versuch, den Autor über den Schellenkönig zu loben."
- "Vorsicht vor Kollegen, die einen ständig über den Schellenkönig loben; oft folgt bald eine unangenehme Bitte."
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