Jemand / etwas geht jemandem am Arsch vorbei
Kategorie: Redewendungen
Jemand / etwas geht jemandem am Arsch vorbei
Autor: unbekannt
Herkunft
Die genaue Entstehungsgeschichte dieser saloppen Redensart lässt sich nicht mit letzter Sicherheit auf ein bestimmtes Datum oder eine Quelle zurückführen. Es handelt sich um eine vergleichsweise junge, aus der Umgangssprache des 20. Jahrhunderts stammende Wendung. Ihr Ursprung liegt klar im vulgärsprachlichen, oft als derb empfundenen Wortschatz. Die bildliche Kraft der Aussage speist sich aus der Vorstellung, dass etwas so unwichtig ist, dass man es nicht einmal wahrnimmt, wenn es an der intimsten und persönlichsten Körperstelle vorbeizieht. Sie ist ein Kind der Straße und der lockeren Sprechweise, nicht der Literatur oder gehobenen Kreisen.
Bedeutungsanalyse
Im Kern transportiert die Redewendung eine radikale Form der Gleichgültigkeit oder des fehlenden Interesses. Wörtlich genommen malt sie das absurde Bild aus, dass eine Person oder Sache den Weg eines Individuums kreuzt, und zwar auf einer Höhe und in einer Art, die jede Berührung oder Wahrnehmung ausschließt. Übertragen bedeutet dies: Die betreffende Angelegenheit ist dem Sprecher vollkommen egal, sie berührt ihn in keiner Weise, er schenkt ihr keinerlei Beachtung.
Ein typisches Missverständnis könnte in der Annahme liegen, die Redensart drücke aktiven Ärger oder Wut aus. Das ist jedoch meist nicht der Fall. Der Ton ist eher desinteressiert und abgeklärt. Es geht nicht darum, dass etwas einen stört, sondern dass es einen schlicht nicht interessiert. Die emotionale Ladung ist eine der Abwesenheit von Emotion, betont durch die drastische Bildsprache.
Relevanz heute
Die Redewendung ist in der heutigen Alltagssprache nach wie vor äußerst lebendig und relevant, insbesondere in informellen Settings. Sie hat ihren Platz in der gesprochenen Sprache unter Freunden, in lockeren Diskussionen oder auch in bestimmten Bereichen der Popkultur, wie in Songtexten oder in der Jugendsprache. Ihre Verwendung markiert oft eine gewisse Direktheit und Ehrlichkeit, die bewusst auf politische Korrektheit verzichtet. In einer Zeit, in der man von vielen Seiten mit Informationen, Meinungen und Ansprüchen konfrontiert wird, dient sie als sprachliches Ventil, um klarzustellen, welche dieser Dinge für einen persönlich keinerlei Priorität besitzen. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich also in ihrer Funktion als sprachlicher Filter für Relevanz.
Praktische Verwendbarkeit
Die Anwendung dieser Formulierung ist stark vom Kontext und vom sozialen Umfeld abhängig. Sie eignet sich ausschließlich für sehr lockere, vertraute Gespräche unter Menschen, die mit derben Ausdrücken kein Problem haben. In einem lockeren Vortrag vor einem jungen Publikum könnte sie als Stilmittel für Pointen funktionieren. Für eine Rede, eine Trauerrede, ein berufliches Meeting oder ein Gespräch mit Vorgesetzten ist sie völlig ungeeignet und würde als respektlos, unprofessionell oder schlicht unangemessen wahrgenommen.
Gelungene Beispiele für ihren Einsatz sind Sätze wie: "Was die Nachbarn über meinen neuen Haarschnitt denken, geht mir am Arsch vorbei." oder "Die neuesten Skandale in der Promi-Welt? Ehrlich gesagt, die gehen mir komplett am Arsch vorbei." In beiden Fällen wird eine persönliche Grenze der Anteilnahme gezogen. Die Redewendung ist dann besonders passend, wenn Sie eine überspitzte, humorvolle oder entkräftende Aussage über die absolute Irrelevanz eines Themas für Sie treffen möchten. Seien Sie sich stets der Schärfe des Ausdrucks bewusst und wägen Sie ab, ob Ihr Gegenüber diese Sprechweise teilt.
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