Für jemanden eine Lanze brechen
Kategorie: Redewendungen
Für jemanden eine Lanze brechen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "für jemanden eine Lanze brechen" stammt aus dem mittelalterlichen Rechtsbrauch des gerichtlichen Zweikampfes, auch Gottesurteil genannt. Wenn ein Angeklagter seine Unschuld nicht beweisen konnte, konnte ein anderer für ihn in den Kampf ziehen. Dieser "Kämpfer" brach im wahrsten Sinne eine Lanze für den Angeklagten, indem er sie im Kampf für dessen Sache einsetzte und riskierte, dass sie brach. Ein früher schriftlicher Beleg findet sich in der Literatur des 16. Jahrhunderts, wo der Ausdruck bereits im übertragenen Sinne verwendet wurde. Die Vorstellung, mit der Waffe für einen anderen einzutreten, prägte sich so tief in die Sprache ein, dass sie bis heute überdauert hat.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich beschreibt die Redewendung die Handlung eines Ritters, der im Turnier oder gerichtlichen Zweikampf seine Lanze für die Sache eines anderen einsetzt. Im übertragenen, heute allein gebräuchlichen Sinn bedeutet sie: sich öffentlich und entschieden für eine Person, eine Gruppe oder auch eine Meinung einsetzen und diese verteidigen. Man ergreift Partei und setzt dabei das eigene Ansehen oder soziales Kapital aufs Spiel. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Vorstellung des "Zerbrechens": Es geht nicht um die Zerstörung der Lanze als Akt der Auflehnung, sondern um ihren kämpferischen Einsatz. Die gebrochene Lanze ist das Resultat des engagierten Kampfes, nicht dessen Ziel.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Sie wird in fast allen gesellschaftlichen Bereichen verwendet, in denen es um Fürsprache und öffentliche Verteidigung geht. In der Politik ist es gängig, dass Abgeordnete "eine Lanze für ihr Wahlkreisprojekt brechen". In Unternehmen setzen sich Führungskräfte für ihre Mitarbeiter ein. In sozialen Debatten brechen Medien oder Influencer "eine Lanze für mehr Toleranz". Selbst im privaten Umfeld ist der Ausdruck geläufig, wenn man sich etwa im Freundeskreis für eine ungerecht behandelte Person starkmacht. Die bildhafte Kraft des mittelalterlichen Kampfes verleiht dem modernen Eintreten nach wie vor besonderen Nachdruck.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich für formelle bis semi-formelle Kontexte, in denen der Einsatz betont werden soll. In einer Trauerrede kann sie verwendet werden, um zu würdigen, wie der Verstorbene sich stets für andere eingesetzt hat. In einem Fachvortrag oder Leitartikel klingt sie pointiert, um für eine innovative Idee zu werben. Im lockeren Gespräch unter Kollegen kann sie etwas pathetisch wirken, ist aber dennoch verständlich. Sie wäre zu flapsig in rein sachlichen, emotionslosen Berichten oder in Situationen, in denen eine neutrale Sprache erforderlich ist.
Anwendungsbeispiele:
- "In der heutigen Sitzung muss ich ganz klar eine Lanze für unser Team brechen, das unter schwierigen Bedingungen Außerordentliches geleistet hat."
- "Der Autor bricht in seinem neuen Buch eine Lanze für mehr Gelassenheit im digitalen Zeitalter."
- "Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze für meinen Vorgänger brechen, dessen Grundlagenarbeit unser heutiges Erfolgsprojekt erst ermöglichte."
Sie ist besonders geeignet, wenn Sie nicht nur einfache Zustimmung ausdrücken, sondern Ihren aktiven und konfliktbereiten Part in der Verteidigung einer Sache unterstreichen möchten.
Mehr Redewendungen
- Abwarten und Tee trinken
- Ach du grüne Neune!
- Alles über einen Kamm scheren
- Alte Zöpfe abschneiden
- Alter Schwede
- Am Hungertuch nagen
- Ans Eingemachte gehen
- Äpfel mit Birnen vergleichen
- Auf keinen grünen Zweig kommen
- Den Ball flach halten
- Den Faden verlieren
- Den Löffel abgeben
- Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
- Der springende Punkt
- Einen Zahn zulegen
- Es faustdick hinter den Ohren haben
- Hieb und stichfest
- Holzauge sei wachsam
- Im siebten Himmel sein
- In den sauren Apfel beißen
- Jemandem aufs Dach steigen
- Jemandem einen Bären aufbinden
- Jemandem einen Denkzettel verpassen
- Jemanden an die Wand stellen
- Kein Blatt vor den Mund nehmen
- 950 weitere Redewendungen