Gut Wetter machen
Kategorie: Redewendungen
Gut Wetter machen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Gut Wetter machen" stammt aus der Seefahrt des 17. und 18. Jahrhunderts. Sie ist klar belegt und dokumentiert. Auf Segelschiffen war die Wetterbeobachtung überlebenswichtig. Ein "Wettermacher" war ursprünglich ein Besatzungsmitglied, das für die Wettervorhersage zuständig war. Seine Aufgabe bestand darin, den Himmel, die Wolken und den Wind zu beobachten und daraus Rückschlüsse auf die kommenden Bedingungen zu ziehen. Wenn dieser "Wettermacher" also "gutes Wetter machte", sagte er voraus, dass stürmische oder gefährliche Zeiten vorüber seien und ruhige, günstige Fahrbedingungen bevorstünden. Die Redensart hat sich aus diesem konkreten, verantwortungsvollen Berufsbild heraus entwickelt und wurde schnell in die Alltagssprache übernommen.
Bedeutungsanalyse
Im wörtlichen Sinne beschreibt die Redewendung die Tätigkeit, eine positive Wettervorhersage zu treffen. Übertragen und in der heutigen Bedeutung meint man damit, jemandem nach einem Konflikt oder einer schlechten Stimmung wieder zuversichtlich zu stimmen, zu beschwichtigen oder für eine versöhnliche Atmosphäre zu sorgen. Es geht darum, "die Wogen zu glätten" und ein freundliches, kooperatives Klima herzustellen. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es ginge um das tatsächliche Beeinflussen des Wetters oder um blinden Optimismus. Tatsächlich steckt in der Redewendung aber immer ein aktives, diplomatisches Handeln: Man unternimmt etwas, um eine bereits getrübte Situation zu verbessern. Es ist weniger ein naives "Alles wird gut" als vielmehr ein taktvolles "Lassen Sie uns wieder aufeinander zugehen".
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor hochrelevant und wird regelmäßig verwendet, auch wenn sie einen leicht gehobenen, vielleicht sogar etwas bildhaften Charakter bewahrt hat. Sie findet ihre Anwendung überall dort, wo zwischenmenschliche Beziehungen gepflegt und Konflikte deeskaliert werden müssen. Das reicht vom privaten Bereich, in dem man nach einem Streit "wieder gut Wetter machen" möchte, bis in die professionelle Welt. In der Politik ist sie ein gängiger Begriff für die Wiederannäherung nach kontroversen Debatten. In Unternehmen nutzt man sie, um nach harten Verhandlungen oder internen Reibereien das Betriebsklima zu verbessern. Die Brücke zur Gegenwart ist also intakt: In einer Zeit, die von schnellen Kommunikationsformen und oftmals polarisierenden Diskussionen geprägt ist, bleibt die Fähigkeit, "gut Wetter zu machen", eine wertvolle soziale Kompetenz.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für Situationen, in denen Sie eine versöhnliche Geste beschreiben oder einfordern möchten. Sie klingt in einer offiziellen Rede, in einem Leitartikel oder in einem geschäftlichen Bericht passend, weil sie bildhaft, aber nicht umgangssprachlich salopp ist. Für eine Trauerrede wäre sie hingegen ungeeignet, da der Kontext zu unpassend ist. In einem lockeren Vortrag über Teamarbeit oder Konfliktmanagement hingegen kann sie sehr effektiv sein.
Sie können die Redewendung aktiv oder passiv verwenden:
- Nach der harten Auseinandersetzung in der Sitzung war es seine Aufgabe, bei den Kollegen wieder gut Wetter zu machen.
- Um das Projekt zu retten, müssen wir erst einmal intern gut Wetter machen.
- Die beiden Nachbarn haben nach dem Streit um die Grundstücksgrenze endlich wieder gut Wetter gemacht.
Vermeiden sollten Sie den Ausdruck in sehr formellen oder juristischen Texten, wo präzisere Begriffe wie "einen Ausgleich finden" oder "sich gütlich einigen" angebrachter sind. Auch in sehr emotional aufgeladenen, akuten Streitsituationen kann die Redewendung als zu leichtfüßig oder verharmlosend empfunden werden. Nutzen Sie sie also vor allem für die Beschreibung des Prozesses der Versöhnung nach dem eigentlichen Konflikt.
Mehr Redewendungen
- Abwarten und Tee trinken
- Ach du grüne Neune!
- Alles über einen Kamm scheren
- Alte Zöpfe abschneiden
- Alter Schwede
- Am Hungertuch nagen
- Ans Eingemachte gehen
- Äpfel mit Birnen vergleichen
- Auf keinen grünen Zweig kommen
- Den Ball flach halten
- Den Faden verlieren
- Den Löffel abgeben
- Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
- Der springende Punkt
- Einen Zahn zulegen
- Es faustdick hinter den Ohren haben
- Hieb und stichfest
- Holzauge sei wachsam
- Im siebten Himmel sein
- In den sauren Apfel beißen
- Jemandem aufs Dach steigen
- Jemandem einen Bären aufbinden
- Jemandem einen Denkzettel verpassen
- Jemanden an die Wand stellen
- Kein Blatt vor den Mund nehmen
- 950 weitere Redewendungen