Einem zeigen, wo der Zimmermann ein Loch gelassen hat

Kategorie: Redewendungen

Einem zeigen, wo der Zimmermann ein Loch gelassen hat

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Herkunft dieser derben Redensart ist nicht lückenlos dokumentiert, doch sie führt uns tief in die handwerkliche Welt vergangener Jahrhunderte. Der Ausdruck bezieht sich auf eine sehr praktische und wenig elegante architektonische Besonderheit alter Häuser: das sogenannte "Abortloch" oder "Abtrittsloch". Bevor es moderne Toiletten gab, befanden sich die stillen Örtchen oft als separates Plumpsklo über einem Schacht oder direkt in einer Mauernische im oberen Stockwerk. Der Zimmermann, der das Haus errichtete, ließ bei seiner Arbeit an genau dieser Stelle bewusst eine Öffnung in der Decke oder im Boden, durch die die Notdurft nach unten in eine Grube oder einen Eimer fallen konnte. Dieses "Loch", das der Zimmermann ließ, war also wortwörtlich der Ort für die Verrichtung der menschlichen Bedürfnisse.

Die Redewendung taucht in schriftlichen Quellen vermutlich erst im 18. oder 19. Jahrhundert auf, als diese Bauweise noch geläufig war. Ihr Ursprung liegt im Volksmund und im handwerklichen Jargon, wo man sich gerne bildhaft und unverblümt ausdrückte. Der Kontext war stets der einer groben Zurechtweisung oder einer Abfuhr.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen bedeutet die Phrase, jemanden zu diesem architektonischen Abortloch zu führen oder zu verweisen. Im übertragenen Sinn ist es eine äußerst deutliche und derbe Aufforderung, sich zu verziehen. Sie signalisiert unmissverständlich: "Verschwinde!" oder "Hau ab!". Es ist eine Abwertung des Angesprochenen, der im metaphorischen Sinne mit dem Unrat gleichgesetzt wird, für den das Loch ursprünglich gedacht war.

Ein typisches Missverständnis könnte darin bestehen, die Redewendung mit einer tatsächlichen handwerklichen Fehlleistung in Verbindung zu bringen, also dass der Zimmermann vergessen hat, etwas zu schließen. Das ist nicht der Fall. Das Loch war beabsichtigt und funktional, auch wenn seine Zweckbestimmung im übertragenen Gebrauch zur Beleidigung wird. Die Kerninterpretation ist einfach: Es handelt sich um eine besonders kraftvolle und respektlose Form der Ausladung oder Zurückweisung.

Relevanz heute

Die Redewendung ist heute nicht mehr alltäglich im Gebrauch, aber sie ist keineswegs vergessen. Ihre Relevanz hat sich gewandelt. In der standardsprachlichen oder höflichen Kommunikation werden Sie sie kaum antreffen. Sie lebt jedoch weiter in bestimmten Nischen: in historischen Romanen oder Filmen, um derbe Charaktere zu zeichnen, in bewusst provokativer oder humorvoller Umgangssprache, und manchmal auch im Scherz unter sehr vertrauten Personen, die die antiquierte Derbheit der Formulierung als komisches Stilmittel schätzen. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sie als ein sprachliches Fossil, das uns daran erinnert, wie direkt und bildhaft Beleidigungen einst sein konnten. In einer Zeit, in der Beleidigungen oft abstrakter oder digitaler Natur sind, wirkt diese handfeste handwerkliche Metapher fast schon wieder originell.

Praktische Verwendbarkeit

Die Anwendung dieser Redensart erfordert ein sicheres Gespür für den Kontext, denn sie ist fast immer salopp, hart und flapsig. Sie eignet sich definitiv nicht für formelle Anlässe wie Trauerreden, Vorträge oder berufliche Korrespondenz. Ihr Platz ist in der informellen, derben Umgangssprache.

Geeignet ist sie höchstens in diesen Zusammenhängen:

  • Als scherzhafte, übertriebene Abwehr unter sehr guten Freunden ("Jetzt zeig ich dir, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat, wenn du mir noch einmal ins Würstchen greifst!").
  • In der literarischen oder dramatischen Darstellung von Konflikten in historischen Settings oder zur Charakterisierung einer grobschlächtigen Figur.
  • Als bewusst eingesetzter, altertümlicher und daher vielleicht überraschender Spruch, um in einem lockeren Streitgespräch einen pointierten Schlusspunkt zu setzen.

Passende Beispiele für Sätze wären:

"Nach dieser Frechheit konnte der Wirt nur noch poltern: 'So, und jetzt zeige ich Ihnen, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat! Raus!'"

"Im Scherz drohte er seinem nervenden Kumpel: 'Wenn du nicht sofort Ruhe gibst, weißt du, wo der Zimmermann sein Loch gelassen hat.'"

Seien Sie sich stets bewusst, dass Sie mit dieser Formulierung eine Grenze überschreiten. In den allermeisten alltäglichen Situationen sind moderne Entsprechungen wie "Verzieh dich!" oder "Hau ab!" die deutlich angemesseneren und weniger anstößigen Wahlmöglichkeiten.

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