In die Brüche gehen

Kategorie: Redewendungen

In die Brüche gehen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "in die Brüche gehen" stammt aus der handwerklichen Welt des Mittelalters, genauer gesagt aus der Töpferei oder der Glasbläserei. Der "Bruch" bezeichnete hier nicht etwa einen Knochenbruch, sondern die kaputten, unbrauchbaren Scherben und Splitter, die bei der Herstellung von Gefäßen aus Ton oder Glas unweigerlich anfielen. Diese Bruchstücke landeten in einem speziellen Behälter, der schlicht "der Bruch" genannt wurde. Wenn ein Werkstück misslang, "ging es in die Brüche", also wurde es zu wertlosem Schrott. Diese sehr bildhafte und für jeden Handwerker unmittelbar verständliche Beschreibung eines Misserfolgs fand im Laufe der Zeit Eingang in die allgemeine Sprache.

Bedeutungsanalyse

Die heutige Bedeutung der Redewendung ist eindeutig: Sie beschreibt das klägliche Scheitern einer Sache, einer Beziehung, eines Plans oder eines Unternehmens. Wörtlich genommen würde man denken, dass etwas in viele kleine Teile zerbricht, was dem ursprünglichen Bild recht nahekommt. Übertragen bedeutet es jedoch mehr als nur ein einfaches Ende. Es schwingt immer ein Moment des Endgültigen, des Unwiderruflichen und oft auch des Tragischen mit. Ein Projekt, das "in die Brüche geht", ist nicht nur vorbei, es ist zerstört, unrettbar verloren und hinterlässt bestenfalls noch unbrauchbare Trümmer. Ein häufiges Missverständnis besteht darin, die Redewendung mit "zu Bruch gehen" zu verwechseln. Während "zu Bruch gehen" sich eher auf konkrete, physische Gegenstände bezieht ("Die Vase ist zu Bruch gegangen"), bezieht sich "in die Brüche gehen" fast ausschließlich auf abstrakte Konzepte wie Pläne, Hoffnungen oder Vereinbarungen.

Relevanz heute

Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Sie wird in nahezu allen Bereichen des Lebens verwendet, in denen Pläne scheitern können. In der Wirtschaftsberichterstattung ist sie ein gängiger Begriff, wenn Fusionen platzen oder Verhandlungen scheitern. In der Politik hört man sie, wenn Koalitionsgespräche ergebnislos enden. Im privaten Bereich beschreibt sie das Ende einer Freundschaft oder einer romantischen Beziehung. Selbst in der digitalen Welt ist sie präsent: Ein Softwareprojekt, das nach Jahren der Entwicklung eingestellt wird, "geht in die Brüche". Ihre anhaltende Kraft bezieht die Formulierung aus ihrer drastischen Bildhaftigkeit, die das Gefühl des kompletten und unwiederbringlichen Verlusts sehr viel treffender vermittelt als ein einfaches "es hat nicht geklappt".

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung eignet sich für formelle und informelle Kontexte gleichermaßen, wobei sie stets ein gewisses Gewicht mit sich bringt. Sie ist nicht flapsig, sondern eher ernst und resignativ. In einer Trauerrede wäre sie zu hart und zu negativ konnotiert. In einem lockeren Vortrag oder einem kritischen Kommentar hingegen kann sie sehr wirkungsvoll sein.

Sie ist besonders passend, wenn Sie das endgültige Scheitern eines lang gehegten Vorhabens beschreiben möchten. Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:

  • "Nach monatelangen, zähen Verhandlungen sind die Gespräche über die Partnerschaft leider in die Brüche gegangen." (Geschäftskontext, formell)
  • "Unsere Urlaubspläne für die Weltreise sind in die Brüche gegangen, nachdem ich meinen Job verloren habe." (privater Kontext, erzählend)
  • "Das ambitionierte Stadterneuerungsprojekt ist an den hohen Kosten in die Brüche gegangen." (politische oder journalistische Berichterstattung)
  • Vorsichtig sollten Sie sein, wenn Sie die Redewendung auf zwischenmenschliche Beziehungen anwenden. Der Satz "Ihre Ehe ist in die Brüche gegangen" ist zwar korrekt, aber sehr direkt und kann verletzend wirken. Eine zurückhaltendere Formulierung wie "die Ehe wurde geschieden" ist oft angemessener.

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