Der Drops ist noch nicht gelutscht
Kategorie: Redewendungen
Der Drops ist noch nicht gelutscht
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser Redensart ist nicht vollständig geklärt und es existieren mehrere Theorien. Eine populäre, aber nicht zweifelsfrei belegte Erklärung führt sie auf Lutschbonbons, sogenannte Drops, zurück. Ein harter Drops lässt sich nicht sofort zerkauen, sondern muss geduldig gelutscht werden. Die übertragene Bedeutung "die Sache ist noch nicht erledigt" oder "es steht noch Arbeit bevor" würde sich daraus ableiten. Eine andere Theorie vermutet einen Zusammenhang mit dem veralteten, regionalen Wort "Drobs" oder "Drops" für dicken, zähen Schleim, etwa bei einer Erkältung. Da dieser Punkt nicht mit absoluter Sicherheit belegt werden kann, wird er hier nicht weiter ausgeführt.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "Der Drops ist noch nicht gelutscht" bedeutet, dass eine Angelegenheit noch nicht endgültig entschieden oder abgeschlossen ist. Oft schwingt mit, dass trotz eines vermeintlichen Vorteils oder Teilerfolgs noch erhebliche Hindernisse zu überwinden sind und das endgültige Ergebnis keineswegs feststeht. Wörtlich genommen beschreibt sie den Vorgang, einen Lutschbonbon im Mund zu zerkleinern. Übertragen warnt sie vor verfrühter Freude oder Entspannung. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redensart als "Der Drops ist gelutscht" zu verwenden und damit das genaue Gegenteil, nämlich die endgültige Erledigung, ausdrücken zu wollen. Das ist falsch. Die korrekte Form betont stets das "noch nicht" und verweist auf ausstehende Schwierigkeiten.
Relevanz heute
Die Redewendung ist im deutschen Sprachraum nach wie vor sehr lebendig und wird regelmäßig verwendet. Sie hat einen leicht saloppen, aber dennoch bildhaften und eingängigen Charakter, der sie für viele Alltagssituationen geeignet macht. Man findet sie in der politischen Berichterstattung, wenn etwa über schwierige Koalitionsverhandlungen berichtet wird, in Sportkommentaren bei knappen Spielständen oder in der Wirtschaftsberichterstattung über fusionierende Unternehmen. Auch im privaten Bereich ist sie gebräuchlich, um zu signalisieren, dass ein Projekt noch lange nicht in trockenen Tüchern ist. Ihre Bildhaftigkeit und der klare Warncharakter sorgen für anhaltende Relevanz.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redensart eignet sich hervorragend für informelle Gespräche, lockere Vorträge oder kollegiale Besprechungen, um auf humorvolle, aber bestimmte Weise auf verbleibende Herausforderungen hinzuweisen. In einer formellen Trauerrede oder in hochoffiziellen diplomatischen Verlautbarungen würde sie hingegen wahrscheinlich als zu umgangssprachlich und flapsig empfunden werden. Sie dient dazu, übertriebenen Optimismus zu dämpfen oder vor voreiligen Schlüssen zu warnen.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Verwendungen:
- Nach der erfolgreichen Vertragsunterzeichnung sagte der Projektleiter zu seinem Team: "Das war der erste Schritt, aber denkt daran: Der Drops ist noch nicht gelutscht. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit."
- In einer politischen Talkshow kommentierte ein Analyst den Kompromiss der Parteien: "Sie haben sich auf einen Minimalkonsens geeinigt, doch bei der konkreten Umsetzung der Gesetze wird sich zeigen: Der Drops ist noch lange nicht gelutscht."
- Privat, nachdem eine Zusage für einen Kredit vorlag, meinte ein Freund zum anderen: "Freu dich, aber die Bank will noch etliche Nachweise. Der Drops ist damit noch nicht gelutscht."
Nutzen Sie die Redewendung also dort, wo Sie in einem nicht zu formellen Rahmen eine bildhafte und eingängige Warnung aussprechen möchten.
Mehr Redewendungen
- Abwarten und Tee trinken
- Ach du grüne Neune!
- Alles über einen Kamm scheren
- Alte Zöpfe abschneiden
- Alter Schwede
- Am Hungertuch nagen
- Ans Eingemachte gehen
- Äpfel mit Birnen vergleichen
- Auf keinen grünen Zweig kommen
- Den Ball flach halten
- Den Faden verlieren
- Den Löffel abgeben
- Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
- Der springende Punkt
- Einen Zahn zulegen
- Es faustdick hinter den Ohren haben
- Hieb und stichfest
- Holzauge sei wachsam
- Im siebten Himmel sein
- In den sauren Apfel beißen
- Jemandem aufs Dach steigen
- Jemandem einen Bären aufbinden
- Jemandem einen Denkzettel verpassen
- Jemanden an die Wand stellen
- Kein Blatt vor den Mund nehmen
- 950 weitere Redewendungen