In Saus und Braus
Kategorie: Redewendungen
In Saus und Braus
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "in Saus und Braus" stammt aus dem Mittelhochdeutschen und hat ihre Wurzeln in den Begriffen "sûs" und "brûs". Diese Worte sind lautmalerischen Ursprungs und imitieren das Geräusch von Brausen und Rauschen. "Sûs" stand für das Zischen oder Rauschen von siedendem Fett oder das Geräusch eines starken Regens, während "brûs" das Brausen oder Tosen von Wasser oder auch das Geräusch eines heftigen Windes beschrieb. Im übertragenen Sinne bezogen sich diese Begriffe schon früh auf laute, ausgelassene Feste, bei denen reichlich gegessen und getrunken wurde. Die erstmalige schriftliche Fixierung der festen Wendung findet sich in der frühen Neuzeit, etwa in den Werken von Hans Sachs im 16. Jahrhundert, wo sie den verschwenderischen und üppigen Lebensstil der Oberschicht charakterisierte.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt "Saus und Braus" ein Getöse und Gebrause, also eine lärmende, unruhige Atmosphäre. In der übertragenen Bedeutung, die heute fast ausschließlich verwendet wird, charakterisiert die Redewendung einen Lebenswandel, der von übertriebenem Luxus, maßlosem Genuss und verschwenderischem Aufwand geprägt ist. Jemand, der in Saus und Braus lebt, gönnt sich ständig teure Vergnügungen, isst und trinkt im Übermaß und kümmert sich nicht um die Kosten oder die Folgen. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redewendung einfach mit "gut leben" gleichzusetzen. Der Kern der Aussage liegt jedoch in der Maßlosigkeit und der oft kritisch betrachteten Verschwendung. Es geht nicht um angemessenen Wohlstand, sondern um Exzess und den Verlust jeglicher Bescheidenheit.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache durchaus lebendig und relevant. Sie wird häufig verwendet, um einen exzessiven Lebensstil zu kommentieren, der in den Medien präsentiert wird. Man denke an Berichte über Prominente, die ihr Vermögen auf großem Fuß durchbringen, oder an Schilderungen von Firmenchefs, die auf Kosten ihrer Angestellten luxuriös leben. In wirtschaftlichen oder politischen Debatten dient die Formulierung oft als scharfe Kritik an als unverantwortlich empfundener Verschwendung von Geldern. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich also vor allem im Bereich der Sozialkritik. Während im Mittelalter der Adel das Ziel der Kritik war, sind es heute oft Stars, verschwenderische Erben oder korrupte Politiker, die "in Saus und Braus" leben sollen.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich hervorragend für bildhafte Beschreibungen in journalistischen Kommentaren, in gesellschaftskritischen Vorträgen oder auch in literarischen Texten. In einer lockeren Unterhaltung unter Freunden kann sie scherzhaft eingesetzt werden, um etwa eine besonders gelungene und üppige Feier zu beschreiben ("Nach der Prüfung haben wir erstmal ein Wochenende in Saus und Braus verbracht"). Für formelle Anlässe wie eine offizielle Trauerrede oder ein seriöses Geschäftstreffen ist der Ausdruck hingegen zu salopp und wertend. Er trägt stets eine Nuance der Missbilligung in sich, die in neutralen oder respektvollen Kontexten fehl am Platz wäre.
Gelungene Anwendungsbeispiele sind:
- In einem Zeitungskommentar: "Während die einfachen Mitarbeiter um ihre Jobs bangten, lebte der Vorstand weiter in Saus und Braus."
- In einem historischen Roman: "Der Graf verstand es, das ererbte Vermögen innerhalb weniger Jahre in Saus und Braus zu verprassen."
- Scherzhaft im privaten Kreis: "Jetzt, wo das Gehalt kommt, können wir uns ja mal wieder ein paar Tage Saus und Braus gönnen."
Sie sollten die Formulierung also vor allem dann wählen, wenn Sie einen ausschweifenden und verschwenderischen Lebensstil pointiert und etwas altmodisch charmant kritisieren oder beschreiben möchten.
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