Eine Fahrkarte schießen

Kategorie: Redewendungen

Eine Fahrkarte schießen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "eine Fahrkarte schießen" stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ist eng mit der Geschichte der Deutschen Reichsbahn verbunden. Ihr Ursprung ist konkret belegbar. In den 1920er und 1930er Jahren wurden in vielen Bahnhöfen Fahrkartenautomaten aufgestellt, die mit einem Druckknopf oder einem Hebel bedient wurden. Der Mechanismus zum Auswerfen der Fahrkarte erzeugte einen lauten, knallenden Ton, der dem Schuss einer Waffe ähnelte. Dieser charakteristische "Knall" führte im Volksmund schnell zu der humorvollen Umschreibung, man "schieße" sich eine Fahrkarte. Die Redensart dokumentiert somit den Eindruck, den diese damals neue Technologie auf die Reisenden machte, und hielt Einzug in den alltäglichen Sprachgebrauch.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen beschreibt die Redewendung die Handlung, eine Fahrkarte an einem Automaten zu ziehen. Im übertragenen Sinne bedeutet sie schlicht und einfach "eine Fahrkarte kaufen", allerdings mit einer starken nostalgischen und technikgeschichtlichen Konnotation. Ein typisches Missverständnis könnte heute entstehen, wenn jemand die Redensart nicht kennt und sie mit Gewalt oder illegalem Handeln in Verbindung bringt. Das ist jedoch nicht der Fall. Es handelt sich vielmehr um eine bildhafte, fast schon verspielte Beschreibung für einen einfachen Vorgang, die den mechanischen Aspekt und das damit verbundene Geräusch in den Vordergrund stellt. Kurz gesagt: Man kauft kein Ticket, man "erlegt" es sich mit einem gezielten Druck auf den Knopf.

Relevanz heute

Die aktuelle Relevanz der Redewendung ist stark zurückgegangen, aber sie ist keineswegs ausgestorben. Sie wird heute vorwiegend von der älteren Generation verwendet oder in einem bewusst nostalgischen, ironischen Kontext. In einer Zeit, in der Fahrkarten online gebucht, am Handy gespeichert oder an modernen Touchscreen-Terminals gekauft werden, fehlt das charakteristische "Schießerlebnis". Dennoch lebt die Redensart weiter, wenn etwa Enkel von ihren Großeltern davon erzählt bekommen oder in historischen Darstellungen über das Reisen früher. Sie dient als kleines sprachliches Zeitzeugnis und schlägt so eine Brücke in eine vergangene Epoche der Technik.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung eignet sich hervorragend für lockere Gespräche, Anekdoten und Erzählungen mit einem Schuss Humor oder Nostalgie. Sie passt gut in einen persönlichen Vortrag über Kindheitserinnerungen oder in eine gesellige Runde, in der man über "früher" spricht. In formellen Kontexten wie einer offiziellen Rede, einer Trauerrede oder einem geschäftlichen Meeting wirkt sie hingegen unpassend, zu salopp und könnte missverstanden werden. Sie ist ein Stilmittel für Leichtigkeit und Charme.

Gelungene Beispiele für ihren Einsatz sind:

  • "Ich erinnere mich noch, wie ich als Junge mit meinem Opa zum Bahnhof ging und wir uns erst mal eine Fahrkarte nach Hamburg geschossen haben. Dieser Knall!"
  • "Vor dem digitalen Zeitalter musste man sich seine Fahrkarte noch persönlich am Automaten schießen. Das hatte etwas sehr Befriedigendes."
  • In einem Reiseblog über historische Bahnhöfe: "Der alte, grüne Fahrkartenautomat steht noch immer im Wartebereich – ein Relikt aus Zeiten, als man sich seine Karte noch 'erschoss'.

Nutzen Sie diese Redensart also, wenn Sie eine Prise Zeitkolorit und persönlichen Erzählton in Ihre Sprache bringen möchten.

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