Dicke Bretter bohren müssen

Kategorie: Redewendungen

Dicke Bretter bohren müssen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "dicke Bretter bohren müssen" stammt aus der handwerklichen Praxis des Zimmerns und der Holzbearbeitung. Ihr Ursprung ist nicht auf ein einzelnes literarisches Werk oder ein präzises Datum zurückzuführen, sondern sie entstand aus der alltäglichen Erfahrung heraus. Das Bohren eines dicken, harten Holzbretts war vor der Erfindung elektrischer Werkzeuge eine äußerst mühsame und zeitintensive Aufgabe. Diese konkrete körperliche Anstrengung wurde schon früh bildlich für langwierige und schwierige Vorhaben verwendet. Ein schöner schriftlicher Beleg findet sich im 19. Jahrhundert bei dem Philosophen Arthur Schopenhauer, der in seinem Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung" schrieb: "Denn leicht ist es, nach gegebenem Muster ein Brett zu bohren; aber ein dickes, hartes, aus dem Stamme selbst, mit eigener Kraft und eigenem Werkzeug, das ist schwer." Hier wird das Bild bereits vollständig im übertragenen Sinne für eine schwierige geistige Leistung genutzt.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich beschreibt die Redewendung die mühsame handwerkliche Tätigkeit, ein Loch durch ein massives Stück Holz zu arbeiten. Übertragen bedeutet sie, dass man sich einer Aufgabe widmen muss, die besondere Ausdauer, Geduld und kontinuierlichen Einsatz erfordert. Es geht um Projekte oder Probleme, die sich nicht schnell oder einfach lösen lassen, sondern nur durch beharrliches und konsequentes Handeln über einen längeren Zeitraum hinweg bewältigt werden können. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es gehe primär um die reine Schwierigkeit einer Sache. Der Kern der Aussage ist jedoch der Zeitaspekt und die notwendige Beharrlichkeit. Nicht das Bohren an sich ist das Problem, sondern die Dicke des Brettes, die viele Bohrvorgänge und viel Kraft erfordert. Die Redewendung betont somit den Prozess, nicht das unüberwindbare Hindernis.

Relevanz heute

Die Redewendung ist heute so relevant wie eh und je, vielleicht sogar relevanter in unserer von Schnelllebigkeit und sofortiger Befriedigung geprägten Zeit. Sie wird nach wie vor häufig in verschiedenen Kontexten verwendet, um den langen Atem für komplexe Herausforderungen zu beschreiben. In der Politik spricht man davon, "dicke Bretter zu bohren", wenn es um langwierige Reformprozesse oder internationale Verhandlungen geht. Im unternehmerischen Bereich beschreibt sie die mühsame Entwicklung neuer Märkte oder die Umsetzung tiefgreifender Digitalisierungsstrategien. Auch im persönlichen Bereich findet sie Anwendung, etwa wenn jemand ein anspruchsvolles Studium absolviert, eine schwierige Therapie durchläuft oder ein großes privates Projekt wie einen Hausbau stemmt. Die Redewendung schafft eine wertvolle Brücke zur Gegenwart, indem sie ein Gegengewicht zur Erwartungshaltung schneller Lösungen bildet und die Würdigung von Ausdauer und Prozessen in den Vordergrund stellt.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung eignet sich hervorragend für formelle und semi-formelle Kontexte, in denen die Ernsthaftigkeit und Dauer eines Vorhabens betont werden soll. Sie ist weniger für lockere Alltagsplaudereien geeignet, kann aber in einem anspruchsvollen Gespräch durchaus verwendet werden.

  • Für Reden und Vorträge: Ideal, um in einer Eröffnungsrede oder einem Projektkick-off die zu erwartenden Herausforderungen realistisch darzustellen. "Wir alle wissen, dass wir mit dieser Reform ein dickes Brett zu bohren haben. Es wird Zeit und gemeinsame Anstrengung kosten."
  • In der Trauerrede: Kann einfühlsam genutzt werden, um den langen und schweren Weg einer Krankheit oder die mühsame Trauerarbeit zu beschreiben. "Sein langer Kampf gegen die Krankheit war wie das Bohren eines dicken Brettes – er hat ihn mit unermüdlicher Geduld und Tapferkeit geführt."
  • Im beruflichen Gespräch: Perfekt, um in Feedback-Gesprächen oder bei der Zielvereinbarung realistische Zeitrahmen für komplexe Aufgaben zu kommunizieren. "Die Integration des neuen Systems ist kein Sprint, sondern wir müssen hier ein dickes Brett bohren. Lassen Sie uns die Meilensteine entsprechend planen."

Die Redewendung klingt zu salopp oder flapsig in sehr informellen, heiteren Situationen, wo sie übertrieben dramatisch wirken könnte. Sie ist auch nicht geeignet, um einfache, routinemäßige Aufgaben zu beschreiben, da sie stets eine besondere, langandauernde Herausforderung impliziert. Ein gelungener Satz könnte lauten: "Die Veränderung der Unternehmenskultur ist kein Projekt von ein paar Monaten – das ist ein dickes Brett, das wir mit Überzeugung und Ausdauer bohren müssen."

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