Durch die Lappen gehen
Kategorie: Redewendungen
Durch die Lappen gehen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "durch die Lappen gehen" stammt aus der Welt der Jagd, genauer gesagt aus der Zeit der fürstlichen Treibjagden im Mittelalter und der frühen Neuzeit. Bei solchen großen Jagdveranstaltungen wurden oft lange Leinen oder Schnüre mit bunten Stofffetzen, den sogenannten Lappen, in einem Waldgebiet gespannt. Diese Lappen dienten als eine bewegliche Absperrung oder Schranke, um das Wild in eine bestimmte Richtung zu lenken, meist direkt auf die wartenden Schützen zu. Wenn ein Tier es dennoch schaffte, diese sichtbare Barriere zu durchbrechen und in einen nicht abgesperrten Bereich zu entkommen, dann war es buchstäblich "durch die Lappen gegangen". Es hatte die geplante Falle umgangen und war der Beute entwischt.
Bedeutungsanalyse
Im übertragenen Sinne bedeutet die Redewendung heute, dass eine Gelegenheit verpasst, ein Ziel nicht erreicht oder ein erwarteter Vorteil nicht realisiert wird. Es geht um das Scheitern einer Erwartung oder das Entkommen aus einer vermeintlich sicheren Kontrolle. Wörtlich bezieht sich der Ausdruck auf das Durchdringen einer Barriere aus Stofflappen. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, es handle sich um "Lappen" im Sinne von Putztüchern, was den bildlichen Gehalt jedoch verfehlt. Die ursprüngliche Jagdmetapher ist entscheidend für das Verständnis: Etwas oder jemand entzieht sich der geplanten Erfassung, so wie das Wild den Treibern. Kurz gesagt beschreibt die Redensart das unerwünschte Ergebnis, dass etwas durch die Maschen des Plans fällt und verloren ist.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und wird in der modernen Alltagssprache häufig verwendet. Sie hat sich mühelos aus dem konkreten Jagdkontext in abstraktere Lebensbereiche übertragen. Man hört und liest sie regelmäßig in wirtschaftlichen Berichten, wenn etwa von Steuereinnahmen die Rede ist, die dem Staat "durch die Lappen gehen". Im Sport kommentiert man so verpasste Torchancen, und im persönlichen Leben bedauert man vielleicht, dass einem ein Schnäppchen oder ein Traumjob "durch die Lappen gegangen" ist. Die Formulierung trifft den Nerv einer Zeit, in der Chancenoptimierung und Kontrolle große Themen sind. Sie bleibt relevant, weil sie das Gefühl, etwas knapp verfehlt zu haben, sehr plastisch und einprägsam auf den Punkt bringt.
Praktische Verwendbarkeit
Der Ausdruck eignet sich für eine breite Palette von Situationen, in denen man einen Misserfolg oder Verlust bedauert, ohne dabei allzu dramatisch oder formell klingen zu müssen. Er passt gut in lockere Gespräche, in journalistische Kommentare oder auch in einen lebendigen Vortrag. In einer offiziellen Trauerrede wäre die Redensart hingegen wahrscheinlich zu salopp und bildlich. Für ein sehr formelles Schreiben, etwa eine juristische Klageschrift, ist sie ebenfalls ungeeignet. Sie transportiert eine gewisse nonchalante Resignation und ist daher ideal, um Pech oder eigenes Versagen mit einem bildhaften Schmunzeln zu benennen.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Verwendungen:
- In einem Team-Meeting: "Leider ist uns der Großauftrag durch die Lappen gegangen, weil unser Angebot zu spät einging."
- Im privaten Gespräch: "Bei der Auktion habe ich zu lange gezögert, und das tolle Gemälde ist mir dann doch durch die Lappen gegangen."
- In einer Sportkolumne: "Drei klare Chancen in der ersten Halbzeit sind der Mannschaft durch die Lappen gegangen, das rächt sich nun."
- In einem Wirtschaftsblog: "Durch legale Schlupflöcher gehen dem Fiskus jährlich Milliardenbeträge durch die Lappen."
Nutzen Sie die Redewendung also immer dann, wenn Sie beschreiben möchten, dass etwas Erwartetes oder Beinahe-Greifbares unerreichbar geworden ist. Sie ist universell einsetzbar, solange der Tonfall nicht allzu feierlich sein muss.
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