Dort wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen
Kategorie: Redewendungen
Dort wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Da, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen" ist ein klassisches Beispiel für eine volkstümliche, bildhafte Sprache, deren exakter Ursprung sich nicht mehr lückenlos dokumentieren lässt. Sie taucht in der uns bekannten schriftlichen Überlieferung spätestens im 19. Jahrhundert auf und ist tief in der ländlichen und jagdlichen Erfahrungswelt Mitteleuropas verwurzelt. Der Kontext ist stets der eines abgelegenen, wilden und menschenleeren Ortes. Die Vorstellung basiert auf der natürlichen Feindschaft zwischen dem scheuen Hasen und dem listigen Fuchs. Dass sich diese beiden Tiere friedlich "Gute Nacht" wünschen könnten, ist in der Realität undenkbar. Genau diese Unmöglichkeit macht den Charme und die Bedeutung der Wendung aus: Sie beschreibt einen Ort, der so abgeschieden und unberührt ist, dass selbst die Naturgesetze der Feindschaft außer Kraft gesetzt scheinen. Es handelt sich somit um eine rein metaphorische, erdachte Szenerie, die der Veranschaulichung dient.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen malt die Redensart ein idyllisches, fast märchenhaftes Bild: Zwei natürliche Feinde legen ihre Streitigkeiten beiseite und verabschieden sich höflich voneinander, um zur Ruhe zu kommen. Diese friedliche Szene spielt sich in einer ungestörten Wildnis ab. In der übertragenen Bedeutung beschreibt die Redewendung jedoch genau das Gegenteil von Idylle: einen extrem abgelegenen, einsamen und oft auch als rückständig oder "hinterweltlerisch" empfundenen Ort. Es ist die sprachliche Umschreibung für das "Ende der Welt", für eine Gegend, die fernab jeder Zivilisation und Infrastruktur liegt.
Ein häufiges Missverständnis besteht darin, in der Redewendung eine positive Beschreibung einer friedlichen, idyllischen Landschaft zu sehen. Während das Bild an der Oberfläche diesen Eindruck erwecken mag, ist die konnotative Botschaft fast immer eine leicht spöttische oder resignierte Betonung der Abgeschiedenheit. Man sagt nicht "Dort ist es so schön, dass sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen", sondern "Er wohnt da, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen" und meint damit: "Er wohnt in der tiefsten Provinz, von der aus man stundenlang fahren muss, um irgendwohin zu gelangen."
Relevanz heute
Die Redewendung hat auch im digitalen Zeitalter nichts von ihrer Bildkraft und Verständlichkeit eingebüßt. Sie wird nach wie vor aktiv genutzt, um auf humorvolle oder auch etwas despektierliche Weise geografische oder soziale Abgeschiedenheit zu beschreiben. Der Kontext hat sich jedoch erweitert. Neben der Beschreibung eines abgelegenen Dorfes kann sie heute auch für einen Arbeitsplatz ohne Internetempfang, einen Campingplatz fernab der Zivilisation oder metaphorisch für einen Fachbereich stehen, der von den Hauptströmen der Forschung oder öffentlichen Debatte völlig abgeschnitten ist. Die Wendung dient als universell verständliches Stilmittel, um die Vorstellung von absoluter Randlage zu transportieren, und das in einer deutlich lebendigeren und einprägsameren Weise als das einfache Wort "abgelegen".
Praktische Verwendbarkeit
Diese Redensart ist vielseitig einsetzbar, bleibt aber stets im Bereich der informellen oder bildhaften Sprache. Sie eignet sich hervorragend für lockere Gespräche, persönliche Erzählungen, humorvolle Vorträge oder kolumnenartige Texte. In einer offiziellen Trauerrede oder einem diplomatischen Schreiben wäre sie hingegen unpassend, da ihr ein leicht spöttischer Unterton anhaftet, der in ernsten Kontexten fehl am Platz sein kann.
Sie funktioniert am besten, wenn Sie eine lebendige Vorstellung von Abgeschiedenheit erzeugen möchten, ohne negativ oder technisch klingen zu wollen. Hier einige Beispiele für gelungene Verwendungen:
- In einer Präsentation über Standortvorteile: "Unser neues Logistikzentrum liegt leider nicht gerade im Herzen der Metropole. Um ehrlich zu sein, es ist da, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Die verkehrstechnische Anbindung bleibt eine Herausforderung."
- In einem Reiseblog: "Das winzige Gasthaus, das wir gefunden hatten, lag wahrlich dort, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Kein Handyempfang, nur das Rauschen des Waldes – genau die Entschleunigung, die wir suchten."
- Im alltäglichen Gespräch: "Besuchen Sie mich ruhig mal! Sie müssen nur wissen, dass ich am Ende der Welt wohne, da, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Nehmen Sie am besten ein detailliertes Straßenkartenwerk mit."
Die Redewendung ist also dann ideal, wenn Sie mit einem Augenzwinkern auf eine gewisse Weltabgeschiedenheit hinweisen möchten. Sie vermeidet eine harte, abwertende Direktheit und ersetzt sie durch einen gemeinsamen, verständnisvollen Humor über die Tücken der Lage.
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