Ihn muss man mit Glacéhandschuhen anfassen
Kategorie: Redewendungen
Ihn muss man mit Glacéhandschuhen anfassen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Ihn muss man mit Glacéhandschuhen anfassen" stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der Begriff "Glacéhandschuh" selbst bezeichnet einen besonders feinen, aus glänzendem Glacéleder gefertigten Herrenhandschuh, der zur festlichen Abendgarderobe getragen wurde. Diese Handschuhe waren nicht nur kostbar, sondern auch empfindlich. Die übertragene Bedeutung entwickelte sich aus der Vorstellung, dass man eine so delikate Person oder Sache nur mit der größten Vorsicht und besonderem Takt behandeln könne, ähnlich wie man einen empfindlichen Glacéhandschuh anfasst, um ihn nicht zu beschädigen. Die Redensart findet sich bereits in literarischen Werken des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und beschreibt stets den Umgang mit empfindlichen, eitlen oder leicht kränkbaren Menschen.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt die Redewendung die Notwendigkeit, jemanden mit speziellen, sehr feinen Handschuhen anzufassen. Im übertragenen Sinn warnt sie davor, dass eine bestimmte Person äußerst behutsam, mit viel Fingerspitzengefühl und diplomatischem Geschick behandelt werden muss. Gemeint ist oft ein Mensch, der sich leicht angegriffen fühlt, sehr eitel oder sensibel ist, vielleicht auch in einer Machtposition sitzt, die einen besonders respektvollen Umgang erfordert. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es ginge um physische Berührung. Tatsächlich bezieht sich die Wendung fast immer auf verbale und soziale Interaktion. Kurz gesagt: Sie ist ein Hinweis auf eine Person, bei der man taktvoll und vorsichtig sein sollte, um keine negativen Reaktionen hervorzurufen.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache durchaus lebendig und relevant. Sie wird nach wie vor verwendet, insbesondere in beruflichen Kontexten. Im Management oder im Umgang mit anspruchsvollen Kunden oder Geschäftspartnern ist die Metapher des Glacéhandschuhs ein prägnantes Bild für notwendige Diplomatie. Ebenso findet sie in privaten Beziehungen oder in der Beschreibung öffentlicher Personen Anwendung, wenn es um den Umgang mit sensiblen Charakteren geht. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich auch in der heutigen "Service- und Sensibilisierungskultur" nieder, in der bewusste und wertschätzende Kommunikation einen hohen Stellenwert hat. Die bildhafte Warnung vor einem unsensiblen Umgang ist daher zeitlos gültig.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich hervorragend für beratende oder beschreibende Gespräche. Sie ist in einem lockeren Vortrag ebenso wirksam wie in einem internen Team-Briefing, um vor einem schwierigen Gesprächspartner zu warnen. In einer formellen Rede oder gar einer Trauerrede wäre sie hingegen wahrscheinlich zu salopp und bildhaft. Im Alltag nutzt man sie, um anderen einen hilfreichen Tipp im Umgang mit einer dritten Person zu geben.
Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Bei Verhandlungen mit dem Vorstand sollten Sie bedenken: Den Vorsitzenden muss man mit Glacéhandschuhen anfassen, was Kritik angeht."
- "Unser neuer Starautor ist ein Genie, aber auch sehr empfindlich. Bei redaktionellen Änderungen müssen wir ihn mit Glacéhandschuhen anfassen."
- "Ich rate Ihnen, in der Feedbackrunde sehr diplomatisch zu sein. Die Projektleiterin ist in dieser Phase bekanntlich jemand, den man mit Glacéhandschuhen anfassen muss."
Der Ausdruck ist ideal für informelle bis semi-formelle Kontexte, in denen man bildhaft und einprägsam auf eine zwischenmenschliche Falle hinweisen möchte. In sehr direkten oder konfrontativen Situationen könnte die Redensart hingegen als zu umschweifend oder sogar ironisch missverstanden werden.
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