Jemanden mit etwas abspeisen
Kategorie: Redewendungen
Jemanden mit etwas abspeisen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "jemanden mit etwas abspeisen" stammt aus dem Mittelalter und ist im wörtlichen Sinne in der Gastronomie verwurzelt. Der Begriff "abspeisen" bedeutete ursprünglich, einem Gast eine einfache, oft minderwertige oder kalte Mahlzeit zu servieren, nachdem die eigentliche Bewirtung bereits beendet war. Wer zu spät kam oder nicht zur eigentlichen Tischgesellschaft gehörte, bekam dann nur noch diese Reste vorgesetzt. Diese Praxis war eine deutliche Form der Geringschätzung. Die erste schriftliche Fixierung im übertragenen Sinne findet sich in Texten des 16. Jahrhunderts, wo sie bereits metaphorisch für eine unbefriedigende Antwort oder Abfertigung verwendet wurde.
Bedeutungsanalyse
Im Kern beschreibt die Redewendung eine Handlung, bei der man eine Person mit einer unzureichenden Antwort, einer fadenscheinigen Ausrede oder einer unbefriedigenden Lösung abfertigt. Wörtlich bezieht es sich auf das Servieren einer schlechten Mahlzeit. Übertragen bedeutet es, dass jemandes Anliegen, Frage oder Forderung nicht ernst genommen und mit etwas Billigem oder Unpassendem beantwortet wird. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handle sich um eine neutrale Art, jemanden "abzufertigen". Tatsächlich schwingt immer eine negative Konnotation von Überheblichkeit und Geringschätzung mit. Der "Abgespeiste" wird bewusst hingehalten oder mit einer nichtssagenden Information abgefunden, während der "Abspeisende" sich einer ernsthaften Auseinandersetzung entzieht.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor hochaktuell und wird in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen verwendet. Sie trifft den Nerv unserer Zeit, in der Kommunikation oft oberflächlich und Auskünfte nichtssagend sein können. Man begegnet ihr im politischen Diskurs, wenn Bürger mit Standardphrasen vertröstet werden, in der Geschäftswelt bei ausweichenden Kundenantworten oder im privaten Umfeld, wenn jemand ein ernstes Gespräch vermeidet. Die bildhafte Kraft der Wendung macht die Erfahrung der Nichtbeachtung sofort nachvollziehbar. Sie ist ein präzises sprachliches Werkzeug, um unzureichende Kommunikation und mangelnde Wertschätzung zu benennen.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich hervorragend für kritische Analysen und Beschreibungen in formellen wie informellen Kontexten. In einem Kommentar, einer Kolumne oder einem kritischen Vortrag kann sie pointiert eine unbefriedigende Situation auf den Punkt bringen. In einer lockeren Unterhaltung unter Freunden ist sie ebenfalls gut platziert, um sich über eine ausweichende Reaktion zu beschweren. Vorsicht ist in sehr förmlichen oder diplomatischen Situationen geboten, da die Wendung den Vorwurf der bewussten Nichtachtung direkt benennt und somit konfrontativ wirken kann. Für eine Trauerrede oder eine feierliche Ansprache ist sie aufgrund ihrer negativen und etwas saloppen Konnotation generell ungeeignet.
Gelungene Anwendungsbeispiele sind:
- "Die Pressekonferenz war enttäuschend. Die Ministerin hat die Journalisten nur mit allgemeinen Floskeln abgespeist, anstatt auf die konkreten Vorwürfe einzugehen."
- "Ich habe nach einer detaillierten Kostenaufstellung gefragt, aber der Handwerker hat mich mit einer groben Schätzung abgespeist."
- "Versuche nicht, mich mit einer auswendig gelernten Entschuldigung abzuspeisen. Ich erwarte eine ehrliche Erklärung."
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