Jemanden ausstechen
Kategorie: Redewendungen
Jemanden ausstechen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "jemanden ausstechen" entstammt der Welt des mittelalterlichen Turnierwesens. Im Tjost, dem Lanzenstechen zu Pferde, war es das Ziel, den Gegner mit der Lanze aus dem Sattel zu heben, also wortwörtlich "auszustechen". Der Besiegte war damit aus dem Wettkampf entfernt. Dieser sehr konkrete und physische Vorgang wurde schon früh in einen übertragenen Sinn überführt. Bereits in Schriften des 16. Jahrhunderts findet sich die Redensart im metaphorischen Gebrauch, um zu beschreiben, dass man einen Rivalen übertrifft und ihn damit aus einer Position verdrängt.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt "ausstechen" eine gewaltsame, physische Handlung: etwas oder jemanden mit einem spitzen Werkzeug herauszulösen oder zu entfernen, wie einen Pfahl aus der Erde oder, wie im Turnier, einen Reiter aus dem Sattel. In der heutigen übertragenen Bedeutung geht es jedoch fast ausschließlich um den Wettbewerb. Jemanden auszustechen bedeutet, ihn in einer direkten Konkurrenzsituation zu übertreffen, zu übertrumpfen und damit seinen Rang, seine Chance oder seine Position einzunehmen.
Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um eine rein negative oder gar hinterhältige Handlung. Das ist nicht zwangsläufig der Fall. Man kann einen Konkurrenten auch durch eigene herausragende Leistung, durch mehr Talent oder bessere Vorbereitung fair ausstechen. Der Kern der Redewendung ist der Akt des Überflügelns und Verdrängens, nicht die Methode, die dabei angewendet wird.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant, da Wettbewerb ein grundlegendes Prinzip unserer Gesellschaft bleibt. Sie wird in nahezu allen Bereichen verwendet, in denen es um Konkurrenz geht: im Berufsleben ("Bei der Beförderung hat sie alle anderen ausgestochen"), im Sport ("Der neue Stürmer sticht alle Mitbewerber aus"), in der Kunst oder sogar im privaten Umfeld ("Mit seinem selbstgebackenen Kuchen hat er alle auf der Feier ausgestochen").
Die Brücke zur digitalen Gegenwart schlägt sich in Begriffen wie "Content", der aus der Masse herausstechen soll, oder in der Bewertung von Angeboten auf Vergleichsportalen. Das Grundprinzip, sich durch besondere Qualität von der Konkurrenz abzuheben und sie damit zu verdrängen, ist universell und zeitlos.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für Kontexte, in denen Leistung und Wettbewerb im Vordergrund stehen. In einem lockeren Vortrag über Marktanalyse oder in einer motivierenden Rede für ein Team ist sie absolut passend. Sie transportiert Dynamik und ein klares Ergebnis.
Vorsicht ist in sehr formellen oder sensiblen Situationen geboten. In einer Trauerrede oder in einem diplomatischen Gespräch, wo es um Ausgleich und nicht um Verdrängung geht, wäre der Ausdruck unangemessen salopp oder zu hart. Er birgt stets eine gewisse Schärfe, da jemand anderes zwangsläufig das Nachsehen hat.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Verwendung:
- Im beruflichen Kontext: "Unsere Bewerbung muss durch innovative Ideen und tadellose Umsetzung ausstechen, dann haben wir eine echte Chance auf den Zuschlag."
- Im privaten Bereich: "Bei der Suche nach einer Wohnung in dieser Lage sticht man leider nur mit einem überhöhten Angebot aus der Masse der Interessenten heraus."
- Im Sportkommentar: "Mit seiner letzten Serie von Siegen hat der Athlet alle Erwartungen übertroffen und seine Konkurrenten klar ausgestochen."
Nutzen Sie die Redewendung also dort, wo Sie den Aspekt des siegreichen Wettstreits betonen möchten, und seien Sie sich der leicht konfrontativen Nuance bewusst.
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