Heute Hü, morgen Hott
Kategorie: Redewendungen
Heute Hü, morgen Hott
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Heute Hü, morgen Hott" stammt aus der Sprache der Fuhrleute und geht auf die Kommandorufe für Zugtiere zurück. "Hü" (auch "Hüa" oder "Hott" geschrieben) war der Ruf, die Pferde oder Ochsen nach links zu lenken, während "Hott" (oder "Hottah") den Befehl für eine Rechtswendung darstellte. Ein ständiger Wechsel zwischen diesen Kommandos ließ das Gespann hin und her laufen, ohne zielgerichtet voranzukommen. Dieser bildhafte und praktische Ursprung aus dem Transportwesen des 17. und 18. Jahrhunderts erklärt treffend die übertragene Bedeutung der Unbeständigkeit.
Bedeutungsanalyse
Im wörtlichen Sinne beschreibt die Redewendung das sinnlose Hin und Her eines Gespanns, das aufgrund widersprüchlicher Kommandos keine klare Richtung einschlagen kann. Übertragen kritisiert sie eine unbeständige, wankelmütige Haltung oder eine sprunghafte Politik, bei der Meinungen, Pläne oder Entscheidungen in kurzer Zeit fundamental wechseln. Ein typisches Missverständnis besteht darin, "Hü" und "Hott" als Ausdrücke für allgemeine Aktivität oder Hektik zu deuten. Der Kern der Aussage liegt jedoch nicht in der Geschäftigkeit, sondern im Mangel an Konsequenz und einer verlässlichen Linie. Kurz gesagt: Es geht um Prinzipienlosigkeit und Unzuverlässigkeit aufgrund ständiger Kurswechsel.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant, da das Phänomen, das sie beschreibt, zeitlos ist. Sie wird häufig in der politischen Berichterstattung und Kommentaren verwendet, um inkonsistentes Regierungshandeln oder taktisches Wählenwerden von Positionen anzuprangern. Ebenso findet sie Anwendung in der Wirtschaftsberichterstattung, wenn Unternehmen ohne erkennbare Strategie ihre Ausrichtung ändern. Im privaten Bereich nutzt man sie, um unzuverlässige Personen oder sich ständig ändernde Absprachen zu charakterisieren. In einer als volatil empfundenen Welt bietet diese alte Führerschelte also nach wie vor das perfekte sprachliche Bild für mangelnde Verlässlichkeit.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich hervorragend für kritische Kommentare in eher formellen Kontexten wie politischen Analysen, Leitartikeln oder sachlichen Vorträgen. Sie bringt eine fundierte Kritik auf den Punkt, ohne direkt beleidigend zu wirken. In einer Trauerrede wäre sie unpassend, in einem lockeren Gespräch unter Freunden über einen unzuverlässigen Bekannten jedoch durchaus anwendbar. Sie sollte vermieden werden, wenn es lediglich um eine flexible Anpassung an neue Umstände geht, denn diese kann durchaus klug sein. "Heute Hü, morgen Hott" ist die Kritik an der Willkür, nicht an der Anpassungsfähigkeit.
Gelungene Anwendungsbeispiele sind:
- In einem Projektfeedback: "Die ständigen Richtungsänderungen des Auftraggebers machten die Arbeit enorm schwer. Es war heute Hü, morgen Hott."
- In einem politischen Kommentar: "Die Wählerschaft sehnt sich nach klaren Positionen und ist genervt von der Politik des Heute Hü, morgen Hott."
- Im privaten Gespräch: "Bei der Urlaubsplanung mit ihr ist nichts verbindlich. Es herrscht das Prinzip Heute Hü, morgen Hott."
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