Etwas türken

Kategorie: Redewendungen

Etwas türken

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Herkunft der Redewendung "etwas türken" ist historisch gut belegt und führt uns ins 17. Jahrhundert. Sie entstand im militärischen Kontext des Habsburgerreichs während der Türkenkriege. Soldaten und Söldner, die gegen die Armeen des Osmanischen Reiches kämpften, brachten den Ausdruck in Umlauf. Damals bezeichnete man mit "türken" das Vortäuschen einer größeren Kampfstärke oder das Aufstellen von Attrappen, um den Feind zu täuschen. Ein typischer Trick war es, Scheinartillerie aus Holz ("Kanonen aus Pappe") zu bauen oder mehr Lagerfeuer zu entzünden, als man Truppen hatte, um so den Eindruck einer überlegenen Streitmacht zu erwecken. Der Begriff übertrug sich somit früh vom Namen des Gegners auf die Handlung der Täuschung selbst.

Bedeutungsanalyse

Die Redewendung "etwas türken" bedeutet, etwas zu fälschen, vorzutäuschen oder zu manipulieren, um einen falschen Eindruck zu erwecken. Wörtlich bezog es sich auf die Kriegslist osmanischer oder gegen die Osmanen kämpfender Truppen. In der übertragenen Bedeutung beschreibt es heute jede Art von betrügerischer oder irreführender Aufmachung. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, der Begriff sei eine direkte Herabwürdigung türkischer Menschen oder ihrer Kultur. Sprachhistorisch betrachtet ist er jedoch ein Relikt aus einer konfliktreichen Epoche, in der der Name des militärischen Gegners stellvertretend für eine bestimmte Taktik stand. Kurz gesagt: Wer etwas türkt, der schwindelt, um besser dazustehen oder einen Mangel zu vertuschen.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch in der Gegenwart durchaus noch lebendig, wenn auch ihr Gebrauch aufgrund des bewussteren Umgangs mit Sprache etwas zurückgegangen sein mag. Sie wird vor allem dann verwendet, wenn es um offensichtliche Fälschungen, geschönte Statistiken oder bewusste Irreführung in Medien, Politik oder Wirtschaft geht. Die Brücke zur modernen Welt schlägt sich beispielsweise in Diskussionen um "getürkte" Bilanzen, "getürkte" Umfragen oder "getürkte" akademische Arbeiten. Sie dient als prägnantes, bildhaftes Wort für Manipulation und fehlende Authentizität. In einer Zeit, in der Begriffe wie "Fake News" oder "Deep Fakes" allgegenwärtig sind, trifft das alte "türken" den Kern des Problems nach wie vor präzise.

Praktische Verwendbarkeit

Die Wendung eignet sich für Kontexte, in denen Täuschung oder Fälschung thematisiert werden soll, und bringt eine gewisse saloppe oder sogar anklagende Note mit. In einem lockeren Vortrag über Verbrauchertäuschung oder in einem kritischen Kommentar in einem Gespräch unter Kollegen kann sie sehr passend sein. Für formelle Anlässe wie eine Trauerrede oder eine offizielle Ansprache ist sie hingegen zu umgangssprachlich und aufgrund ihres historischen Hintergrunds möglicherweise auch als unsensibel empfunden. Sie sollte mit Bedacht eingesetzt werden, um keine ungewollten Assoziationen zu wecken.

Gelungene Beispiele für den Gebrauch im Alltag sind:

  • "Die Erfolgszahlen in dem Bericht wirken auf mich völlig getürkt, da fehlt es an jeder nachvollziehbaren Quelle."
  • "Er hat seinen Lebenslauf getürkt, um den Job zu bekommen, und wurde später entlarvt."
  • "Man hat den Eindruck, dass diese ganze öffentliche Empörung nur getürkt ist, um von dem eigentlichen Skandal abzulenken."

Besonders geeignet ist die Redewendung also für kritische Alltagsgespräche, journalistische Kommentare oder Diskussionen, in denen es um die Aufdeckung von Unwahrheiten geht.

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