Der Zankapfel
Kategorie: Redewendungen
Der Zankapfel
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser Redewendung ist eindeutig und bis in die antike Mythologie zurückzuverfolgen. Sie stammt aus dem griechischen Sagenkreis um den Trojanischen Krieg. Der "Zankapfel" ist wörtlich der goldene Apfel der Eris, der Göttin der Zwietracht, auf dem die Aufschrift "Für die Schönste" stand. Weil sie nicht zur Hochzeit des Peleus und der Thetis eingeladen war, warf Eris diesen Apfel unter die anwesenden Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite. Der daraus entbrannte Streit, wer denn die Schönste und damit würdig für den Apfel sei, führte zum Parisurteil. Der trojanische Prinz Paris wurde als Schiedsrichter auserkoren und entschied sich für Aphrodite, die ihm im Gegenzug die schönste Frau der Welt, Helena, versprach. Die Entführung Helenas, der Gattin des spartanischen Königs Menelaos, war dann der Auslöser für den zehnjährigen Trojanischen Krieg. Der goldene Apfel war somit der konkrete Gegenstand, der den gewaltigen Streit entfachte.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "der Zankapfel" oder "der Zankapfel sein" hat eine klare, übertragene Bedeutung. Wörtlich bezeichnet sie den mythologischen Apfel als Ursache des Streites. Im übertragenen Sinn meint sie einen Gegenstand, ein Thema, eine Person oder eine Sache, die zum Mittelpunkt und Auslöser eines heftigen, oft lang andauernden Streites oder Konflikts wird. Es ist nicht irgendein Streitpunkt, sondern der zentrale und ursächliche Anlass, der die Kontrahenten entzweit. Ein typisches Missverständnis liegt darin, die Redewendung auf eine harmlose Meinungsverschiedenheit anzuwenden. Der "Zankapfel" steht jedoch für einen fundamentalen Konfliktstoff, der tiefe Gräben aufreißen kann. Kurz gesagt: Wer oder was der Zankapfel ist, bringt Menschen oder Parteien in einen unversöhnlichen Gegensatz.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache absolut lebendig und relevant. Sie wird nach wie vor häufig verwendet, um Konflikte in den unterschiedlichsten Bereichen prägnant zu beschreiben. In der Politik ist oft von "Zankäpfeln" die Rede, wenn es um strittige Gesetzesvorhaben oder umstrittene Themen wie Steuerreformen oder Sozialkürzungen geht. In Familien kann das Erbe zum klassischen Zankapfel werden. In Unternehmen sind es mitunter neue Strategien oder die Verteilung von Budgets, die diese Rolle einnehmen. Selbst im Sport oder in Vereinen kann die Nachfolge eines Trainers oder Vorsitzenden zum Zankapfel avancieren. Die Redewendung schafft es somit mühelos, uralte menschliche Konfliktmuster auf heutige Situationen zu übertragen, und bleibt dadurch zeitlos verständlich.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich für formelle und informelle Kontexte gleichermaßen, solange ein gewisser sprachlicher Anspruch gewahrt bleibt. Sie ist in einer politischen Analyse, einem Kommentar, einem Zeitungsartikel oder einem anspruchsvollen Vortrag perfekt platziert. In einer lockeren Gesprächsrunde unter Freunden klingt sie vielleicht etwas gehoben, ist aber durchaus verwendbar. In einer Trauerrede oder in sehr emotionalen, persönlichen Auseinandersetzungen wirkt sie möglicherweise zu distanziert oder bildhaft. Sie ist dann ideal, wenn Sie den Kern eines Konflikts pointiert und mit einem historischen Verweis benennen möchten, ohne sich in Details zu verlieren.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:
- Die Frage der Kostenbeteiligung wurde schnell zum Zankapfel zwischen den beiden Koalitionspartnern.
- In vielen Familien ist das alte Elternhaus nach dem Tod der Eltern der Zankapfel unter den Geschwistern.
- Der neue Stadtteilpark sollte eigentlich alle erfreuen, doch seine genaue Lage entwickelte sich zum politischen Zankapfel.
- Die Reformpläne des Vorstands waren von Anfang an der Zankapfel, der die Belegschaft spaltete.
Nutzen Sie die Redewendung also immer dann, wenn Sie den ursächlichen und zentralen Streitpunkt in einem komplexeren Konflikt benennen wollen. Sie verleiht Ihrer Aussage Tiefe und eine gewisse dramaturgische Qualität.
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