Ein Quartalssäufer sein

Kategorie: Redewendungen

Ein Quartalssäufer sein

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "ein Quartalssäufer sein" entstammt der deutschen Umgangssprache des 19. Jahrhunderts. Sie taucht erstmals schriftlich in Wörterbücern und Sammlungen volkstümlicher Ausdrücke um 1900 auf. Der Begriff "Quartalssäufer" selbst ist eine Zusammensetzung aus "Quartal", also einem Vierteljahr, und "Säufer". Er bezeichnete ursprünglich eine Person, die nicht durchgehend, sondern in regelmäßigen Abständen von etwa drei Monaten exzessiv Alkohol konsumierte. Dieser Rhythmus stand im Kontrast zum dauerhaften Trinker und spiegelte oft ein Muster wieder, bei dem sich Frust oder Anspannung über einen längeren Zeitraum aufstauten, um sich dann in einer heftigen Trinkphase zu entladen. Der Kontext war häufig abwertend und beschrieb ein als charakterlich schwach empfundenes Verhalten.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich beschreibt die Redewendung einen Menschen, der etwa alle drei Monate einen schweren Rausch hat. In der übertragenen und heute gebräuchlichen Bedeutung charakterisiert sie jemanden, der nicht kontinuierlich, sondern in unregelmäßigen, aber wiederkehrenden Abständen exzessiv oder maßlos in einem bestimmten Verhalten ist. Es geht nicht zwingend um Alkohol. Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, es handele sich um einen exakten, kalendarischen Turnus. Vielmehr betont die Redewendung die Unberechenbarkeit und die Heftigkeit der Ausbrüche zwischen langen Phasen der Normalität. Kurz gesagt: Sie bezeichnet einen Menschen, der sein Laster nicht täglich, sondern geballt und episodisch auslebt.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch im modernen Sprachgebrauch durchaus lebendig, hat sich aber stark gewandelt. Sie wird heute fast nie mehr im engen, klinischen Sinne für Alkoholabhängige verwendet. Stattdessen dient sie als plastische Metapher für jegliches episodisch-exzessives Verhalten. Man hört sie im Zusammenhang mit Shopping-Orgien ("Er ist ein Quartalssäufer, wenn es um Online-Shopping geht"), mit Arbeitswut ("Sie ist eine Quartalssäuferin, was Überstunden angeht") oder auch im Sport ("Das Team zeigte wieder quartalssäuferische Leistung: 90 Minuten lang lahm, dann fünf Minuten Wahnsinn"). Die Brücke zur Gegenwart schlägt das Konzept der Kompensation und des ungesunden Ausgleichs in einer leistungsorientierten Gesellschaft.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung eignet sich hervorragend für lockere Gespräche, kollegiale Runden oder pointierte Vorträge, in denen Sie ein Verhalten bildhaft und etwas augenzwinkernd kritisieren möchten. Sie ist zu salopp für formelle Anlässe wie Trauerreden oder offizielle Schreiben. In einer Rede über Work-Life-Balance könnte sie effektiv sein: "Viele Manager praktizieren ein quartalssäuferisches Arbeitsmodell: drei Monate Burn-out, eine Woche Kur." Im privaten Kontext ist Vorsicht geboten, da der Begriff trotz seiner heute oft scherzhaften Verwendung eine abwertende Nuance behalten hat. Gelungene Beispiele sind: "Meine Diät ist leider gescheitert – ich bin und bleibe ein Quartalssäufer, was Schokolade angeht." oder "Sein Engagement in Projekten ist schwer einzuschätzen, er neigt zu quartalssäuferischem Eifer."

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