Ins Kreuzfeuer geraten
Kategorie: Redewendungen
Ins Kreuzfeuer geraten
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "ins Kreuzfeuer geraten" stammt unmittelbar aus dem militärischen Sprachgebrauch. Der Begriff "Kreuzfeuer" bezeichnet eine taktische Situation, in der eine Einheit oder Stellung aus mindestens zwei Richtungen gleichzeitig unter Beschuss genommen wird. Diese Feuerlinien kreuzen sich, was die Verteidigung extrem erschwert und die Gefahr für die Getroffenen massiv erhöht. Der erste belegte schriftliche Gebrauch im übertragenen Sinne lässt sich in deutschen Zeitungen und politischen Kommentaren des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts finden. Hier wurde die Metapher bereits verwendet, um Personen zu beschreiben, die von verschiedenen Seiten – etwa von politischen Gegnern oder der Presse – scharf und gleichzeitig kritisiert wurden.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich beschreibt die Redewendung die lebensbedrohliche Lage eines Soldaten im militärischen Kreuzfeuer. Im übertragenen, heute fast ausschließlich gebräuchlichen Sinn bedeutet "ins Kreuzfeuer geraten", dass eine Person oder Institution von mehreren Seiten gleichzeitig heftig angegriffen, kritisiert oder in Frage gestellt wird. Es geht nicht um eine einfache Meinungsverschiedenheit, sondern um eine konzertierte und oftmals überraschende Attacke. Ein häufiges Missverständnis besteht darin, die Redensart mit einem einfachen "unter Beschuss geraten" gleichzusetzen. Der entscheidende Zusatz "Kreuz-" impliziert jedoch immer eine Mehrfronten-Situation. Man gerät nicht nur in eine Auseinandersetzung, sondern wird von mehreren Parteien eingekreist und gleichzeitig attackiert, was den Druck und die Ausweglosigkeit der Situation stark betont.
Relevanz heute
Die Redewendung ist heute äußerst lebendig und relevant. Sie hat ihren festen Platz in der politischen Berichterstattung, in Wirtschaftskommentaren und im gesellschaftlichen Diskurs. Im Zeitalter von Social Media und einer polarisierten Öffentlichkeit ist das Bild des Kreuzfeuers aktueller denn je. Ein Politiker, der eine umstrittene Entscheidung trifft, gerät schnell "ins Kreuzfeuer der Kritik" von Oppositionsparteien, NGOs, Aktivisten und Medien. Ein Unternehmen mit einem Skandal sieht sich dem "Kreuzfeuer der Öffentlichkeit" ausgesetzt. Die Metapher trifft den Nerv unserer Zeit, in der Kritik oft schnell, laut und aus zahlreichen Quellen gleichzeitig kommt. Sie beschreibt präzise die Erfahrung, zum Ziel multipolarer Angriffe zu werden.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich hervorragend für formelle und semi-formelle Kontexte, in denen eine dramatische, aber präzise Beschreibung einer Konfliktsituation benötigt wird. Sie ist ideal für Analysen, Kommentare, Nachrichtenbeiträge oder auch in einer anspruchsvollen Rede.
In einer lockeren Alltagsunterhaltung über persönliche Streitigkeiten ("Meine Freunde und meine Familie waren sauer, ich war echt im Kreuzfeuer") kann sie etwas überdramatisch wirken, ist aber durchaus verständlich. Für eine Trauerrede oder einen sehr feierlichen Anlass ist sie aufgrund ihrer gewalttätigen militärischen Konnotation meist unpassend.
Hier finden Sie gelungene Beispiele für den Gebrauch:
- In einem Zeitungsartikel: "Mit seinem umstrittenen Gesetzesvorschlag geriet der Minister sofort ins Kreuzfeuer von Wirtschaftsverbänden und Sozialorganisationen."
- In einem Vortrag: "Die Geschäftsführung sah sich nach der Veröffentlichung des Berichts einem wahren Kreuzfeuer aus Fragen der Aktionäre ausgesetzt."
- In einer politischen Debatte: "Wer dieses Thema anspricht, begibt sich freiwillig ins Kreuzfeuer der öffentlichen Meinung."
Nutzen Sie die Redensart also, wenn Sie ausdrücken möchten, dass jemand nicht nur kritisiert, sondern von mehreren Akteuren gleichzeitig und konzentriert attackiert wird. Sie verleiht Ihrer Aussage Bildhaftigkeit und Dramatik, ohne unverständlich zu sein.
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