Honig ums Maul schmieren

Kategorie: Redewendungen

Honig ums Maul schmieren

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Honig ums Maul schmieren" stammt aus dem Mittelalter und ist in der deutschen Sprache seit dem 16. Jahrhundert belegt. Ihr Ursprung liegt in der damals verbreiteten Praxis, Tieren, insbesondere Bären oder Hunden, Honig auf die Schnauze zu streichen, um sie gefügig zu machen oder von einer unerwünschten Handlung abzulenken. Ein früher schriftlicher Beleg findet sich in Martin Luthers Schriften. In seiner Bibelübersetzung von 1545 (Sirach 6,5) heißt es in einer älteren Sprachform: "Eine freundliche Zunge ... schmiert Honig um den Mund". Luther nutzte das Bild, um zu beschreiben, wie schmeichelnde Worte jemanden günstig stimmen können. Die Redewendung ist somit tief in der bildhaften Sprache der frühen Neuzeit verwurzelt.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen beschreibt die Redewendung die Handlung, Honig um den Mund eines Lebewesens zu verteilen. Übertragen bedeutet sie jedoch, jemanden durch schmeichelnde Worte, übertriebenes Lob oder Gefälligkeiten gefügig zu machen, um einen eigenen Vorteil zu erlangen. Es geht um bewusste Manipulation durch Freundlichkeit. Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, es handele sich um eine grundsätzlich positive, einfach nur nette Geste. Das Gegenteil ist der Fall: Die Redensart trägt stets eine negative, durchtriebene Konnotation. Sie impliziert Unehrlichkeit und Berechnung. Der "Honig" symbolisiert die süßen, aber oft falschen Worte, während "schmieren" auf eine aufdringliche, übertriebene und wenig elegante Art der Zuwendung hindeutet. Kurz gesagt: Es ist kein ehrliches Kompliment, sondern taktische Schmeichelei.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch im modernen Sprachgebrauch vollkommen lebendig und relevant. Sie beschreibt ein zeitloses soziales Phänomen, das in nahezu allen Lebensbereichen vorkommt. Ob in der Politik, wenn Wähler mit Versprechungen umworben werden, im Berufsleben, um beim Chef oder wichtigen Kunden zu punkten, oder sogar im privaten Umfeld – das Prinzip bleibt gleich. Die bildhafte Kraft der Wendung macht sie nach wie vor sehr anschaulich. In einer Zeit, in der Kommunikation und "Soft Skills" eine große Rolle spielen, ist die Fähigkeit, zwischen aufrichtiger Wertschätzung und strategischer Schmeichelei zu unterscheiden, hochaktuell. Die Redensart dient somit als sprachliches Werkzeug, um solche manipulativen Taktiken schnell und treffend zu benennen.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung eignet sich hervorragend für Situationen, in denen Sie in gesprochener oder geschriebener Form auf eine offensichtliche Schmeichelei hinweisen möchten. Sie passt in lockere Gespräche, kritische Kommentare, Kolumnen oder auch in einen etwas salopperen Vortrag, um komplexe zwischenmenschliche Dynamiken auf den Punkt zu bringen.

In einer formellen Trauerrede oder einer offiziellen Ansprache wäre sie hingegen zu umgangssprachlich und könnte als respektlos oder zynisch aufgefasst werden. Auch in einem direkten Konfliktgespräch ("Sie schmieren mir doch nur Honig ums Maul!") wirkt sie sehr konfrontativ und sollte mit Bedacht eingesetzt werden.

Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:

  • "Er versuchte, dem Chef mit seiner neuen Idee Honig ums Maul zu schmieren, aber durchschaute man das Spiel sofort."
  • "Vor der wichtigen Vertragsverlängerung wurde der Schlüsselkunde von allen Seiten mit Aufmerksamkeiten überhäuft – das war doch reines Honigschmieren."
  • "In der Politik sollte man aufpassen, dass man sich nicht von leeren Versprechungen ködern lässt. Oft ist es nur Honig, der ums Maul geschmiert wird."
  • "Sie merkte, dass die übertriebenen Komplimente ihres Kollegen nicht ehrlich gemeint waren. 'Hör auf, mir Honig ums Maul zu schmieren', sagte sie schließlich lachend, 'was willst du eigentlich?'"

Die Redewendung ist also ideal, um in informellen bis halbformellen Kontexten Schmeichelei mit einer gewissen Bildkraft und Deutlichkeit zu entlarven.

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