Fremdgehen
Kategorie: Redewendungen
Fremdgehen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft der Redewendung "fremdgehen" ist sprachhistorisch gut nachvollziehbar, auch wenn ein exaktes erstmaliges Auftreten schwer zu datieren ist. Der Begriff setzt sich aus dem Adjektiv "fremd" und dem Verb "gehen" zusammen. "Fremd" bezeichnet hier etwas, das außerhalb der eigenen, vertrauten Sphäre liegt. Die Kombination mit "gehen" im Sinne von "sich fortbewegen" oder "sich begeben" ergibt das Bild, den vertrauten Bereich zu verlassen und sich in einen anderen, nicht zugehörigen Bereich zu begeben. Diese bildhafte Übertragung auf die eheliche oder partnerschaftliche Treue ist seit dem 18. Jahrhundert in der deutschen Sprache belegt. Interessant ist, dass die Redensart ursprünglich nicht ausschließlich auf sexuelle Untreue beschränkt war, sondern allgemeiner das Abweichen von Normen oder das Aufsuchen anderer, nicht legitimierter Bezugspunkte beschreiben konnte.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen bedeutet "fremdgehen", sich an einen fremden Ort zu begeben oder zu einer fremden Person zu gehen. In seiner übertragenen und heute fast ausschließlich gebräuchlichen Bedeutung beschreibt es den Verstoß gegen die in einer monogamen Beziehung oder Ehe vereinbarte sexuelle und/oder emotionale Exklusivität. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, dass "fremdgehen" immer eine physische Handlung beinhalten müsse. In modernen Beziehungsdiskursen wird der Begriff jedoch zunehmend auch für emotionale Untreue verwendet, bei der eine tiefe, intime Bindung zu einer dritten Person aufgebaut wird, ohne dass es zwangsläufig zu sexuellem Kontakt kommt. Die Redewendung ist somit eine metaphorische Kurzform für den Vertrauensbruch und das Überschreiten der gemeinsam definierten Grenzen einer Partnerschaft.
Relevanz heute
Die Redewendung "fremdgehen" ist heute so relevant wie eh und je, vielleicht sogar noch präsenter durch die öffentliche Diskussion über Beziehungsmodelle. Sie ist ein fester Bestandteil des alltäglichen Sprachgebrauchs. Ihre Verwendung beschränkt sich keineswegs nur auf private Gespräche, sondern findet sich auch in Medien, Ratgeberliteratur, Songtexten und seriösen soziologischen oder psychologischen Abhandlungen. Die aktuelle Relevanz zeigt sich auch in der Erweiterung des Begriffsverständnisses. Während die Kernbedeutung stabil bleibt, wird diskutiert, ob digitale Interaktionen, wie intensiver emotionaler Austausch in sozialen Medien oder das Konsumieren von bestimmten Online-Inhalten, bereits Formen des "Fremdgehens" darstellen können. Die Redewendung schlägt somit eine direkte Brücke von traditionellen Vorstellungen zu den ethischen Fragen moderner Beziehungen in einer digital vernetzten Welt.
Praktische Verwendbarkeit
Die Verwendung der Redewendung "fremdgehen" ist in den meisten informellen bis halbformellen Kontexten angemessen. Sie ist klar verständlich, aber aufgrund ihres schwerwiegenden Inhalts mit einer gewissen emotionalen Ladung behaftet. In einer lockeren Unterhaltung unter Freunden oder in einem persönlichen Beratungsgespräch ist sie völlig passend. In einer offiziellen Trauerrede oder einer sehr formellen Ansprache wäre sie hingegen unangebracht und zu salopp. Für solche formellen Kontexte wählt man besser neutrale Formulierungen wie "die eheliche Treue brechen". Entscheidend ist die Sensibilität für das Publikum und die Situation.
Hier finden Sie konkrete Beispiele für gelungene Sätze:
- In einem vertraulichen Gespräch: "Sie vertraute ihm blind, bis sie herausfand, dass er seit Monaten fremdging."
- In einem Ratgebertext: "Viele Paare stellen sich die Frage, ob emotionales Fremdgehen genauso verletzend ist wie körperliche Untreue."
- In einer kritischen Diskussion: "Manche argumentieren, dass das ständige Chatten mit einem Ex-Partner bereits eine Form des Fremdgehens sei."
Die Redewendung eignet sich besonders für Kontexte, in denen das Thema Partnerschaft, Vertrauen oder moralisches Fehlverhalten direkt und ohne Umschweife angesprochen werden soll. Sie ist prägnant und transportiert die gesamte Tragweite des Vertrauensbruchs in einem einzigen Wort.
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