Einen Korb geben / bekommen

Kategorie: Redewendungen

Einen Korb geben / bekommen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Herkunft dieser Redewendung ist nicht vollständig geklärt und es kursieren mehrere Theorien. Eine der plausibelsten und am häufigsten genannten Erklärungen führt uns ins 16. oder 17. Jahrhundert zurück, in die Zeit des Brauchtums des "Fensterlns" oder "Kiltgangs". Dabei besuchte ein junger Mann seine angebetete Dame nachts an ihrem Fenster, um mit ihr zu sprechen oder ihr ein Ständchen zu bringen. Zeigte sie Interesse, ließ sie ihn über eine Leiter zu sich ins Zimmer ein. Wurde sein Antrag jedoch abgewiesen, ließ sie die Leiter nicht herunter oder zog sie sogar hoch. Der abblitzende Vereiner musste dann wortwörtlich "einen Korb bekommen", nämlich den Korb, in dem man ihm zuvor vielleicht ein kleines Geschenk oder Essen hinaufgereicht hatte, und in dem er nun – leer – wieder hinabsteigen musste. Eine andere, weniger belegte Variante besagt, dass der Korb ein Spankorb war, der so löchrig war, dass der Mann beim Abstieg durchfiel. Da diese historischen Bezüge nicht lückenlos dokumentiert sind, lassen wir diesen Punkt weg.

Bedeutungsanalyse

Die Redewendung "einen Korb geben" oder "einen Korb bekommen" beschreibt im übertragenen Sinn eine klare und definitive Absage, insbesondere in romantischen oder zwischenmenschlichen Beziehungen. Wörtlich genommen handelt es sich um die Übergabe eines geflochtenen Behälters, was in diesem Zusammenhang aber keinen praktischen Nutzen hat. Die bildhafte Kraft der Wendung liegt in der Endgültigkeit der Geste: Der Korb wird überreicht, die Angelegenheit ist abgeschlossen. Ein typisches Missverständnis könnte sein, dass die Redensart auch für jede andere Art von Ablehnung, etwa bei einer Jobbewerbung, verwendet wird. Zwar wird sie inzwischen manchmal in diesem weiteren Sinne gebraucht, ihr klassischer und ursprünglicher Kern bleibt jedoch die Zurückweisung eines Liebes- oder Annäherungsversuchs. Kurz gesagt bedeutet sie: Sein Interesse ist nicht erwidert worden, man hat eine Abfuhr erhalten.

Relevanz heute

Absolut. Die Redewendung ist nach wie vor lebendig und wird in der Alltagssprache häufig verwendet. Sie hat sich sogar in ihrem Anwendungsbereich leicht erweitert. Während der Schwerpunkt unverändert auf der Ablehnung in Flirt- und Dating-Szenarien liegt ("Ich habe sie nach einem Date gefragt, aber leider einen Korb bekommen."), hört man sie mittlerweile auch in anderen Kontexten, in denen ein Angebot oder ein Vorschlag freundlich, aber bestimmt abgelehnt wird. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich auch in der digitalen Welt nieder: Ein "Korb" kann heute das Nicht-Erwidern einer Kontaktanfrage in sozialen Netzwerken oder ein ignorierter Chat-Versuch sein. Die bildliche Vorstellung einer konkreten, fast handfesten Abfuhr bleibt in einer oft unverbindlichen digitalen Kommunikation besonders einprägsam.

Praktische Verwendbarkeit

Diese Redensart eignet sich hervorragend für lockere Gespräche unter Freunden, in privaten Erzählungen oder in unterhaltsamen Kolumnen und Beiträgen. Sie transportiert die Ablehnung mit einer gewissen Leichtigkeit und einem Schuss Selbstironie, ohne verletzend oder extrem salopp zu wirken.

Für welche Anlässe ist sie besonders passend?

  • In privaten Vertrauensgesprächen: "Erzähl doch mal, hast du ihm damals eigentlich einen Korb gegeben, oder ist es von selbst eingeschlafen?"
  • In locker gehaltenen Vorträgen oder Blogbeiträgen zum Thema Kommunikation oder Beziehungen.
  • In der Jugendsprache oder im informellen Austausch ist sie nach wie vor gut verständlich und gebräuchlich.

Weniger geeignet ist die Wendung in formellen oder hochoffiziellen Kontexten. In einer Trauerrede, einem diplomatischen Schreiben oder einem offiziellen Ablehnungsschreiben für einen Job klingt sie zu umgangssprachlich und würde als unprofessionell empfunden. Hier wählt man besser Formulierungen wie "das Angebot nicht annehmen können" oder "die Gefühle nicht erwidern". Auch in sehr einfühlsamen Gesprächen, in denen jemand gerade eine schmerzhafte Zurückweisung erfahren hat, könnte die leicht flapsig klingende Redewendung als verharmlosend ankommen. Ein gelungenes Beispielsatz wäre: "Sie hatte ihm schon beim ersten Kaffee subtile Signale gesendet, aber er hat sie ignoriert – am Ende musste sie ihm dann doch einen klaren Korb geben."

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