Hahn im Korb
Kategorie: Redewendungen
Hahn im Korb
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Hahn im Korb" stammt aus der ländlichen Lebenswelt und bezieht sich auf die natürliche Hackordnung in einem Hühnerhof. Dort ist der Hahn stets das einzige männliche Tier unter vielen Hennen. Er ist der Mittelpunkt, der sich auffällig gebärdet, die Aufmerksamkeit auf sich zieht und die Gruppe dominiert. Dieser anschauliche und jedermann bekannte Bildgeber wurde im 18. und 19. Jahrhundert auf den menschlichen Bereich übertragen. Er taucht vor allem in der Literatur und in Beschreibungen gesellschaftlicher Zusammenkünfte auf, wo ein Mann in einer ansonsten weiblichen Runde die unangefochtene Hauptperson ist.
Bedeutungsanalyse
Im übertragenen Sinne bezeichnet ein "Hahn im Korb" einen Mann, der sich in einer überwiegend aus Frauen bestehenden Gesellschaft befindet und diese Rolle genießt. Er ist der Mittelpunkt, der sich der besonderen Aufmerksamkeit und Zuwendung erfreut. Wörtlich wäre es tatsächlich ein einzelner Hahn in einem Korb voller Hennen. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, die Redewendung beschreibe einfach nur einen selbstverliebten oder prahlerischen Mann. Das ist zu kurz gegriffen. Der Kern der Bedeutung liegt in der exklusiven Stellung aufgrund des Geschlechterverhältnisses. Es geht nicht primär um das Verhalten, sondern um die Situation. Ein schüchterner Mann in einem Frauenkreis ist ebenso "der Hahn im Korb" wie ein extrovertierter. Kurz gesagt: Es ist der einzige Mann unter vielen Frauen.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor lebendig und wird regelmäßig verwendet, auch wenn sich die gesellschaftlichen Kontexte gewandelt haben. Sie beschreibt nach wie vor treffend Situationen, in denen das Geschlechterverhältnis stark unausgewogen ist. Man hört oder liest den Ausdruck beispielsweise in Beschreibungen von Branchenevents in frauendominierten Berufen wie der Pädagogik oder der Pflege, wenn dort ein männlicher Teilnehmer auftaucht. Ebenso kann er auf einen Vater anwenden, der seine Tochter zu einer reinen Mädchengeburtstagsfeier begleitet. Die Redewendung behält ihre Gültigkeit, reflektiert aber gleichzeitig traditionelle Rollenbilder, was ihre Anwendung heute manchmal mit einem ironischen oder nostalgischen Unterton versehen kann.
Praktische Verwendbarkeit
Der Ausdruck eignet sich hervorragend für lockere, beschreibende und bisweilen humorvolle Alltagssituationen. Er passt in gesprochene Sprache, in journalistische Berichte über Veranstaltungen oder in persönliche Anekdoten.
- Geeignete Kontexte: Ein lockeres Gespräch unter Freunden ("Unser Peter war gestern auf dem Yoga-Kurs der Hahn im Korb"), ein zwangloser Vortrag mit Anekdoten, eine Feier, eine Reportage über einen Grundschullehrer-Kongress.
- Weniger geeignet: In formellen oder offiziellen Reden (wie einer Trauerrede) wirkt die Wendung zu salopp und bildhaft. In sensiblen Diskussionen über Geschlechtergerechtigkeit könnte sie als veraltet oder klischeehaft missverstanden werden.
Hier finden Sie gelungene Beispiele für den Satzbau:
"Auf der Konferenz der Erzieherinnen war der Referent ausnahmsweise mal der Hahn im Korb."
"Bei der Junggesellinnenabschiedsfeier meiner Schwester war ich als ihr Bruder der ungewollte Hahn im Korb."
"Der Artikel beschrieb den einzigen männlichen Grundschullehrer im Kollegium treffend als Hahn im Korb."
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