Etwas aus dem Kreuz haben
Kategorie: Redewendungen
Etwas aus dem Kreuz haben
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser Redewendung ist nicht eindeutig und historisch belegbar geklärt. Es existieren verschiedene volksetymologische Deutungen, die jedoch nicht als gesichert gelten können. Eine populäre, aber nicht verifizierte Erklärung führt den Ausdruck auf die mittelalterliche Rechtsprechung zurück, wo Verurteilte zur Strafe "aus dem Kreuz gelegt", also aus der Gemeinschaft der Lebenden ausgestoßen wurden. Eine andere Vermutung sieht den Ursprung im handwerklichen oder landwirtschaftlichen Bereich, wo man etwas Lästiges "vom Kreuz", also von der Schulter oder dem Rücken, nehmen wollte. Da diese und ähnliche Theorien nicht zweifelsfrei belegt sind, verzichten wir an dieser Stelle auf eine detaillierte, aber spekulative Darstellung.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "etwas aus dem Kreuz haben" bedeutet, eine lästige Pflicht, eine unangenehme Aufgabe oder ein störendes Problem endlich erledigt und damit hinter sich gebracht zu haben. Sie drückt eine spürbare Erleichterung und Befreiung von einer als drückend empfundenen Last aus.
Wörtlich genommen, würde die Formulierung auf eine körperliche Entlastung des Rückgrats hindeuten. Übertragen steht das "Kreuz" hier jedoch sinnbildlich für eine Bürde, die man wie eine schwere Last auf den Schultern trägt. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redensart mit tatsächlichen Rücken- oder Kreuzschmerzen in Verbindung zu bringen. Während man "Rücken haben" oder "Kreuzschmerzen haben" durchaus im medizinischen Sinne sagt, bezieht sich "aus dem Kreuz haben" fast immer auf metaphorische Lasten. Die Kerninterpretation ist einfach: Ein Druck ist weg, eine Sache ist abgeschlossen und man kann aufatmen.
Relevanz heute
Die Redewendung ist im deutschen Sprachgebrauch nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Sie wird in allen Generationen und in den meisten sozialen Kontexten verstanden und eingesetzt. Ihre Popularität verdankt sie der universellen Erfahrung, sich mit unliebsamen Verpflichtungen herumzuschlagen. Ob es sich um die fertige Steuererklärung, einen konfliktreichen Termin, eine aufwändige Renovierung oder ein schwieriges Gespräch handelt – die empfundene Erleichterung, wenn es überstanden ist, wird treffend mit dieser Formulierung beschrieben. Sie schlägt somit eine direkte Brücke von einem alten Bild der körperlichen Last zur modernen psychischen oder zeitlichen Belastung in Beruf, Alltag und Privatleben.
Praktische Verwendbarkeit
Der Ausdruck ist überwiegend für den informellen bis halbformellen Bereich geeignet. Er klingt natürlich in privaten Gesprächen, in der lockeren Bürokommunikation unter Kollegen oder in einer entspannten Rede, in der Sie von überwundenen Hürden berichten.
In sehr formellen oder feierlichen Kontexten wie einer offiziellen Trauerrede, einem diplomatischen Schreiben oder einer wissenschaftlichen Publikation wirkt die Redensart hingegen zu salopp und umgangssprachlich. Hier wählen Sie besser Formulierungen wie "etwas hinter sich gebracht haben" oder "eine Aufgabe zum Abschluss gebracht haben".
Gelungene Beispiele für den Einsatz sind:
- Nach der bestandenen Prüfung: "Endlich habe ich diese anstrengende Prüfung aus dem Kreuz! Jetzt kann der Urlaub kommen."
- Im Projektteam: "Lasst uns den letzten Punkt der Agenda noch heute bearbeiten, dann haben wir das komplexe Thema aus dem Kreuz und können uns dem Neuen widmen."
- In einer lockeren Präsentation: "Die Umstellung des Systems war eine echte Herausforderung, aber wir haben sie aus dem Kreuz. Die Vorteile sehen Sie nun auf dieser Folie."
Die Redewendung ist also perfekt für Situationen, in denen Sie Erleichterung und einen abgeschlossenen, fordernden Prozess kommunizieren möchten, ohne dabei allzu förmlich wirken zu müssen.
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