Ein Ausbund an Frechheit
Kategorie: Redewendungen
Ein Ausbund an Frechheit
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "ein Ausbund an Frechheit" hat ihren Ursprung nicht in einer einzelnen historischen Anekdote, sondern in der Entwicklung der deutschen Sprache. Das entscheidende Wort ist "Ausbund". Es stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bezeichnete ursprünglich das Musterstück, also das beste Stück einer Ware, das oben auf einem Bündel lag, um den Inhalt zu präsentieren. Ein "Ausbund" war somit ein herausragendes, mustergültiges Exemplar. Im 16. Jahrhundert findet sich der Begriff bereits in übertragener Bedeutung, etwa bei Martin Luther, der von einem "Ausbund aller Laster" sprach. Die spezifische Verbindung mit "Frechheit" etablierte sich später als steigernde Formel, um jemanden oder etwas als die personifizierte, mustergültige Verkörperung von Dreistigkeit zu beschreiben.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen bezeichnet ein "Ausbund" das beste, herausragendste Stück aus einer Auswahl. In der Redewendung wird dieser ursprünglich positive Begriff ironisch umgedreht und auf einen negativen Charakterzug angewandt. "Ein Ausbund an Frechheit" zu sein bedeutet daher nicht einfach nur frech zu handeln, sondern die Frechheit in ihrer reinsten und übersteigerten Form zu verkörpern. Es ist die Musterschülerin der Unverschämtheit, das Musterbeispiel an Dreistigkeit. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, es handle sich um eine milde Beschreibung. Im Gegenteil: Es ist eine starke, oft empörte oder anerkennend-erschrockene Steigerung. Die Redewendung betont die Exemplarität und Vollendung der gezeigten Unverfrorenheit.
Relevanz heute
Die Formulierung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant in der deutschen Alltagssprache. Sie wird verwendet, um in politischen Debatten, in Medienkommentaren oder in der gesellschaftlichen Diskussion Handlungen oder Aussagen zu kennzeichnen, die die Grenzen des Erwartbaren oder Akzeptablen in besonders dreister Weise überschreiten. Ob in der Boulevardpresse ("Das ist ein wahrer Ausbund an Frechheit!"), in sozialen Medien oder im privaten Gespräch – die Redensart dient als scharfes rhetorisches Werkzeug, um empfundene Unverschämtheiten auf den Punkt zu bringen. Sie schlägt somit eine direkte Brücke von ihrer historischen Bedeutung als Musterstück zur heutigen Nutzung als Bezeichnung für ein Musterbeispiel an Dreistigkeit.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich für Kontexte, in denen Sie eine empörte oder satirische Verstärkung suchen. Sie ist ideal für pointierte Kommentare, scharfzüngige Kolumnen oder lebhafte Diskussionen unter Erwachsenen. In einer formellen Trauerrede oder einem diplomatischen Protestschreiben wäre sie hingegen unpassend und zu salopp. Für lockere Vorträge oder kritische Reden kann sie jedoch ein wirksames Stilmittel sein.
Stellen Sie sich folgende Situationen vor: Ein Politiker, der trotz nachgewiesener Falschaussagen uneingeschränkt weiter Macht beansprucht. Ein Unternehmen, das nach einem Umweltskandal auch noch Preiserhöhungen ankündigt. In solchen Fällen könnte man sagen: "Diese Rechtfertigung ist ein wahrer Ausbund an Frechheit." Oder im Privaten, wenn ein Freund sich ständig verspätet und dann auch noch die Schuld auf andere schiebt: "Dein Verhalten heute war wirklich ein Ausbund an Frechheit." Die Formulierung wirkt am stärksten, wenn die vorausgegangene Handlung die Empörung des Sprechers bereits rechtfertigt und die Redewendung den perfekten, zugespitzten Abschluss bildet.
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