Jemanden über den grünen Klee loben

Kategorie: Redewendungen

Jemanden über den grünen Klee loben

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Jemanden über den grünen Klee loben" stammt aus dem Mittelalter und ist bereits im 16. Jahrhundert schriftlich belegt. Ihr Ursprung liegt in der höfischen Dichtung und der Naturbeschreibung. Der grüne Klee galt damals als sprichwörtliches Sinnbild für das höchste Maß an Frische, Schönheit und Üppigkeit in der Natur. Etwas "über den grünen Klee" zu loben bedeutete daher, es noch über dieses perfekte, natürliche Ideal hinaus zu erheben. Die Wendung findet sich unter anderem in den Werken von Hans Sachs. Sie transportiert die Vorstellung, dass selbst das Vollkommene noch übertroffen werden kann, wenn man jemanden mit übertriebener Begeisterung preist.

Bedeutungsanalyse

Wer einen Menschen "über den grünen Klee lobt", der übertreibt maßlos in seinem Lob. Die Aussage ist nicht mehr realistisch oder glaubwürdig, sondern schwelgt in Superlativen. Wörtlich genommen stellt man sich vor, jemanden noch höher zu schätzen als den grünen Klee, der selbst schon das Symbol für vollendete natürliche Pracht ist. Übertragen bedeutet es schlichtweg: jemanden in den höchsten Tönen rühmen, ohne Maß und Ziel. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redensart mit "jemanden in den Himmel loben" gleichzusetzen. Während beide Übertreibung ausdrücken, verleiht das Bild des grünen Klees der Aussage eine historische, fast poetische Tiefe. Es geht nicht nur um Höhe, sondern um das Überbieten eines bereits idealisierten Zustandes.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache durchaus lebendig, wenn auch nicht mehr alltäglich. Sie wird vorwiegend dann verwendet, wenn man eine besonders blumige, vielleicht auch etwas altmodische oder ironische Note setzen möchte. Sie taucht in gehobeneren Feuilletons, in Buchbesprechungen oder in bewusst stilisierten Reden auf. Ihre Relevanz zeigt sich besonders in der Medien- und Werbesprache, wo übertriebenes Lob an der Tagesordnung ist. Wer die Formulierung nutzt, demonstriert sprachliches Bewusstsein und distanziert sich zugleich leicht von der beschriebenen Übertreibung. Sie schlägt somit eine Brücke zwischen historischer Sprachkraft und der heutigen Skepsis gegenüber schrankenloser Begeisterung.

Praktische Verwendbarkeit

Diese bildhafte Wendung eignet sich hervorragend für Situationen, in denen Sie übertriebene Schmeichelei beschreiben oder auch humorvoll kritisieren möchten. In einer lockeren Ansprache oder einem Vortrag kann sie einen pointierten Effekt erzielen.

  • Geeignete Kontexte: Gehobene Alltagsgespräche, literarische oder kulturelle Kritik (z.B. "Der Rezensent lobte den Debütroman über den grünen Klee, doch mir fehlte die Tiefe."), ironische Kommentare im Freundeskreis, Kolumnen.
  • Weniger geeignet: In formellen Geschäftsberichten, technischen Dokumenten oder einer Trauerrede wirkt sie zu bildhaft und möglicherweise unpassend. Für reine, unironische Komplimente ist sie ebenfalls nicht zu empfehlen.

Hier finden Sie gelungene Beispiele für den Gebrauch:

"Bei der Preisverleihung wurde der verdiente Mitarbeiter wahrlich über den grünen Klee gelobt, was ihm sichtlich peinlich war."

"Wenn Sie mich so über den grünen Klee loben, frage ich mich, welchen Gefallen Sie gleich von mir wollen."

"In ihrer Laudatio vermied sie es geschickt, den Preisträger über den grünen Klee zu loben, sondern blieb bei wohl dosierten, ehrlichen Worten."

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