Drei Kreuze machen
Kategorie: Redewendungen
Drei Kreuze machen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "drei Kreuze machen" ist tief im christlich-abendländischen Brauchtum verwurzelt. Ihr Ursprung liegt in der katholischen Gebetspraxis. Gläubige bekreuzigen sich traditionell zu Beginn und am Ende eines Gebets, vor dem Essen oder beim Betreten einer Kirche. Das kleine Kreuzzeichen, das mit den Fingern auf Stirn, Brust und Schultern gemacht wird, ist ein kurzes, stummes Gebet. Die spezifische Formulierung "drei Kreuze machen" bezieht sich jedoch nicht auf drei separate Kreuzzeichen, sondern auf die eine Geste, die aus drei Bewegungen besteht: von der Stirn zur Brust und dann zur linken und rechten Schulter. Die Redensart entstand aus der bildhaften Übertragung dieser erleichternden, abschließenden Geste auf weltliche Situationen. Wenn eine mühsame, unangenehme oder gefährliche Angelegenheit endlich vorbei war, seufzte man erleichtert auf und "machte drei Kreuze" – im übertragenen Sinne, um sich symbolisch von der Last zu befreien und Dank für das überstandene Übel auszudrücken.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt die Redewendung die beschriebene christliche Ritualhandlung. In ihrer übertragenen, heute fast ausschließlich gebräuchlichen Bedeutung signalisiert sie eine enorme Erleichterung, dass etwas Schwieriges, Lästiges oder Unangenehmes endlich beendet ist. Es ist ein Ausdruck der Befreiung von einem Druck. Ein typisches Missverständnis könnte sein, dass es sich um eine zynische oder gar blasphemische Äußerung handelt. In der Regel ist sie jedoch eher humorvoll bis salopp und drückt eine fast körperlich spürbare Entlastung aus. Die Kernaussage lautet: "Gott sei Dank, das ist vorbei!". Sie unterscheidet sich von einfacher Freude, da sie stets eine vorangegangene Phase der Anstrengung, der Sorge oder des Widerwillens voraussetzt.
Relevanz heute
Die Redewendung ist im deutschen Sprachraum nach wie vor äußerst lebendig und gebräuchlich. Ihre Verwendung hat sich vollständig säkularisiert; man muss nicht religiös sein, um sie zu verstehen oder zu benutzen. Sie funktioniert als kulturell verankertes Bild für Erleichterung. Sie taucht in alltäglichen Gesprächen auf, in Medienberichten ("Nach dem langen Verhandlungsmarathon machen alle Beteiligten drei Kreuze") und sogar in Überschriften. Ihre Relevanz bleibt bestehen, weil das Gefühl der Erleichterung nach überstandener Mühe ein universelles menschliches Erlebnis ist. Die bildhafte Sprache macht die Empfindung dabei besonders anschaulich und nachvollziehbar.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für informelle bis halbformelle Situationen, in denen Sie Erleichterung auf eine lockere, bildhafte Art ausdrücken möchten. Im privaten Gespräch, in einer humorvollen E-Mail unter Kollegen oder in einem entspannten Vortrag wirkt sie passend. In einer offiziellen Trauerrede, einem hochformellen diplomatischen Schreiben oder einem wissenschaftlichen Paper wäre sie dagegen zu salopp und umgangssprachlich. Sie sollten sie auch vermeiden, wenn Sie sichergehen möchten, niemandes religiöse Gefühle zu verletzen, obwohl dies selten der Fall ist.
Hier finden Sie konkrete Beispiele für gelungene Sätze:
- Nach der letzten Prüfung ihres Studiums machte sie innerlich drei Kreuze.
- "Wenn der Großkunde endlich den Vertrag unterschreibt, machen wir hier im Büro alle drei Kreuze", sagte der Projektleiter.
- Die Renovierung war eine staubige Angelegenheit. Als die Handwerker fertig waren, machte die ganze Familie drei Kreuze.
- In einem lockeren Meeting: "Machen wir drei Kreuze, dass die Systemumstellung endlich abgeschlossen ist. Jetzt können wir uns den eigentlichen Aufgaben widmen."
Besonders geeignet ist die Redensart also für Kontexte, in denen eine gemeinschaftlich empfundene Erleichterung über das Ende eines als belastend empfundenen Prozesses zum Ausdruck gebracht werden soll.
Mehr Redewendungen
- Abwarten und Tee trinken
- Ach du grüne Neune!
- Alles über einen Kamm scheren
- Alte Zöpfe abschneiden
- Alter Schwede
- Am Hungertuch nagen
- Ans Eingemachte gehen
- Äpfel mit Birnen vergleichen
- Auf keinen grünen Zweig kommen
- Den Ball flach halten
- Den Faden verlieren
- Den Löffel abgeben
- Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
- Der springende Punkt
- Einen Zahn zulegen
- Es faustdick hinter den Ohren haben
- Hieb und stichfest
- Holzauge sei wachsam
- Im siebten Himmel sein
- In den sauren Apfel beißen
- Jemandem aufs Dach steigen
- Jemandem einen Bären aufbinden
- Jemandem einen Denkzettel verpassen
- Jemanden an die Wand stellen
- Kein Blatt vor den Mund nehmen
- 950 weitere Redewendungen