Einer Frau den Hof machen
Kategorie: Redewendungen
Einer Frau den Hof machen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "einer Frau den Hof machen" stammt aus der höfischen Kultur des Mittelalters. Sie ist direkt mit dem ritterlichen Minnedienst verbunden, einem streng reglementierten Verhaltenskodex des 12. und 13. Jahrhunderts. Bei diesem Dienst bemühte sich ein Ritter oder Adeliger um die Gunst einer hochstehenden, meist verheirateten Dame, indem er ihr in übertriebener Weise Aufmerksamkeiten erwies, Gedichte und Lieder vortrug, kleine Geschenke überreichte und ihre Tugenden in höchsten Tönen pries. Dieser "Dienst" fand symbolisch am Hof, also dem fürstlichen Wohnsitz, statt. Das Ziel war selten eine eheliche oder gar erotische Beziehung, sondern vielmehr die moralische Läuterung des Ritters durch die Verehrung einer idealisierten Frau. Die erste schriftliche Fixierung der Redensart in ihrer heutigen Form lässt sich in Texten des 18. Jahrhunderts nachweisen, wo sie bereits im übertragenen Sinne verwendet wurde.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt die Redewendung die historische Handlung, sich bei Hofe, also am Wohnsitz einer Adligen, aufzuhalten und ihr zu dienen. In der heutigen übertragenen Bedeutung bezeichnet sie das gezielte und oft aufwendige Bemühen eines Mannes, bei einer Frau durch Komplimente, Aufmerksamkeiten und Gefälligkeiten Sympathie und Zuneigung zu erwecken. Es geht um das Werben, das Umwerben. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um eine rein altmodische oder gar negative Floskel. Tatsächlich transportiert die Redensart jedoch eine Nuance des Stils und der bewussten Anstrengung, die über ein einfaches "Anmachen" oder "Flirten" hinausgeht. Sie impliziert eine gewisse Dauer, Charme und vielleicht sogar eine Spur ritterlichen Respekts, auch wenn der Kontext heute natürlich ein völlig anderer ist.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor lebendig und wird regelmäßig verwendet, auch wenn sie einen leicht nostalgischen oder ironischen Unterton haben kann. Sie findet Anwendung in privaten Gesprächen, in der Literatur, in journalistischen Texten und in der Alltagssprache. Ihre Relevanz zeigt sich besonders dort, wo es darum geht, ein besonders intensives, zuvorkommendes oder auch altmodisch anmutendes Werben zu beschreiben. In einer Zeit, in der Dating oft über Apps und schnelle Kontakte funktioniert, steht die Phrase manchmal sogar für eine bewusste Rückbesinnung auf eine formvollendetere, geduldigere Art der Annäherung. Sie schlägt somit eine direkte Brücke von der höfischen Tradition zu modernen Vorstellungen von romantischem Einsatz.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für lockere bis neutrale Kontexte. Sie passt in erzählende Alltagsgespräche, in kolumnistische Texte oder in einen humorvollen Vortrag über Beziehungen. In einer formellen Trauerrede oder einem hochoffiziellen diplomatischen Schreiben wäre sie hingegen fehl am Platz, da sie zu bildhaft und persönlich ist.
Sie kann sowohl beschreibend als auch scherzhaft-tadelnd eingesetzt werden. Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Markus macht ihr seit Wochen den Hof, mit Frühstück im Bett und täglichen Gedichten. Langsam sollte er aber mal konkreter werden."
- "In der Serie macht der Held der Heldin natürlich erstmal klassisch den Hof, bevor es zum ersten Kuss kommt."
- "Du musst ihr nicht gleich mit großen Geschenken den Hof machen. Ein einfaches, ehrliches Gespräch ist oft der bessere Anfang."
Besonders geeignet ist die Redewendung also, wenn Sie eine werbende Handlung betonen möchten, die über das Übliche hinausgeht und eine gewisse Stilistik oder Mühe beinhaltet. Sie vermittelt ein Bild, das sofort verstanden wird, ohne vulgär oder salopp zu wirken.
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